Börsenschluss Keine Erholung in Sicht
Frankfurt am Main Wieder einmal haben die US-Märkte den Bären in Frankfurt den Rücken gestärkt. Bis zum Mittagshandel haben die deutschen Börsen noch vorsichtige Erholungstendenzen gezeigt, aber mit Bekanntgabe einer Umsatzwarnung des US-Technologieriesen Lucent und enttäuschenden Einzelhandelsumsätzen fielen Dax und Nemax tief in den roten Bereich.
Zum Schlussgong notierte der Dax auf 4470 Punkten, ein Minus von 0,9 Prozent. Im Handelsverlauf hat der Blue-Chip-Index sogar die Unterstützungslinie von 4440 Punkten getestet, diese aber nicht nach unten durchbrochen. Die Nebenwerte im MDax verloren durchschnittlich 0,3 Prozent und drückten den Index auf 4156 Zähler. Am Neuen Markt gab der Nemax 50 rund 0,8 Prozent auf 676 Punkte ab.
"Der Dax bewegt sich derzeit auf einem gefährlichen Niveau", sagte ein Händler. Bei vielen Versicherungen habe es bereits Krisensitzungen gegeben und bei einem Fall des Dax bestehe die Gefahr von weiteren Verkäufen zur Verlustbegrenzung. Versicherungen legen beispielsweise zur Erwirtschaftung der Renditen für Lebensversicherungen einen Teil der Einnahmen in Aktien an.
Die US-Börsen schwankten im Verlauf sehr stark, notierten dabei aber meist im roten Bereich. Zum Handelsschluss in Frankfurt notierte der Dow Jones auf 9565 Punkten, ein Minus von 0,6 Prozent. Die Nasdaq gab um 0,6 Prozent auf 1510 Zähler nach.
Aktienhändler begründeten die schwächere Markttendenz mit den Einzelhandelsumsätzen für den Monat Mai sowie der Lucent-Umsatzwarnung . Die US-Einzelhandelsumsätze sanken im Monatsvergleich um 0,9 Prozent, Volkswirte hatten lediglich mit einem Rückgang um 0,2 Prozent gerechnet. Die schwache Eröffnung der New Yorker Leitbörsen am Nachmittag habe zusätzlich die Stimmung auf dem Frankfurter Börsenparkett belastet, sagten Händler.
MLP verringert Verluste
Nachdem MLP im Handelsverlauf zeitweise mit Abstand schwächster Dax-Titel waren, schlossen die Aktie des Finanzdienstleisters mit einem Minus von 2,3 Prozent bei 32,52 Euro. Am Morgen war der Titel um mehr als zwölf Prozent abgestützt, nachdem er am Vortag bereits 15 Prozent verloren hatte. Zu Handelsende hätten sich einige Investoren bei dem Titel wieder eingedeckt, sagte ein Frankfurter Händler. Am Vortag waren Aktien unter Druck geraten, nachdem das Anlegermagazin "Börse Online" erneut über angeblich unsaubere Bilanzierung berichtet hatte. MLP-Vorstandschef Bernhard Termühlen wies die Vorwürfe zurück. In einer Unternehmenserklärung hieß es, der Artikel bestehe aus einem "Wust von Unwahrheiten und Tatsachenverdrehungen". Bereits Mitte Mai hatte das Magazin MLP vorgeworfen, die Gewinne künstlich aufzublähen.
Deutliche Verluste verbuchten auch Auto-Aktien. BMW-Aktien fielen 5,6 Prozent auf 42 Euro und führten damit die Verliererliste an. Wertpapierexperten konnten jedoch keine besondere Nachricht dafür verantwortlich machen. Der gesamte Sektor habe aber unter den schwächer als erwartet ausgefallenen Zulassungszahlen für Westeuropa gelitten. Die Pkw-Neuzulassungen fielen im Mai um acht Prozent auf knapp 1,25 Millionen Fahrzeuge. In Deutschland wurden 14 Prozent weniger Fahrzeuge neu zugelassen. Im Gegensatz zu Volkswagen und DaimlerChrysler verbuchte BMW dabei aber ein kräftiges Zulassungsplus.
Die Technologie-Aktien tendierten uneinheitlich. Der Aktie der Deutschen Telekom fiel um 0,9 Prozent auf 10,21 Euro. Bis zur Eröffnung der Wall Street hatte die T-Aktie im Plus notiert und zeitweise um mehr als vier Prozent zugelegt. Anteilsscheine von Epcos gaben nach positiven Auftakt 3,9 Prozent auf 36,15 Euro nach. Am Nachmittag hatte der US-Telekomausrüster Lucent Technologies seine Umsatzprognose für das laufende Quartal überraschend deutlich gesenkt. SAP , Infineon und Siemens präsentierten sich bis zum Handelsschluss dennoch freundlich.
Deutlich schwächer gingen auch die Bankentitel aus dem Handel. HypoVereinsbank , Commerzbank und Deutsche Bank verloren zwischen 1,6 und 2,2 Prozent. Zuvor gab die Gewerkschaft Verdi bekannt, dass die Tarifverhandlungen mit den Banken gescheitert seien.
Cargolifter-Kurs explodiert - Gerüchte lassen Mobilcom steigen
Analystenkommentar beflügelt ProSiebenSat.1
Nach positiven Analystenkommentaren haben die im MDax notierten Aktien von ProSiebenSat.1 an Wert gewonnen. Das Papier des Medienunternehmens stieg um 0,7 Prozent auf 10,43 Euro. Händlern zufolge hat die Investmentbank Schroder Salomon Smith Barney (SSSB) das Papier von "Neutral" auf "Outperform" heraufgestuft. Zudem hätten die Analysten das Kursziel von sechs auf zwölf Euro angehoben.
Gewinner des Tages im MDax war die Aktie von Cargolifter . Die Anteilsscheine verteuerten sich um über 50 Prozent auf 0,92 Euro. Auslöser für den Kurssprung: Der US-Flugzeugriese Boeing prüft nach eigenen Aussagen einen Einstieg bei dem insolventen Luftschiffbauer.
Mobilcom im Aufwind
Am Neuen Markt stieg die Mobilcom-Aktie nach drei Tagen mit Einbußen von insgesamt mehr als 60 Prozent um 22,15 Prozent auf 7,25 Euro. Wie aus Pariser Finanzkreisen verlautete, bemühen sich die Banken und Großaktionär France Télécom intensiv um eine Lösung des Schuldenproblems der Telefongesellschaft. Zudem werde der Rücktritt von Mobilcom-Chef Gerhard Schmid immer wahrscheinlicher, sagten Händler.
Auch die in den vergangenen Wochen stark gebeutelten Biotechnologiewerte erholten sich. Stärkster Gewinner war Lion Bioscience . Händler erklärten das Plus von über elf Prozent jedoch in erster Linie mit einer technischen Gegenreaktion nach dem Kurseinbruch. Auch GPC Biotech präsentierte sich sehr stark.
Gegen den freundlichen Trend gab das Biotech-Schwergewicht Qiagen weitere 7,1 Prozent auf 12,69 Euro ab. Größter Verlierer war der Handy-Zulieferer Balda . Die Aktie rutschte um mehr als acht Prozent auf 2,85 Euro ab.
Nordex gibt Gewinne wieder ab
Mit einem Plus von 16 Prozent präsentierten sich die Titel von Nordex im frühen Handel noch sehr stark. Im weiteren Verlauf setzten jedoch Gewinnmitnahmen ein, zum Handelsschluss notierte das Papier auf 4,17 Euro, ein Plus von 4,3 Prozent. Der Anbieter von Megawatt-Anlagen hatte am Morgen den Abschluss von fünf Verträgen für insgesamt 50 Windenergieanlagen mit einer Nennleistung von zusammen 54,6 Megawatt gemeldet. Alle Windparks werde Nordex noch in diesem Geschäftsjahr fertigstellen. Das Auftragsvolumen der Projekte belaufe sich auf zusammen rund 44 Millionen Euro.
Nikkei schließt schwach
Die Aktienbörse in Tokio hat am Donnerstag schwach geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte büßte 182,22 Punkte oder 1,6 Prozent auf 11.144 Punkte ein. Der breiter gefasste Topix gab um 19,16 Punkte oder 1,8 Prozent auf 1074 Zähler nach.
Kurs des Euro gefallen
Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs des Euro bei 0,9417 (Mittwoch: 0,9452) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0619 (1,0580) Euro. Bis zum Börsenschluss in Frankfurt legte die Einheitswährung minimal auf 0,9428 Dollar zu.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6404 (0,6431) Pfund, 118,24 (118,73) Yen und 1,4762 (1,4774) Schweizer Franken fest.