Börsenschluss: Infineon zieht den Dax ins Plus - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Börsenschluss Infineon zieht den Dax ins Plus

Deutliche Kursanstiege bei Infineon und der HypoVereinsbank haben dem Dax zu einem positiven Start ins neue Handelsjahr verholfen. Die guten US-Konjunkturdaten haben den Markt kaum unterstützen können.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main – Der Dax hat nach einem schwachen Tagesverlauf zum Schluss noch einmal an Fahrt gewonnen und ist mit einem Plus von 0,2 Prozent auf 5167 Punkten aus dem Handel gegangen. Am Neuen Markt stieg der Auswahlindex Nemax 50 um 1,4 Prozent auf 1161 Punkte.

In den USA dümpelten die Märkte zum deutschen Handelsschluss nahezu unverändert. Der Dow Jones stieg minimal auf 10.024 Punkte, die Nasdaq legte 0,3 Prozent auf 1955 Zähler zu.

Händler sprachen von einem "ziemlich nachrichtenarmen und lustlosen Handel". Bei den meisten Aktien seien die Umsätze niedrig. Die meisten Fondsmanager befänden sich im Urlaub und stiegen erst in der kommenden Woche wieder in den Markt ein. Zudem hätten die lange Zeit schwachen US-Börsen die Stimmung belastet. Die positiven US-Konjunkturdaten konnten die Aktienkurse nur kurzfristig beflügeln.

"Der Einkaufmanagerindex in den USA war zwar wesentlich besser als erwartet, signalisiert aber immer noch einen konjunkturellen Abschwung", sagte ein Aktienhändler. "Ich glaube zwar, dass der Abwärtstrend beendet ist. Für eine weitere deutliche Kurserholung brauchen wir aber noch mehr positive Daten", fügte er hinzu.

Der US-Einkaufmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe des Institute for Supply Management (ISM) (früher NAPM) ist im Dezember 2001 auf 48,2 von 44,5 Punkten im Vormonat gestiegen. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt einen Anstieg auf 45,5 Punkte prognostiziert. Ein Stand unter 50 Punkten signalisiert eine Verschlechterung der konjunkturellen Lage.

Von den Dax-Titeln ragte der Anstieg der Infineon-Papiere   um 7,6 Prozent auf 24,70 Euro heraus. Der weltweit drittgrößte Speicherchip-Hersteller Hynix Semiconductor hatte zuvor angekündigt, die Preise um durchschnittlich 30 Prozent anzuheben. "Dass Hynix die Preise für Speicherchips zum dritten Mal erhöht hat, ist sicherlich eine positive Meldung für die gesamte Branche, und das hat auch auf Infineon ausgestrahlt", sagte ein Fondsmanager. "Die Reaktion ist vielleicht im ersten Schritt etwas übertrieben, aber die Tendenz stimmt", fügte er hinzu. An den Spotmärkten stiegen die Preise für Speicherchips (DRAMs) auf 2,35 Dollar. Sie liegen damit aber noch immer unter den Herstellungskosten. Im vergangenen Jahr hatten die DRAM-Chips zeitweise weniger als ein Dollar gekostet.

Anziehen konnten auch die Titel der HypoVereinsbank   (plus 4,2 Prozent auf 35,75 Euro) und der Lufthansa   (plus 3,7 Prozent auf 15,38 Euro). Beide Papiere hatten 2001 zu den schwächsten Dax-Werten gezählt und jeweils rund 45 Prozent nachgegeben.

Nach der weitgehend reibungslosen Einführung des Euro-Bargeldes stiegen die Anteilsscheine des Einzelhandelskonzerns Metro   um 1,9 Prozent auf 40,60 Euro. Im MDax kletterten KarstadtQuelle-Titel um 0,1 Prozent auf 44,45 Euro. Ein Händler sagte, die komplikationsfreie Einführung des Euro-Bargeldes habe den Papieren geholfen.

Deutlich schwächer präsentierte sich hingegen der Softwarehersteller SAP   . Die Titel büßten 2,1 Prozent auf 143,18 Euro ein. "Die Anleger sind sehr vorsichtig. Es gibt schon wieder Spekulationen um ein schlechtes viertes Quartal bei SAP", sagte Aktienhändler Weber. "Das ist das gleiche Spiel wie in den vergangenen Quartalen. Der Markt glaubt SAP nicht, dass die Geschäfte gut laufen, insbesondere wegen der großen Probleme bei der Mehrzahl der Konkurrenten."

Neuer Markt: Medienwerte freundlich

"Die Aufträge der Profikunden können wir wie an den Handelstagen zuvor an weniger als einer Hand abzählen", beschrieb ein Banker den Handelstag. "Es wird wohl erst am kommenden Montag wieder richtig losgehen, wenn mehr Börsianer aus dem Urlaub zurück sind."

Index-Schwergewichte wie T-Online   und Mobilcom   standen im Interesse der Anleger. Zudem bewegten Nachrichten bei Senator   , Splendid Medien und der Verkauf einer Tochtergesellschaft beim Softwareprogrammierer SER Systeme die Aktienkurse.

T-Online-Aktien   stiegen nach einem Umsatz von mehr als vier Millionen Euro im elektronischen Xetra-Handel um 1,8 Prozent auf 11,10 Euro. "Da ist noch für ein Kursplus von 30 oder 40 Cent Platz", sagte ein Händler. Die Aktie sei Ende vergangenen Jahres stark gesunken. Dies werde jetzt teilweise wieder aufgeholt.

Die Titel von Mobilcom   stiegen um 3,3 Prozent auf 25,10 Euro. Die Privatbank Merck, Finck & Co. hatte die Aktie mit "Buy" (Kaufen) bestätigt. Die Analysten gehen nach der "gelungenen Einführung des UMTS-Mobilfunk-Standards in Japan, Monaco und der Isle of Man" davon aus, dass Konzern-Chef Gerhard Schmid seinen Zeitplan bei der Installation des Netzes in Deutschland einhalten kann.

Das deutliche Plus bei Senator Entertainment (plus 15,1 Prozent auf 2,98 Euro) stärkte die Medienbranche und sorgte auch für deutliche Zugewinne bei Splendid Medien (plus 14,3 Prozent auf zwei Euro) und EM.TV   (plus 13,8 Prozent auf 1,65 Euro).

Problemlose Euro-Einführung stützt den Kurs

Einen Tag nach der Ausgabe des Euro-Bargeldes hat die europäische Gemeinschaftswährung deutliche Kurssteigerungen verzeichnet. Um 20.30 Uhr notierte der Euro bei 0,9036 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs zuvor bei 0,9038 (Freitag: 0,8813) Dollar fest. Die offenbar problemlose Einführung des Euro-Bargeldes habe das internationale Vertrauen in die neue Währung gestärkt und zu einer verstärkten Nachfrage geführt, sagten Händler.