Börsenschluss Infineon im Höhenrausch
Frankfurt am Main Der Dax präsentierte sich über den gesamten Handelsverlauf sehr fest. Am Abend bröckelten die Kurse etwas ab, nachdem in den USA weitere Milzbrandfälle die Stimmung leicht trübten, dennoch ging der Leitindex mit einem Plus von 1,8 Prozent auf 4704 Punkten aus dem Handel. Am Neuen Markt schloss der Nemax 50 bei 1071 Zählern, ein Plus von 4,5 Prozent.
An der Wall Street sackte der Dow Jones nach einem festen Auftakt ins Minus und notierte zum Handelsschluss in Deutschland rund 0,5 Prozent schwächer auf 9335 Punkten. Die Nasdaq gewann 0,5 Prozent auf 1716 Zähler.
Händler in Frankfurt zeigten sich angesichts der zum Teil deutlichen Kursaufschläge ratlos. Obwohl die fundamentalen Rahmendaten weiterhin schlecht und die gemeldeten Quartalsergebnisse größtenteils nur im Rahmen der Erwartungen ausgefallen seien, präsentierten sich die Börsen freundlich. Auch das Herbstgutachten der deutschen Wirtschaftsinstitute schlage pessimistische Töne an. "Angesichts der schlechten Konjunkturnachrichten und der anhaltenden politischen Unsicherheit halte ich die Kursgewinne für übertrieben", sagte ein Händler.
In New York warnten zudem die Investmenthäuser Merrill Lynch und J. P. Morgan vor einem erneuten Kurseinbruch. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse seien aus Sicht der Experten zu hoch, zudem sei zu viel Optimismus im Markt.
Die noch laufende Berichtssaison könne noch unangenehme Überraschungen bereithalten, hieß es auf dem Parkett. Die am Dienstag vorgelegten Unternehmenszahlen für das dritte Quartal trafen jedoch überwiegend die Prognosen der Analysten: AT&T Wireless und DaimlerChrysler lagen über den Erwartungen, Bristol-Meyers Squibb, Xerox und Kimberly-Clark erfüllten die Prognosen. Der Telekomausrüster Lucent Technologies enttäuschte.
DaimlerChrysler gibt Gas
Nach Bekanntgabe der Quartalszahlen setzten die Aktien von DaimlerChrysler zu einem Höhenflug an. Die Titel schlossen 5,2 Prozent fester auf 40,83 Euro. "267 Millionen Verlust bei Chrysler liest sich sehr schön", sagte ein Händler. Die Zahlen seien gut für die weitere Erholung der Aktie, fügte er hinzu. Der Automobilhersteller hatte im dritten Quartal einen überraschend hohen Betriebsgewinn erwirtschaftet und hält an seinen Ergebniszielen fest.
Die Technologiewerte überraschten ebenfalls mit deutlichen Kursaufschlägen. Die Titel von Infineon (plus acht Prozent auf 18 Euro) und Siemens (plus 4,8 Prozent auf 52,22 Euro) präsentierten sich trotz negativer Analystenkommentare freundlich. "Die Hoffnung wächst, dass im Halbleitermarkt das Schlimmste überstanden ist", sagte ein Analyst mit Blick auf die optimistischeren Prognosen von Philips für die Chip-Sparte. Zudem könnten die Preise für DRAM-Speicherelemente bald anziehen, da der südkoreanische Chiphersteller Hynix Semiconductor sich möglicherweise aus dem Markt zurückziehen wolle. "Dies würde das Angebot verringern und könnte zu steigenden Preisen führen. Davon würden Infineon und auch die Konzernmutter Siemens profitieren", sagte der Börsianer.
Die Aktien von Epcos (plus 0,2 Prozent auf 48,91 Euro) und SAP (plus 2,1 Prozent auf 119 Euro) kletterten ebenfalls.
Die Hoffnung auf eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag sorgte Händlern zufolge bei den Aktien der verschuldeten Deutschen Telekom für Kurszuwächse. Die T-Aktie legte um 3,4 Prozent auf 18,40 Euro zu.
Lufthansa-Papiere verbesserten sich um drei Prozent auf 12,05 Euro. Der gesamte europäische Sektor lege kräftig zu, sagte ein Händler einer Frankfurter Großbank. Er bewertete die Entwicklung vor allem als eine technische Reaktion. Weder gebe es positive Nachrichten zur Lufthansa, noch zur Luftfahrtbranche als Ganzes.
HypoVereinsbank-Titel gingen mit einem Kursaufschlag von 3,7 Prozent auf 36,30 Euro aus dem Handel. Am Donnerstag legt die HypoVereinsbank ihre Zahlen für das abgelaufene dritte Quartal vor. Analysten rechnen mit einem Gewinneinbruch von bis zu 60 Prozent.
Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer hat seine pessimistischen Geschäftsaussichten für 2001 bekräftigt. "Das dritte und vierte Quartal entspricht nicht unseren Erwartungen", sagte Bayer-Chef Manfred Schneider dem "Handelsblatt" (Dienstagausgabe). Eine wirtschaftliche Erholung sei nicht in Sicht und er rechne erst für das zweite Halbjahr 2002 mit einer konjunkturellen Belebung. Die Aktie drehte nach schwachem Auftakt dennoch ins Plus und gewann rund 2,4 Prozent.
Unter Abgabedruck standen vornehmlich die defensiven Werte. Verlierer des Tages war die Deutsche Post , aber auch Preussag und Metro verloren stark.
Minirallye am Neuen Markt
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Die Wachstumsbörse zeigte in Ansätzen wieder alte Stärke und setzte sich deutlich von der psychologisch wichtigen 1000-Punkte-Linie ab. "Der Markt ist heute etwas freundlicher gestimmt. Das Vertrauen in den Neuen Markt ist wieder etwas zurückgekehrt. Da steigt die Kauflust und die Kurse gehen wieder nach oben", sagte ein Düsseldorfer Händler.
Andere Börsianer äußerten sich weniger optimistisch. Ein Händler sagte, dass die Profis weiterhin einen großen Boden um den Neuen Markt machen würden und die Umsätze gering seien. "Die Hausse nährt die Hausse", sagte er. "Gekauft wird nicht was gut ist, sondern was alle kaufen."
Einen guten Tag erwischten die Aktien der Direktbanken. Gerüchte einer möglichen Fusion zwischen der Comdirect (plus 22,1 Prozent auf 10,85 Euro) und der DAB Bank (plus 10,5 Prozent auf 12,90 Euro) trieben die Kurse an. Auch die Titel des Rivalen Consors profitierten davon und stiegen um 8,4 Prozent auf 12,82 Euro.
Comroad , der im Nemax 50 notierte Telematik-Spezialist, hat im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2001 den Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um über 110 Prozent auf Euro 27,9 Millionen gesteigert. Der Vorstand geht davon aus, dass der geplante Umsatz in Höhe von 95 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2001 erreicht wird. Die Aktie verzeichnete ein Plus von 20,3 Prozent auf 9,44 Euro und gehörte damit zu den stärksten Werten im Nemax 50.
Balda-Aktien kletterten um 17,5 Prozent auf 9,40 Euro. Die Aktien des Handy-Komponentenherstellers profitierten weiter von den am Vortag veröffentlichten Quartalszahlen.
Kurs des Euro deutlich gefallen
Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs des Euro auf 0,8887 (Montag: 0,8969) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,2008 (2,1807) Mark. Gegen Handelsschluss in Frankfurt kostete die Gemeinschaftswährung 0,8901 Dollar.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6258 (0,6270) Pfund, 109,03 (109,18) Yen und 1,4791 (1,4754) Schweizer Franken fest.