Börsenschluss: Kauflaune in Frankfurt - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Kauflaune in Frankfurt

Die deutschen Aktienmärkte haben deutlich fester geschlossen. Vor allem die Technologiewerte zogen die Börsen nach oben. Am Neuen Markt droht nach Ansicht von Händlern eine weitere Kursblase.
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Frankfurt am Main – Im Sog fester US-Börsen und fester Technologiewerte gewann der Dax am Donnerstag knapp zwei Prozent und schloss auf 5270 Punkten. Am Neuen Markt stieg der Auswahlindex Nemax 50 auf 1252 Zählern, ein Plus von 7,4 Prozent.

In den USA präsentierte sich die Wall Street freundlich. Der Dow Jones kletterte bis zum Handelsschluss in Deutschland um 0,5 Prozent auf 10.122 Punkte. Die Nasdaq notierte bei 2028 Zählern, rund 2,5 Prozent über dem Vortagesschlusskurs.

Die gute Stimmung wurde von einer verstärkten Nachfrage nach Technologietiteln angeheizt, hieß es. Die Investoren rechneten offenbar damit, dass die Branche von der in diesem Jahr erwarteten Konjunkturerholung in den USA am meisten profitieren werde, sagten Händler in New York. Gefragt waren vor allem die Aktien von Halbleiter- und Datenspeicherunternehmen.

Ein positiver Faktor sei der traditionelle Zufluss von frischem Kapital zum Jahresbeginn, sagte Fondsmanager Trudbert Merkel von Deka Investment. Händler Knut Hochwald von der Hamburger Sparkasse ergänzte: "Viele große Anleger sind noch nicht ausreichend im Markt." Dieser positive Effekt werde kommende Woche deutlicher hervortreten, wenn alle Anleger aus dem Urlaub zurück seien. Bis März könnte der Dax mit kleineren Konsolidierungsphasen auf 5600 bis 5800 Punkte steigen, fügte er hinzu.

Der Aufschwung dürfe allerdings nicht zu rasant erfolgen, sagte Aktienstratege Guiseppe Amato vom Handelshaus Lang & Schwarz. "Bei einem zu schnellen Aufschwung gibt es immer Skeptiker, die eine Korrektur erwarten und sich nicht in den Markt trauen."

Die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) hat den Handel hingegen kaum beeinflusst. Wie von den meisten Börsianern erwartet hat der Rat der EZB während seiner ersten Sitzung im Jahr 2002 den Leitzins von 3,25 Prozent unverändert gelassen. Erst am nächsten Treffen Anfang Februar könne mit einer Senkung gerechnet werden, hieß es auf dem Parkett.

Infineon führt den Dax an

Wie schon am Vortag führte auch am Donnerstag die Infineon-Aktie   den Dax an. Das Papier verteuerte sich um 6,1 Prozent auf 26,20 Euro. Am Mittwoch gingen die Anteilsscheine bereits mit einem Plus von mehr als sieben Prozent aus dem Handel. Börsianer erklärten den Kursaufschwung mit einer deutlichen Entspannung auf dem Halbleitermarkt. Der Münchener Halbleiter-Hersteller wird vermutlich dem Beispiel seines südkoreanischen Konkurrenten Hynix folgen und ebenfalls die Speicherchip-Preise für Großkunden erhöhen. Der weltweit drittgrößte Speicherchip-Hersteller Hynix Semiconductor hatte zuvor angekündigt, die Preise um durchschnittlich 30 Prozent anzuheben.

Im Sog von Infineon präsentierten sich auch die Aktien der Konzernmutter Siemens   (plus 5,1 Prozent auf 77,90 Euro) und Epcos   (plus 3,4 Prozent auf 58,10 Euro) sehr fest. SAP-Titel gewannen rund 3,5 Prozent auf 148,15 Euro. Am Vortag stand die Walldorfer Softwareschmiede wegen Stellenstreichungen beim US-Rivalen Oracle unter Druck.

Doch auch Werte der Old Economy wie MAN   , Deutsche Post   und Preussag   waren mit Aufschlägen von annähernd fünf Prozent in der Spitzengruppe des Dax zu finden.

Die Aktie der Deutsche Lufthansa   kletterte um 2,2 Prozent auf 15,71 Euro. Die Airline will einem Pressebericht zufolge den Börsengang der Catering-Tochter LSG Sky Chefs in den USA um ein Jahr verschieben.

Leicht im Minus notierten Schering-Titel   mit einem Abschlag von 0,9 Prozent auf 58,68 Euro. Zuvor war bekannt geworden, dass der Pharmakonzern die restlichen 40 Prozent an der französischen CIS Bio International von Areva kaufen will.

Ebenfalls Abschläge mussten die Titel von Adidas Salomon   (minus 1,8 Prozent auf 83 Euro), Metro   (minus 0,9 Prozent auf 40,25 Euro) und HypoVereinsbank   (minus 0,8 Prozent auf 35,45 Euro) hinnehmen.

Ungebremste Kauflaune am Neuen Markt

"Nachrichten interessieren heute nicht. Es wird einfach gekauft, obwohl der Markt seit September fast schon 100 Prozent zugelegt hat", kommentierte ein Händler den Verlauf am Neuen Markt. Die Umsätze seien unerwartet hoch. Mehr als 20 Aktien am Neuen Markt seien zweistellig gestiegen, obwohl keine positiven Unternehmensmeldungen vorlägen. Die hohen Kurse würden allerdings kaum durch die Konjunkturdaten untermauert. Ein anderer Börsianer sagte: "Es droht uns eine weitere Kursblase." Ein weiterer Händler sah der Grund für das kräftige Plus in der Reaktion auf die "erhebliche Bereinigung der Depots zum Jahresende". Nachdem sich die Anleger von vielen Verlustbringern des Vorjahres getrennt hätten, sei jetzt wieder Geld da, um in Aktien zu investieren.

Offenbar sehen Investoren bei der Internet-Agentur Pixelpark   die Zeit zum Einstieg gekommen: Die Aktie der Bertelsmann-Tochter legte ohne fundamentale neue Nachrichten um 42,6 Prozent auf 7,70 Euro zu und führte damit die Gewinnerliste im Nemax 50 an.

Der Chipbroker ACG   profitierte wie Infineon von dem Preisanstieg in der Halbleiterbranche und war mit einem Plus von knapp über zwanzig Prozent zweitbester Wert im Index.

Die Aktien des Münchener Medienkonzerns EM.TV   zeigten sich unbeeindruckt davon, dass CEO Werner Klatten nach Informationen der "Financial Times Deutschland" nicht wie angekündigt zum Jahreswechsel als Großaktionär eingestiegen ist. EM.TV-Titel stiegen bei hohen Umsätzen um 17,6 Prozent auf 1,94 Euro. Das Unternehmen erklärte unterdessen, Klatten werde im Laufe das Januars bei dem Medienunternehmen einsteigen. "Mir ist der Kursanstieg ein Rätsel", sagte ein Börsianer. Der Titel sei überwiegend für Zocker interessant, sagte ein weiterer Marktteilnehmer. Merck Finck & Co. bekräftigte unterdessen seine Anlageempfehlung "Verkaufen".

Ebenfalls auf Klettertour waren die Aktien von T-Online   , die sich um 16,7 Prozent auf 12,95 Euro verbesserten. "T-Online muss man haben", sagte ein Händler. "Da kommt man als Fondsmanager gar nicht darum herum, auch wenn man sagt, die Aktie sei zu teuer." Auch die Aktien des Spezialmaschinenbauers Aixtron   legten mehr als acht Prozent auf 28,10 Euro zu. Die Papiere des Biotechnologie-Unternehmens Qiagen   stiegen 4,7 Prozent auf 22,24 Euro. Beide Titel gelten als "Fondswerte".

Euro fällt unter 90 Cent

Nach der Euphorie über die problemlose Einführung des Euro-Bargelds hat die Gemeinschaftswährung an den Devisenmärkten wieder leicht abgegeben. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9036 (Mittwoch: 0,9038) Dollar fest. Gegen Handelsschluss in Deutschland notierte der Euro bei 0,8992 Dollar. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6254 (0,6262) Pfund, 119,02 (119,53) Yen und 1,4856 (1,4833) Schweizer Franken fest.