Börsenschluss: Kauflaune in Frankfurt - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Kauflaune in Frankfurt

Massive Kursgewinne der Finanz- und Technologiewerte haben die deutschen Aktienmärkte beflügelt. Der Dax nimmt wieder die Marke von 4000 Punkten ins Visier.
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Frankfurt am Main – Getrieben von den Finanz- und Technologiewerten legte der Dax am Montag um 4,2 Prozent auf 3837 Punkte zu. "Der Markt ist ausgetrocknet, glaubt aber wieder daran, dass es an der Börse aufwärts geht", erklärte ein Aktienhändler den Handelsverlauf. "Viele springen auf den Zug auf und positionieren sich in der Hoffnung auf weiter steigende Kurse bis zu 4000 Punkten (im Dax)."

Deutlich verhaltener präsentierten sich die Nebenwerte: Der MDax kletterte auf 3449 Zähler, ein Plus von 1,4 Prozent. Am Neuen Markt stieg der Nemax 50 um 3,5 Prozent auf 500 Punkte.

In den USA zogen die Börsen nach einem unentschlossenen Start deutlich an. Der Dow Jones notierte zum Handelsschluss in Deutschland auf 8961 Punkten, ein Plus von 2,1 Prozent. Der Nasdaq kletterte um 2,5 Prozent auf 1395 Zähler.

Gute Konjunkturnachrichten gab es vom Conference Board. Zwar fiel der Index der führenden Wirtschaftsindikatoren im Juli um 0,4 Prozent, Analysten hatten jedoch einen deutlicheren Rückgang um 0,5 Prozent erwartet. Ein deutscher Händler sagte, es hätte nach den jüngsten Diskussionen um einen Rückfall der US-Konjunktur in die Rezession noch schlimmer kommen können.

Bankenwerte auf Höhenflug

In Frankfurt legten die Aktien der Banken und Technologiefirmen besonders stark zu. Aktienhändler sagten, es sei zunächst einmal ein technisch bedingter Anstieg, wenn man die starken Kursverluste seit Jahresbeginn berücksichtige. "Hier positionieren sich Anleger für einen möglicherweise kräftigen Anstieg in den nächsten Tagen und Wochen", sagte ein Börsianer. "Da will natürlich jeder dabei sein." Die zuletzt stark gebeutelte HypoVereinsbank-Aktie   stieg um rund zehn Prozent auf 22,47 Euro. Auch die Anteilsscheine der Commerzbank   und Deutschen Bank   stiegen stark.

Die Anteilsscheine der Allianz   verteuerten sich um knapp sieben Prozent auf 132,89 Euro zu, nachdem sie in der vergangenen Woche knapp acht Prozent an Wert eingebüßt hatten. Die Allianz kann nach eigenen Angaben frühestens am kommenden Montag eine verlässliche Prognose über die Hochwasser-Schäden abgeben. Die Münchener Rück   teilte mit, die Belastungen für das Unternehmen blieben voraussichtlich im Rahmen der jährlich für Naturkatastrophen eingeplanten 300 bis 500 Millionen Euro. Das Papier der Münchener Rück zog um 3,2 Prozent auf 200,45 Euro an.

Techwerte im Sog der Nasdaq fester

Im Schlepptau der festen US-Technologiebörse Nasdaq waren auch die Techwerte im Dax gefragt: Aktien des Chipherstellers Infineon   kletterten um 13,6 Prozent auf 13,40 Euro und waren damit Dax-Spitzenreiter. Der Anteilsschein des Software-Unternehmens SAP   gewann sechs Prozent auf 81,85 Euro. Das Papier des Bauelemente-Spezialisten Epcos   verteuerte sich um 5,4 Prozent auf 15,49 Euro. Siemens-Titel   schlossen plus 4,2 Prozent auf 51,20 Euro.

Positive Analystenkommentare nach Vorlage von Zahlen beflügelten die Henkel-Aktie  . Das Papier verteuerte sich um 4,5 Prozent auf 67,91 Euro. Die Ergebnisse für das erste Halbjahr 2002 hätten im Rahmen der Schätzungen von Branchenexperten gelegen, sagten Börsianer.

Rekordverlust bei der Deutschen Telekom?

Die Aktie der Deutsche Telekom  , die am Mittwoch ihre Halbjahreszahlen vorlegen wird, kletterte um rund 4,8 Prozent auf 11,53 Euro. Anleger sind vor Bekanntgabe der Halbjahreszahlen nervös: Der Konzern hat nach Informationen des Magazins "Focus" im ersten Halbjahr den bisher höchsten Fehlbetrag seiner Firmengeschichte erzielt. Danach fiel durch die Einbeziehung der amerikanischen Mobilfunktochter Voicestream von Januar bis Juni ein Fehlbetrag von rund drei Milliarden Euro an.

Dazu komme laut "Focus" ein außerordentlicher Verlust in Höhe von 600 Millionen Euro, da die Telekom die Anteile am Konkurrenten France Telecom   neu bewertet habe. Damit habe der Konzern im ersten Halbjahr den Rekordverlust des Gesamtjahres 2001 von 3,5 Milliarden Euro übertroffen. Die entscheidende Frage ist jedoch, ob Interims-Chef Helmut Sihler in der Position ist, die Kosten deutlich zu senken. Sihler hatte in der vergangenen Woche bekräftigt, die Schulden von aktuell 67 Milliarden Euro bis Ende 2003 auf 50 Milliarden senken zu wollen.

Rallye der Bauwerte zieht den MDax hoch, Chipwerte am Neuen Markt gefragt, Euro unter 0,98 Dollar

Bauwerte profitieren von Flutkatastrophe

Spekulationen auf eine Wiederbelebung der Baukonjunktur infolge der Hochwasserkatastrophe gaben den Aktien von Baukonzernen sowie Bauzulieferern im MDax Auftrieb. Die Bilfinger-Berger-Aktie   legte um 11,6 Prozent auf 22,65 Euro zu. Die Anteilsscheine von Hochtief   verteuerten sich auf 19,09 Euro, ein Plus von 14,7 Prozent.

Bereits am Donnerstag und Freitag vergangener Woche hatten beide Titel deutliche Kursgewinne verbucht. Allerdings warnten Händler vor einer Übertreibung. "Nach den massiven Kursaufschlägen insbesondere bei Bilfinger werden wir mit Sicherheit bald wieder fallende Kurse sehen," sagte ein Marktteilnehmer. Das hohe Handelsvolumen der Aktien spreche für institutionelle Käufer. Einen nachhaltigen Kursanstieg der Bautitel sah er nicht. Ein zweiter Händler zeigte sich dagegen zuversichtlicher: "Zwar schreit der massive Kursanstieg nach einer Korrektur, aber warum soll es danach nicht noch weiter nach oben gehen." Zu teuer seien die Aktien derzeit jedenfalls noch nicht. Einzig die Dynamik der Aufwärtsbewegung lasse momentan nach; eine Entwicklung, die er jedoch als normal bezeichnete. Positiv seien nach wie vor die im Vergleich zum Gesamtmarkt hohen Umsätze in den Werten.

Halbeiterwerte am Neuen Markt gefragt

Dank der positiven US-Vorgaben konnten auch die Chipwerte am Neuen Markt Gewinne verbuchen. "Die Halbleiterwerte haben am Freitag in den USA kräftig zugelegt", begründete ein Händler die Gewinne. Die Titel von Dialog Semiconductor   zogen um 4,4 Prozent auf 1,42 Euro an. ACG-Aktien   kletterten um über 14 Prozent auf 2,01 Euro. Trotz eines Umsatzeinbruchs im ersten Halbjahr 2002 peilt der Wiesbadener Chipbroker für das Gesamtjahr schwarze Zahlen an.

Deutlich fester mit Aufschlägen von über 15 Prozent präsentierten sich auch die Anteilsscheine von Highlight Communications  .

Die Verliererliste im Nemax 50 wurde angeführt von Augusta   und Qiagen  . Die Titel gaben jeweils rund fünf bzw. 2,8 Prozent ab.

Nikkei schließt unter 9600 Punkten

Die Aktien in Tokio sind am Montag mit schwacher Tendenz aus dem Handel gegangen. Der Nikkei-Index für die 225 führenden Werte sank bei geringen Umsätzen um 1,9 Prozent und notierte zu Börsenschluss bei 9599 Zählern. Der marktbreitere Topix büßte 16,71 Punkte oder 1,7 Prozent ein und schloss bei 944 Punkten.

Die deutlichen Verluste an den fernöstlichen Börsen erklärte der Analyst Hideyuki Suzuki von World Nichiei Securities mit einem Rückzug der ausländischen Investoren aus dem japanischen Markt. Die Verkäufe der internationalen Anleger hätten auch die lokalen Börsenteilnehmer verunsichert.

Techwerte auf Talfahrt

Unter besonderem Verkaufsdruck standen die Halbleiterwerte. Die Aktien von Fujitsu   sanken um 2,3 Prozent auf 606 Yen und die Hitachi-Papiere   gaben 2,2 Prozent auf 657,50 Yen ab.

Auch die Aktien der Automobilbranche mussten Federn lassen. Die Anteilsscheine von Honda   verloren 1,7 Prozent auf 4790 Yen und die Toyota-Aktien   schlossen mit minus 2,4 Prozent auf 2825 Yen.

Euro fällt unter 0,98-Dollar-Marke

Der Kurs des Euro ist am Montag gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9799 (Freitag: 0,9825) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0205 (1,0178) Euro. Bis 20 Uhr gab die Einheitswährung weiter auf 0,9767 Euro nach.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6380 (0,6403) Pfund, 116,15 (115,37) Yen und 1,4673 (1,4645) Schweizer Franken fest.