Börsenschluss: Infineon trotzt Abwärtstrend - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Infineon trotzt Abwärtstrend

Verluste der Schwergewichte Allianz und Münchener Rück drückten am Dienstag auf den Dax. Gegen den Trend legte Infineon bei den Techwerten zu. MLP punktete im Streit um angeblich getürkte Bilanzen vor Gericht und an der Börse. Im M-Dax stürzte die Aktie von WCM ab. Der Euro stieg über 95 US-Cent.
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Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte haben am Dienstag im Minus geschlossen. Sie konnten auf Grund von Gewinnmitnahmen nicht an die starke Erholung des Vortages anknüpfen. Aktien von Versicherungen gehörten zu den größten Verlierern. Die Papiere des Finanzdienstleisters MLP   gingen als Tagessieger aus dem Handel, nachdem das Unternehmen im Streit um angebliche Bilanztricks eine einstweilige Verfügung gegen das Anlegermagazin "Börse Online" vor Gericht erzielt hatte.

Der Dax schloss mit einem Minus von 0,9 Prozent auf 4433 Zähler. Die Wachstumswerte im Nemax 50 gaben 1,0 Prozent auf 681 Punkte ab. An der Wall Street notierte der Dow Jones gegen 20 Uhr (MEZ) um 0,1 Prozent leichter auf 9675 Zähler. Vor den mit Spannung nach Börsenschluss erwarteten Zahlen des weltweit zweitgrößten Softwarherstellers Oracle präsentierte sich der Nasdaq Composite 0,3 Prozent leichter auf 1548 Punkte.

Konjunkturdaten waren von den Aktienmärkten in den USA zunächst gut aufgenommen worden. Die Verbraucherpreise in den USA im Monat Mai blieben stabil, nachdem im Vormonat noch eine Zunahme von 0,5 Prozent verzeichnet worden war. Ökonomen hatten mit einem Zuwachs von 0,1 Prozent gerechnet. Es war das erste Mal seit zwei Jahren, das sich die Verbraucherpreise unverändert zeigten. Damit wächst der Spielraum für die US-Notenbank, auf ihrer nächsten Sitzung in der kommenden Woche auf eine Zinserhöhung zu verzichten.

Die Zahl der Baubeginne in den USA ist im Mai deutlich dagegen stärker als erwartet verglichen mit dem Vormonat saisonbereinigt um 11,6 Prozent auf 1,733 Millionen gestiegen. Dies war die kräftigste prozentuale Zunahme seit sieben Jahren.

Die stärksten Abschläge im Dow Jones verzeichneten IBM   , die gegen 20 Uhr (MEZ) 1,71 Prozent auf 75,82 Dollar verloren. Die Investmentbanker von Morgan Stanley hatten wie am Vortag Salomon Smith Barney die Umsatz- und Gewinnprognosen gekürzt. Richtungweisend dürften die nach Börsenschluss erwarteten Geschäftszahlen des weltweit zweitgrößten Softwarekonzern Oracle   zum Geschäftsjahr 2001/02 werden, die nach Börsenschluss veröffentlicht werden sollen. Sollte die Bilanz jedoch enttäuschen, sind Kursverluste für Mittwoch im Technologie-Bereich schon vorprogrammiert. Oracle gaben in New York zuletzt 3,70 Prozent auf 8,86 Dollar ab.

Deutsche Bank schickt Münchener Rück auf Talfahrt

Deutsche Bank schickt Münchener Rück in den Keller

Die Deutsche Bank   hat am Mittwoch ihre Restbeteiligung an der Münchener Rück   verkauft und damit die Aktie des Rückversicherers stark unter Druck gesetzt. Die Aktien im Wert von 1,6 Milliarden Euro seien weltweit bei institutionellen Investoren platziert worden, teilte die Bank am Abend in Frankfurt mit.

Die Aktien des Rückversicherers verloren mehr als vier Prozent auf rund 219 Euro und gehörten damit zu den schwächsten Werten im Dax. In der Spitze hatte die Aktie mehr als acht Prozent im Minus gestanden. Insgesamt seien 7,6 Millionen Aktien verkauft worden, teilte die Deutsche Bank mit. Mit in den Abwärtssog geriet die Aktie von Europas größtem Allfinanzkonzern Allianz   , die 3,30 Prozent auf rund 207 Euro verloren. "Da die Allianz mit knapp 25 Prozent an der Münchener Rück beteiligt ist, ist oft ein Kursverlauf der beiden Unternehmen in die gleiche Richtung zu beobachten - heute nach unten", sagte ein Händler in Frankfurt. Eine andere tagesaktuelle Erklärung für ein Einbruch der Allianz-Aktie gebe es nicht.

Telekom: "Kein wirklicher Verzicht

Als weiteres Schwergewicht im Dax drückten Verluste der Deutschen Telekom   auf den Index. Die T-Aktie rutschte um 1,33 Prozent auf 10,40 Euro ab. Der Vorstand der Deutschen Telekom verzichtet in diesem Jahr freiwillig auf Aktienoptionen als Teil seiner Vergütung. Ron Sommer und seine Kollegen werden diesen Vorschlag dem Aufsichtsrat unterbreiten, sagte ein Unternehmenssprecher und bestätigte damit Medienberichte. "Wenn die Aktienoptionen praktisch wertlos sind, dann kann man nicht wirklich von einem Verzicht sprechen", hieß es auf dem Parkett.

Infineon kooperiert mit Motorola

Die Aktien des Münchener Chip-Hersteller Infineon   konnten im Gegensatz zu anderen Technologietiteln deutlich zulegen und gingen nach einer Achterbahnfahrt mit einem Kursplus von 2,75 Prozent auf 16,81 Euro als zweitstärkster Wert im Dax aus dem Handel.

Infineon will nach Berichten vom Abend will mit den beiden US-Konzernen Motorola   und Agere Systems bei der Entwicklung und Vermarktung von Digitalsignalprozessoren (DSP) zusammenarbeiten. Dazu sei von den Partnern ein Gemeinschaftsunternehmen unter dem Namen StarCore mit Hauptsitz in Austin/Texas gegründet worden, teilten die drei Unternehmen in München mit.

Die Prozessoren kommen in Produkten der Kommunikations- und Unterhaltungselektronik wie Mobiltelefonen zum Einsatz. Vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden solle der Betrieb des zunächst 100 Mitarbeiter zählenden Joint Ventures im Spätsommer 2002 aufgenommen werden. Hauptkunden seien zunächst Agere, Infineon und Motorola selbst, die jeweils mit einem Drittel an StarCore beteiligt seien. Allerdings werde die neue Gesellschaft ihre Produkte künftig allen Halbleiter- und Kommunikationssystemherstellern weltweit anbieten. Infineon-Chef Ulrich Schumacher verspricht sich von dem Joint Venture neben der Einsparung von Entwicklungskosten einen deutlichen Gewinn von Marktanteilen in den kommenden Jahren.

Die übrigen Technologiewerte wie Epcos   (minus drei Prozent) und Siemens   (minus 1,12 Prozent) schlossen im Minus. Auch SAP   konnte seine Verluste vor den Oracle Zahlen auf 0,2 Prozent bei 105 Euro reduzieren.

Deutlich unter Druck stand erneut die "Aktie Gelb", die um 3,50 Prozent auf 13,61 Euro abgab. Bei der Diskussion um die eventuelle Rückzahlung von 572 Millionen Euro durch die Deutsche Post   ist die Möglichkeit einer Portosenkung in den Mittelpunkt gerückt. Ein geringeres Briefporto würde die Gewinnmargen bei den Bonnern belasten, sagten Händler.

Fresenius Kabi belastet FMC-Aktie

Die Aktie von Fresenius Medical Care   verbilligte sich um 4,50 Prozent auf 49,66 Euro. Händler begründeten dies einerseits mit Gewinnmitnahmen. Am Montag hatte das Papier knapp sieben Prozent zugelegt. Andererseits belaste der Kursverfall von fünf Prozent auf 61,79 Euro beim im Nebenwerte-Index M-Dax gelisteten Papier der Muttergesellschaft Fresenius. Der Gesundheitskonzern hatte zuvor mitgeteilt, wegen anhaltender Restrukturierungen bei der Tochter Kabi für dieses Jahr zusätzliche Einmalbelastungen zu erwarten.

MLP   -Aktien waren wieder gesucht und stiegen um 6,86 Prozent auf 35,81 Euro. Die Papiere gingen damit als Tagessieger aus dem Handel. Das Heidelberger Unternehmen erwirkte vor dem Landgericht Frankfurt eine einstweilige Verfügung gegen das Magazin "Börse Online". Die Publikation dürfe künftig nicht mehr behaupten, in der Kapitalflussrechnung für das erste Quartal 2002 sei der Quartalsüberschuss doppelt eingerechnet worden, teilte MLP mit.

Im M-Dax brachen die Aktien von WCM   um knapp 20 Prozent auf 7,15 Euro ein. Händler verwiesen auf eine deutliche Verkaufsempfehlung des Schweizer Finanzdienstleisters United ZurichFinance, der seine Einstufung unter anderem mit Kreditrisiken und der Intransparenz der Bilanz begründete. Dem Analysten Bernd Stahli von Merrill Lynch zufolge ist das Thema Intransparenz bei WCM nichts Neues. Angesichts der Nervosität der Anleger werde derzeit aber alles hinterfragt. WCM kündigte inzwischen juristische Schritte gegen ZurichFinance wegen angeblich falscher Tatsachenbehauptungen an.

Neuer Markt: Zwei neue Pleiten und Hoffnung für Mobilcom

Neuer Markt: Umweltkontor profitiert von Ecomill-Kauf

Am Neuen Markt gehörte die Aktie von Umweltkontor   zu den größten Gewinnern im Nemax 50. Die Anteilsscheine verteuerten sich um über sechs Prozent auf 3,95 Euro. Der Windparkbauer hat die Ecomill Windpark Beteiligungs- und Verwaltungs GmbH vollständig übernommen. Durch diesen Schritt solle der Service-Bereich gestärkt werden, sagte ein Unternehmenssprecher am Dienstag in Erkelenz. Finanzielle Details wurden nicht mitgeteilt.

Einem Übernahmeangebot der France Telecom (FT) an Mobilcom   -Chef Gerhard Schmid steht offenbar nichts mehr im Weg. Der französische Staatskonzern hat sich nach Angaben aus verhandlungsnahen Kreisen mit den Banken auf die Refinanzierung der Mobilcom-Darlehen über 4,7 Milliarden Euro geeinigt.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag aus den Kreisen in Paris erfuhr, will France Telecom die Vereinbarung mit dem aus 17 Banken bestehenden Konsortium frühestens am Mittwoch veröffentlichen. In Kreisen im Umfeld von Mobilcom hieß ergänzend, das Dokument der Übereinkunft werde zurzeit den einzelnen Banken zugeleitet. Das Einzige, was noch fehle, seien die Unterschriften. Die Aktie von Mobilcom zog um mehr als drei Prozent auf 8,30 Euro an.

Indes hat der Neue Markt zwei neue Insolvenzen zu beklagen. Die Aktien von H5B5 Media   und von TelesensKSCL   waren am Dienstagnachmittag vom Handel zeitweise ausgesetzt. Beide Unternehmen haben mitgeteilt, Insolvenz beantragt zu haben. Die Aktie von H5B5 verlor 50 Prozent auf schlappe 0,10 Euro. Die Aktien von Telesens brachen um 62 Prozent auf 0,11 Euro ein.

Der Telekomsoftware-Anbieter Telesens KSCL hat wegen Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Köln gestellt. "Jetzt muss man erst einmal abwarten, wie das Amtsgericht auf den Antrag reagiert", sagte am Dienstag die Sprecherin der Telesens KSCL AG. Von dem möglichen Verfahren seien rund 100 Beschäftigte am Standort Köln betroffen. Um welche Summe es sich bei den fälligen Zahlungen handelt, wollte von Moltke nicht sagen.

Das Medienunternehmen H5B5 Media hat beim Amtsgericht München einen Insolvenzantrag gestellt. Der Kerngeschäftsbereich "Welt der Wunder" und andere "gesunde Tochterunternehmen" seien nicht betroffen, teilte die am Neuen Markt notierte Gesellschaft am Dienstag in München mit. Zu den Zahlungsschwierigkeiten führten Probleme mit laufenden Produktionen.

Euro im späten Handel über 95 US-Cent

Der Kurs des Euro ist am Dienstag gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9484 (Montag: 0,9426) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0544 (1,0609) Euro. Zuletzt konnte die Währung die Marke von 95 US-Cent knacken und stieg bis 20.29 Uhr auf 0,9516 Dollar.