Börsenschluss Intershop war der Spielverderber
Frankfurt am Main - Der Dow Jones gab seit 20.15 Uhr um rund 25 Punkte nach und notiert um 20.40 Uhr bei einem Plus von 0,2 Prozent. Der Nasdaq-Index sank seitdem um knapp 0,3 Prozent. Der Euro notiert praktisch unverändert bei 0,9338 Dollar.
Die deutschen Anleger haben sich am Mittwoch vor der mit Spannung erwarteten Leitzinsentscheidung in den USA überwiegend zurückgehalten. Bei mäßigen Umsätzen konnte der Deutsche Aktienindex Dax seine Gewinne etwas ausbauen und schloss 0,8 Prozent im Plus bei 6 795, 14 Zählern. Nahezu unverändert notierte der 70 Nebenwerte umfassende Mdax bei 4 788,94 Punkten. Der den Neuen Markt abbildende Nemax 50 verbuchte ein Minus von 1,4 Prozent auf 2 804,92 Zähler.
Dax: High Techs standen im Mittelpunkt
Bei den deutschen Standardwerten standen vor allem die High Techs im Blickpunkt. Mit Siemens und Infineon hatten am Morgen gleich zwei Unternehmen der Siemens-Familie ihre Quartalszahlen vorgelegt. Der Nettogewinn des Mutterkonzerns fiel zwar etwas geringer als erwartet aus, dafür überzeugten die Münchener den Markt nach Meinung von Experten bei den Umsatzzahlen. Als Lohn für so viele aus Sicht der meisten Anleger gute Nachrichten gewann die Aktie 2,64 Prozent auf 155,30 Euro.
Positiv überrascht wurden viele Investoren von Infineon. Der Umsatz der zweiten Siemens-Tochter in den letzten drei Monaten des abgelaufenen Geschäftsjahres lag zwar im Rahmen der Prognosen, die Gewinne fielen jedoch deutlich besser aus als von den Analysten erwartet. Die Aktie des Halbleiterproduzenten kletterte um 4,47 Prozent auf 47,90 Euro.
Die "Falschmeldung" des Tages kam aus der Automobilbranche: Am Markt machte das Gerücht die Runde, dass der japanische Autobauer Toyota eine Übernahme von DaimlerChrysler plane. Händler bezeichneten die Meldung als "unsinnig". Zwar habe der Stuttgarter Konzern ein Konzept zur Abwendung feindlicher Übernahmen in Auftrag gegeben. Doch ein Aufkauf durch Toyota sei "wirklich nicht denkbar". Dem Unternehmen konnte das Gerücht nichts anhaben. DaimlerChrysler gewannen 2,43 Prozent auf 51,05 Euro.
Neuer Markt: Intershop drückt den Index
Den Neuen Markt hat insbesondere der deutliche Kurseinbruch beim Schwergewicht Intershop ins Minus gedrückt. "Die katastrophalen Unternehmenszahlen von Intershop lasteten zum Börsenauftakt schwer auf dem Neuen Markt", sagte Aktienanalyst Marius Hoerner von Lang & Schwarz. Vor allem die Explosion des Verlustes auf 39,3 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2000 werfe einen Schatten auf das Software-Unternehmen. Die Absatzprobleme in den USA seien eine schwere Hypothek für die Zukunft. Zuletzt lagen die Aktien mit 9,71 Euro 19,1 Prozent im Minus.
Der Kursrutsch bei Intershop habe auch eine positive Seite, sagte Hoerner. Vor einigen Wochen hätte eine solche Meldung den gesamten Markt in die Knie gezwungen. Der Neue Markt habe sich aber gut behauptet. Die Anleger richteten ihren Blick eher auf die Zukunft und vor allem auf die erwartete Zinsentscheidung der USA. Die jüngste Zinssenkung Anfang Januar hatte die US-Technologiebörse Nasdaq nach oben katapultiert und den Grundstein für den seitdem anhalten Kursanstieg gelegt. Börsenexperten rechnen mit einer Zinssenkung um 0,5 Prozentpunkte.
Der niederländische Internet-Händler Letsbuyit.com gab unterdessen bekannt, von seinen insgesamt 350 Mitarbeitern voraussichtlich rund 200 zu entlassen. Das Management verhandele weiterhin mit möglichen Investoren, um Mittel für den Fortbestand des Unternehmens zu organisieren. Die Aktien verloren daraufhin 15 Prozent auf 0,51 Euro.
Wall Street: Einzelhandel auf den Kauflisten
An der Wall Street standen vor allem Einzelhandelswerte auf den Kauflisten der Händler. Home Depot kletterten um 5,17 Prozent und waren damit stärkster Wert im Dow Jones. Wal-Mart zogen um 4,33 Prozent an.
Exxon Mobil verteuerten sich um 2,3 Prozent. Die Aktien des Öl-Riesen hätten vor allem von einer Analystenheraufstufung durch Lehman Brothers profitiert. Nach den deutlichen Verlusten der jüngsten Zeit sei nun ein günstiger Einstieg in den Wert. Lehman stuften Exxon von "Neutral" auf "Aggressiv Kaufen" herauf. Prudential Securities äußerten sich ebenfalls positiv über eine Reihe von Ölkonzernen - darunter auch Exxon.
An der Wachstumsbörse Nasdaq standen besonders die Aktien von Software-Unternehmen unter Druck. PeopleSoft brachen um 13,67 Prozent, Adobe Systems verloren 13,39 Prozent. Die Software-Schwergewichte notierten zumeist schwächer: Microsoft gaben 0,44 Prozent nach, Siebel Systems verbilligten sich um 4,61 Prozent, während Oracle unverändert blieb.