Börsenschluss Keine Erholung in Sicht
Frankfurt Der Dax blieb bis zur Schlussglocke deutlich unter der Marke von 3000 Punkten und ging mit einem Minus von 3,4 Prozent bei einem Stand von 2918 Punkten aus der Sitzung. Damit hat das Börsenbarometer in der abgelaufenen Woche per saldo knapp sechs Prozent an Wert verloren. Der MDax der 70 mittleren Werte sank um 0,6 Prozent auf 2962 Zähler. Am Neuen Markt gab der Nemax 50 um 2,6 Prozent auf 357 Punkte nach.
Händler beschrieben die Stimmung an den Börsen als "unverändert schlecht". Der drohende Irak-Krieg, die reduzierten Gewinnprognosen großer US-Unternehmen wie die des Tabakkonzerns Philip Morris würden belasten. Auch die Diskussion um eine Steuererhöhung der rot-grünen Regierung verprelle die Anleger.
In den USA präsentierten sich die Börsen im frühen Handel erst uneinheitlich. Im Verlauf rutschten die Indizes dann ins Minus. Zum Börsenschluss in Deutschland notierte der Dow Jones auf 7788 Punkten, ein Minus von 2,6 Prozent. Der Nasdaq verlor um 0,7 Prozent auf 1213 Zähler.
Dabei blieben die befürchteten Hiobsbotschaften zum Wochenschluss aus. Zwar fielen die endgültigen Zahlen zum Verbrauchervertrauen für den Monat September etwas schlechter aus als erwartet. Dafür ist die US-Wirtschaft im zweiten Quartal um 1,3 Prozent gewachsen und hat sich damit etwas besser entwickelt als erwartet. Dennoch blieb das Wachstum zwischen April und Juni weit hinter dem des ersten Quartals zurück, das bei 6,1 Prozent lag. Das teilte das US-Handelsministerium mit. Die Regierung hatte das voraussichtliche Wachstum vor einem Monat auf 1,1 Prozent beziffert.
Die im späten Geschäft nachgebenden US-Börsen hätten zusätzlich belastet, sagten Händler in Frankfurt. Der Analyst Uwe Wagner von der Deutschen Bank rechnete zwar für die kommende Woche mit einer leichten Erholung. Da die technischen Indikatoren jedoch abwärts wiesen, könnten weitere Verluste nicht ausgeschlossen werden. Angesichts der wenigen kursrelevanten Firmennachrichten habe sich das Interesse der Anleger auf MobilCom und Gerry Weber konzentriert, hieß es weiter.
Techwerte wieder auf Talfahrt
Die Aktien von SAP und Infineon gehörten mit Verlusten von 4,4 Prozent auf 47,06 Euro beziehungsweise 4,6 Prozent auf 6,37 Euro zu den größten Verlierern im Dax. Zuvor hatten Investmentbanken ihre Gewinnprognosen für diese beiden Unternehmen gesenkt. SAP leide zudem unter schlechten Nachrichten ihrer US-Tochter Commerce One, sagten Händler. "Eine Auftragsbesserung scheint mir bei Commerce One nicht in Sicht zu sein und das belastet auch SAP", sagte ein Händler. "Viele Anleger gehen davon aus, dass SAP seine Wachstumsprognose nicht halten kann", sagte Raed Mustafa, Händler der Baden-Württembergischen Bank.
Die Papiere des Börsenschwergewichtes Siemens verbilligten sich um 4,3 Prozent auf 36,36 Euro. Banc of America hatte zwar das Kursziel für die Aktie heruntergesetzt, gleichzeitig jedoch die Einstufung auf "Underperform" angehoben.
Allianz mit massiven Abschlägen
Im späten Handel gerieten die Aktien der Allianz immer stärker unter Druck und schlossen 6,2 Prozent im Minus bei 91,25 Euro. Die Versicherer litten wie bereits in den vergangenen Wochen besonders stark unter der Börsenflaute, sagten Händler. Bei der Allianz kämen noch die Probleme der defizitären Tochter Dresdner Bank hinzu. Die Papiere der Münchener Rück verloren nach der Erholung der vergangenen Tage 4,5 Prozent auf 116,51 Euro.
Bei Eon führten Marktteilnehmer den Kursverlust von 4,8 Prozent auf 47,80 Euro auf eine technische Reaktion auf den gut neunprozentigen Anstieg des Vortages zurück.
Adidas Salomon schließen im Plus
In der Gewinnzone behaupten konnten sich einzig die Papiere des Sportartikelherstellers Adidas Salomon . Nach positiven Analystenkommentaren über die Wachstumsaussichten des Konzerns verbuchten die Titel ein kleines Plus von 0,4 auf 67,30 Euro. Dagegen rutschten die lange Zeit gefragten Papiere von Henkel mit 0,1 Prozent in Minus und schlossen bei 65,02 Euro.
Auch BMW-Aktien verloren um 0,2 Prozent auf 34,25 Euro. Am Morgen hatte der Verband der Automobilindustrie seine Jahresprognose für die Neuzulassungen im Inland erhöht, was die Titeln des Münchner Autoherstellers lange Zeit in der Gewinnzone hielt.
Gerry Weber fällt nach Umsatzwarnung
Im MDax fielen Gerry-Weber-Papiere um mehr als sechs Prozent auf 6,65 Euro, nachdem der Textilhersteller seine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr erneut gesenkt hat. "Die Umsatzwarnung kommt überraschend", sagte HSBC-Analyst Nils Lesser. "Außerdem haben sie kein Wort zum Auftragseingang gesagt. Beide Tatsachen sind für den Kursverlust verantwortlich." Im kommenden Geschäftsjahr 2002/03 werde der Umsatz nicht wachsen, weswegen auch keine großen Kurssprünge zu erwarten seien.
MobilCom-Pläne kommen bei der Börse an
Am Neuen Markt waren dagegen die Anteilsscheine des angeschlagenen Mobilfunkunternehmens MobilCom gefragt, die in der Spitze um bis zu 14 Prozent kletterten. Zuletzt stand das Papier mit rund 2,4 Prozent im Plus auf 2,15 Euro. Der Konzern will im Zuge seines Sanierungsplanes 1850 Vollzeitstellen abbauen und jährlich Einsparungen in Höhe von 130 Millionen Euro realisieren. Außerdem werde MobilCom den gegenwärtigen UMTS-Netzaufbau einfrieren.
"Dennoch bleibt MobilCom mehr oder weniger pleite. Und ein Investment an der Börse ist daher ein spekulatives Spiel, das sehr riskant ist", sagte der Aktienhändler Björn Wystrach von der Helaba in Frankfurt. Die FTD hatte zuvor berichtet, dass eine Insolvenz des Telekom-Unternehmens zum zweiten Mal nur knapp abgewendet worden sei. Die wichtigsten Gläubigerbanken haben demnach die Fälligkeit von Krediten im Volumen von 4,7 Milliarden Euro bis Ende Oktober verlängert.
Tokio: Shiokawa-Versprechen lässt Börse fester schließen
Die Aktienbörse in Tokio hat am Freitag fest geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte legte nach der positiven Vorgabe der Wall Street vom Vortag deutlich um 2,3 Prozent auf 9530 Zähler zu. Der breit angelegte Topix stieg um 2,4 Prozent auf 936 Zähler.
Beflügelnd wirkte sich auf den Handel die am Markt wachsende Erwartung aus, die japanische Regierung werde nun den Abbau der Problemkredite und die Bekämpfung der Deflation verstärkt angehen. Finanzminister Masajuro Shiokawa hatte versprochen, das Bankensystem mit öffentlichen Mitteln zu unterstützen. Gewinnmitnahmen verhinderten vor der für Montag erwarteten Kabinettsumbildung weitere Kursgewinne, sagten Händler.
Bankenwerte im Aufwind
Erneut zeigten sich Bankenwerte fester. Mizuho stiegen um 18.000 auf 287.000 Yen, Mitsubishi Tokyo Financial gewannen 45.000 auf 893.000 Yen und UFJ Holdings zogen um 27.000 auf 320.000 Yen an. Sumitomo Mitsui Banking verbesserten sich um 33 auf 681 Yen.
Von den Wertpapierhandelsbanken legten Nomura 101 auf 1621 Yen zu, während Daiwa 48 auf 683 Yen kletterten. Auch Nikko Cordial gewannen 56 auf 585 Yen.
Euro unter 0,98 Dollar
Der Kurs des Euro ist am Freitag gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,9779 (Donnerstag: 0,9796) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0226 (1,0208) Euro. Um 20 Uhr notierte die Einheitswährung nahezu unverändert auf 0,9786 Dollar.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6282 (0,6274) britische Pfund, 119,81 (120,22) japanische Yen und 1,4666 (1,4644) Schweizer Franken fest.