Börsenschluss Infineon-Kurs knickt ein
Frankfurt am Main Der Dax schwankte im Handelsverlauf am Donnerstag stark, hielt sich dabei aber meist knapp über der Vortagesschlusslinie. Zum Schlussgong notierte der Blue-Chip-Index bei 5271 Punkten, ein Plus von 0,2 Prozent. Der Nemax 50 hat dagegen nach einem starken Start kontinuierlich an Kraft verloren und rutschte um 0,8 Prozent auf 1316 Zähler.
In den USA haben die Aktienmärkte nach der Rallye vom Vortag ebenfalls eine kleine Ruhepause eingelegt. Der Dow Jones und die Nasdaq notierten zum Handelsschluss in Deutschland jeweils mit knapp 0,3 Prozent im Plus. Damit lag der Dow Jones aber noch deutlich über der 10.000-Punkte-Linie, die er am Vortag übersprungen hatte.
Vor Börseneröffnung gab das US-Arbeitsministerium enttäuschende Wirtschaftsindikatoren bekannt. Die Produktivität der Amerikaner ist im dritten Quartal nur noch mit einer Jahresrate von 1,5 Prozent gestiegen. Eine frühere Schätzung war von 2,7 Prozent ausgegangen. Die Zahl neuer Antragsteller auf Arbeitslosenunterstützung fiel zwar um 18.000 auf 475.000. Experten hatten jedoch mit einen Rückgang auf 459.000 gerechnet.
In Frankfurt ist die Entscheidung der EZB, die Leitzinsen unverändert zu belassen, bereits erwartet worden und hatte keine Auswirkungen auf den Handel. Leichten Druck übten dagegen die deutschen Konjunkturdaten aus. Demnach ist der Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe in Deutschland im Oktober 2001 gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt um 0,9 Prozent gesunken. Analysten hatten im Durchschnitt einen Anstieg von 0,5 Prozent erwartet. Auf Jahressicht nahm der Auftragseingang im Oktober 2001 um 6,5 Prozent ab. Die Prognosen lagen hier bei minus 7,5 Prozent.
MAN gewinnt drei Prozent
Im späten Handel hat die MAN-Aktie immer stärker zugelegt. Mit einem Kursaufschlag von drei Prozent auf 23,30 Euro ging das Papier ohne Unternehmensnachrichten als Tagessieger aus dem Handel.
Besonders stark präsentierten sich am Donnerstag die Finanzwerte. Die Aktien von der Deutschen Bank (plus 2,6 Prozent auf 77,32 Euro), HypoVereinsbank (plus 2,1 Prozent auf 37,70 Euro), MLP (plus zwei Prozent auf 84,66 Euro) und Commerzbank (plus 1,6 Prozent auf 19,81 Euro) legten deutlich zu. Die Deutsche Bank profitierte von Äußerungen des Konzernlenkers Rolf-E. Breuer, künftig alle Unternehmensbereiche einer verstärkten Kontrolle zu unterziehen. Die MLP-Aktie wurde zuvor von der Berenberg Bank zum Kauf empfohlen.
Die Technologiewerte litten zum Teil unter heftigen Gewinnmitnahmen und schwankten im Tagesverlauf stark. Infineon-Papiere rutschten im Tagesverlauf steil ab und gingen mit einem Minus von 3,3 Prozent auf 27,30 Euro als größter Verlierer aus dem Handel. Der Abwärtstrend hatte sich beschleunigt, nachdem der US-Rivale tiefrote Zahlen bekannt gegeben hatte. In den beiden vorangegangenen Handelstagen hatten die Anteilsscheine der Siemens-Tochter jedoch mehr als 25 Prozent zugelegt. Die SAP-Aktie rutschte trotz positiver Analystenkommentare von der Deutschen Bank und von Merrill Lynch um 2,1 Prozent auf 152,90 Euro. Siemens und Epcos schlossen knapp im Plus. Positive Analystenkommentare nach der Vorlage von Geschäftszahlen halfen der Siemens-Aktie.
Lufthansa-Titel gaben auf 15,69 Euro nach, ein Minus von 3,2 Prozent. Die Fluglinie wird eine Wandelanleihe mit einem Volumen von 500 Millionen Euro begeben. Dadurch sollten kurzfristige Verbindlichkeiten refinanziert werden, teilte die Fluggesellschaft am Donnerstagmorgen mit. Die Wandelschuldverschreibung laufe über zehn Jahre. Das Bezugsrecht für Altaktionäre werde nach einem entsprechenden Beschluss des Aufsichtsrats ausgeschlossen. Experten beurteilten die Wandelanleihe als eine versteckte Kapitalerhöhung.
Kräftig Zuwächse verzeichneten die im Smax notierten Stamm-Aktien der Möbel Walther. Um satte 16,6 Prozent auf 20,40 Euro ging es für den Nebenwert nach oben. Am Morgen hatte der Möbelhändler aus dem hessischen Gründau-Lieblos angekündigt, alle bislang gehaltenen 599.596 Stammaktien am 7. Dezember zu verkaufen. In einem Paketverkauf sollen sie zu einem Preis deutlich über der aktuellen Notierung an der Frankfurter Börsen angeboten werden.
Neuer Markt: Comdirect und Consors an der Spitze
Im Nemax 50 erholten sich Consors von ihren Vortagesverlusten und stiegen um 6,2 Prozent auf 10,13 Euro. Der Vorstandsvorsitzende des Online Brokers, Karl Matthäus Schmidt habe vom neuen Chef der Schmidt Bank, Paul Wieandt, die Zusicherung erhalten, dass Consors nur als Ganzes verkauft werde. Das sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Allerdings seien die Verkaufsgespräche unterbrochen, die aber nun wieder aufgenommen werden sollen. Als Interessenten für Consors würden derzeit die Postbank und der französische Online Broker Fimatex gehandelt. Ein Verkauf sei bis Ende Dezember nicht auszuschließen, hieß es weiter.
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Bei Comdirect scheinen die Anleger nach wie vor den Kundenzulauf zu honorieren. Das Unternehmen habe in den zwei Wochen seit dem 16. November 1500 neue Kunden gewonnen, erklärte ein Unternehmenssprecher. Die Aktie gewann 4,6 Prozent auf 12,92 Euro und war damit der zweitstärkste Wert im Nemax 50. Die DAB Bank hingegen verlor 3,3 Prozent auf 14,80 Euro.
Deutlich unter Druck stand die Aktie von Teleplan , die 5,1 Prozent auf 18,20 Euro verlor. Ein an der Börse bekannt gewordener Verkauf von annähernd zwei Millionen Aktien durch den Vorstandschef des Unternehmens hatte den Kurs belastet. "Obwohl der Handel außerhalb der Börse stattgefunden hat, bekam ein Börsianer Wind davon - und petzte. So etwas belastet natürlich den Aktienkurs, denn das Vertrauen der Börse ist erst einmal weg," sagte ein Händler. Ein anderer Börsianer bestätigte diesen Grund: "Ich habe auch davon gehört und der Verkauf dürfte auch der Grund für den Kursrutsch sein."
Kurs des Euro gefallen
Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,8889 (Mittwoch: 0,8919) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,2003 (2,1929) Mark. Gegen Handelsschluss in Frankfurt wurde ein Euro mit 0,8949 Dollar gehandelt.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6255 (0,6270) Pfund, 110,72 (110,84) Yen und 1,4741 (1,4747) Schweizer Franken fest.