Börsenschluss: Intel-Ausblick vermiest die Stimmung - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Intel-Ausblick vermiest die Stimmung

An den Börsen spielte am Mittwoch der Intel-Blues. Der schwache Ausblick des Chip-Riesen belastete Technologiewerte. Schlechte Zahlen der US-Bank J.P Morgan drückten Bankenaktien in den Keller. Nur Lufthansa trotzte dem Abwärtstrend.
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Frankfurt - Ein schwacher Ausblick des weltgrößten Chip-Herstellers Intel   hat nach Einschätzung von Händlern den deutschen Aktienmarkt am Mittwoch belastet und zu Kursabschlägen vor allem bei den Technologietiteln geführt.

Der Dax rutschte dabei erstmals seit dem 21. Dezember wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 5000 Punkten. "Die Stimmung am Markt ist unsicher. Die Bären sind wieder aus ihren Höhlen gekommen", sagte Aktienhändler Andreas Schneller von Merck Finck. Der Halbleiter-Branchenführer Intel hatte am Dienstagabend Investitionskürzungen bekannt gegeben und gesagt, keine Anzeichen einer Konjunkturerholung zu sehen.

Der Dax ging mit einem Abschlag von 1,5 Prozent auf 4984 Punkten aus dem Handel, nachdem er zuvor bis auf 4974 Zähler abgerutscht war. Am Neuen Markt gab der Nemax 50 um 3,9 Prozent auf 1135 Zähler nach.

Der enttäuschende Ausblick von Intel sorgte nach Angaben von US-Händlern auch für Verkäufe an den Börsen in New York. Die Technologiebörse Nasdaq verzeichnete bei Börsenschluss in Frankfurt ein Minus von knapp zwei Prozent auf 1961 Punkte, der Dow Jones gab 1,7 Prozent auf 9756 Zähler nach. Beide Indizes konnten bis 21 Uhr aber ihre Verluste wieder reduzieren.

Vor allem die Tatsache, dass der weltgrößte Chiphersteller 2002 ein Viertel weniger für Investitionen ausgeben will, verunsicherte Händlern zufolge die Branche. Analysten und Intel-Vertreter spielten indes die Bedeutung der Ausgabenkürzungen allerdings etwas herunter. Die Ankündigung sei Ergebnis langfristiger Planungen für den Ausbau von Fabriken. Eine Einschätzung über die künftige Nachfrage lasse sich davon nicht ableiten.

Die Aktien von Infineon   hätten sich dem schwachen Intel-Ausblick nicht entziehen können, sagten Händler. Das Papier gab 3,2 Prozent auf 24,40 Euro nach. Siemens   -Aktien verloren einen Tag vor der Hauptversammlung als Tagesverlierer 5,06 Prozent auf 69,25 Euro. Hier kämen mehrere Faktoren zusammen, erklärte ein Händler, wie die Gewinnwarnung des US-Stromkonzerns Calpine und die Ankündigung der Mitarbeiter-Aktionäre, dem Vorstand am Donnerstag die Entlastung zu verweigern.

J.P. Morgan belastet Bankenwerte

Die Zahlen von amerikanischen Bank J.P. Morgan schürten die Sorge der Anleger, dass die deutschen Banken angesichts der anhaltenden Rezession ihre Risikovorsorge noch einmal deutlich anheben müssen, sagte Konrad Becker von der Münchener Privatbank Merck Finck & Co.

Die Aktie der Deutsche Bank   verlor 2,29 Prozent auf 75,00 Euro, das Commerzbank   -Papier 2,04 Prozent auf 17,30 Euro und die HypoVereinsbank   -Titel 3,12 Prozent auf 33,57 Euro.

MAN   büßten 0,8 Prozent auf 24,66 Euro ein. "Morgen kommen die Zahlen von MAN. Es gibt vielleicht einige Sorgen, nachdem die Aktien letzte Woche wegen Spekulationen um Fusionen und Akquisitionen stark gewonnen hatten", sagte ein Analyst. Seit Montag hat die MAN-Aktie rund neun Prozent nachgegeben.

Lufthansa profitiert von Kaufempfehlung

Auf der Gewinnerseite präsentierten sich hingegen die Anteilsscheine der Lufthansa, die sich um 3,4 Prozent auf 17,35 Euro verteuerten. "Es gab stärkere Käufe für Fluglinien gestern Abend in den USA. Dieser Trend setzt sich heute fort", sagte ein Chef-Aktienhändler. Außerdem profitierten Lufthansa-Titel von den wieder niedrigeren Ölpreisen und den im vergangenen Jahr um elf Prozent gestiegenen Passagierzahlen bei Eurowings. Lufthansa hält 24,9 Prozent an Eurowings. Darüber hinaus hat das renommierte US-Brokerhaus Lehman Brothers Anlegern zum Kauf der Lufthansa-Aktie geraten.

Cargolifter-Aktie im freien Fall

Im M-Dax schlossen die Titel des Luftschiffbauers Cargolifter mit einem Verlust von knapp 40 Prozent auf 3,20 Euro, nachdem sie zeitweise um mehr als 60 Prozent eingebrochen waren. Cargolifter ist nach eigenen Angaben auf staatliche Hilfe angewiesen, sollten die laufenden Gespräche über alternative Finanzierungsmöglichkeiten scheitern.

Am Neuen Markt fielen die Titel von Süss MicroTec um knapp 13 Prozent auf 30,72 Euro. Händler erklärten dies mit einer überraschend angekündigten Kapitalerhöhung und dem Intel-Ausblick.

Ebenfalls leichter notierten Papiere von ce Consumer   Electronics und ACG   . Nachdem beide Werte am Vortag von den Gerüchten um eine Fusion der beiden Computerchiphändler profitiert hatten, gaben die Kurse am Mittwoch wieder nach. Ce Consumer verloren 10,11 Prozent auf 7,91 Euro, ACG gaben 9,74 Prozent auf 6,95 Euro ab.

T-Online   verbilligten sich um 4,10 Prozent auf 11,70 Euro. Der Internet-Anbieter hat sein Angebot an kostenpflichtigen Internet-Inhalten ausgeweitet. Dialog Semiconductor verbilligten sich um 10,29 Prozent auf 6,10 Euro. United Internet   gaben 12,17 Prozent auf 5,27 Euro nach.

Zu den wenigen Gewinnern im Nemax 50 gehörten die Aktien von Kontron   . Das Unternehmen rechnet nach einem schwierigen Jahr 2001 nun mit einer Belebung des Geschäfts und will 2002 mindestens 40 Prozent wachsen. Die Aktien gewannen 1,64 Prozent auf 13,67 Euro.

Euro gibt weiter ab

Die US-Konjunkturdaten der vergangenen Tage waren erfreulich und verpassten dem Euro einen weiteren Dämpfer. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs bei 0,8817 (Dienstag: 0,8922) Dollar fest. Der Dollar kostete 1,1342 (1,1208) Euro. Zuletzt wurde der Euro mit 0,8826 Dollar gehandelt.