Börsenschluss: Kirch-Pleite drückt den Dax - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Kirch-Pleite drückt den Dax

Die deutschen Aktienmärkte sind deutlich schwächer aus dem Handel gegangen. Der Kursrutsch wurde eingeläutet von der Insolvenz der Kirch Media und gewann aufgrund steigender Ölpreise an Dynamik.
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Frankfurt am Main – Der Dax schloss um 1,5 Prozent leichter auf 5180 Punkten. Am Neuen Markt fiel der Auswahlindex Nemax 50 um 2,1 Prozent auf 9559 Punkte. Der MDax der 70 mittleren Werte rutschte um 0,6 Prozent auf 4444 Punkte.

"Saddam Husseins Exportstopp hat die Märkte weiter unter Druck gebracht", sagte ein Händler. Iraks Präsident hatte einen rund einmonatigen Exportstopp angekündigt, um Druck auf die israelische Regierung auszuüben. Auf dem Londoner Ölmarkt schoss der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent anschließend um mehr als fünf Prozent in die Höhe auf 27,05 US-Dollar.

In den USA haben sich die Börsen nach einer tiefroten Eröffnung wieder leicht erholt. An der Wall Street notierte der Dow Jones zum Handelsschluss in Deutschland auf 10.218 Punkte, ein Minus von 0,5 Prozent. Die Nasdaq notierte nur noch leicht im Minus auf 1769 Zählern.

Zuvor hatte eine Gewinnwarnung von IBM   die Märkte unter Druck gesetzt. Big Blue kündigte an, für das erste Quartal nur noch einen Gewinn je Aktie von 66 bis 70 Cent zu erwarten. Die Analysten hatten im Durchschnitt mit 85 Cent Gewinn gerechnet. Nach der Gewinnwarnung des weltweit größten Computerkonzerns sind auch die Technologiewerte im Dax unter Druck geraten.

Die Titel von Epcos   und Siemens   verloren jeweils drei beziehungsweise 2,1 Prozent. Auch die Aktie von Europas größtem Software-Hersteller SAP   stand auf der Verkaufsliste und büßte 2,6 Prozent auf 156 Euro ein. "Ich habe eigentlich darauf gewartet, dass einer von den Großen auch noch um die Ecke kommt", sagte Helmut Bartsch, Analyst für IT und Software bei der Baden-Württembergischen Bank. Zuletzt hatte eine Reihe kleinerer Unternehmen der Branche wie PeopleSoft Gewinn- und Umsatzwarnungen ausgesprochen.

Die Investitionsneigung großer Unternehmen sei nicht sehr groß, und IT-Ausgaben würden verschoben, sagte der Marktbeobachter. "Ein schwächeres Investitionsverhalten der Industrie trifft auch SAP." Das Walldorfer Unternehmen habe jedoch eine sehr unspezifische Prognose für das erste Quartal gegeben, sagte er. "Damit hat sich SAP auch ein bisschen geschickt aus der Affäre gezogen."

Kirch-Pleite trübt die Stimmung

Das alles beherrschende Thema am Frankfurter Börsenplatz aber war die Insolvenz der Münchner KirchMedia: Vor allem Aktien der Unternehmen, die mit der hoch verschuldeten Mediengruppe von Leo Kirch wirtschaftlich verbunden sind, standen stark unter Druck. Die Aktie des Gläubigers Commerzbank   bildete das Schlusslicht mit einem Minus von vier Prozent auf 19,48 Euro. Aktien der HypoVereinsbank   lagen mit 1,8 Prozent auf 39,03 Euro im Minus. Deutsche-Bank-Titel   verloren 2,5 Prozent auf 70,60 Euro.

Gefragt waren dagegen defensive Werte. Die Metro-Aktie   legte um 2,6 Prozent auf 38,92 Euro zu. Der Titel des Dialysespezialisten Fresenius Medical Care   führte mit plus 2,7 Prozent auf 70,20 Euro die kurze Gewinnerliste an. In den letzten Handelsminuten retteten sich zwei Autowerte in die Pluszone hinüber. Titel von Volkswagen   legten um 0,2 Prozent auf 57,76 Euro zu. BMW-Anteilsscheine   gewannen 0,1 Prozent auf 44,80 Euro.

Neuer Markt Schluss: Verluste auf breiter Front - EM.TV wegen Kirch belastet

Comroad wieder auf Talfahrt

Im Nemax 50 ging besonders der Aktienkurs des vom Segmentausschluss bedrohten Telematik-Anbieters Comroad   auf Talfahrt. Der Titel verbilligte sich auf niedrigem Niveau um 12,6 Prozent auf 0,83 Euro. Auf der anderen Seite waren die Papiere des Berliner Filmproduzenten Senator   größter Gewinner: Sie legten nach Meldungen über neue Kreditzusagen mehrerer Banken um 5,3 Prozent auf 2,20 Euro zu. In der Spitze war der Titel bis auf 2,31 Euro geklettert.

Angesichts des Insolvenzantrags bei KirchMedia standen auch die Anteilscheine der Medienunternehmen EM.TV   und Constantin   unter Druck. EM.TV ist zusammen mit der KirchGruppe gemeinsam an dem Joint-Venture Junior.TV, an der Formel 1 sowie an der Constantin Film AG beteiligt. EM.TV verloren 4,1 Prozent auf 1,42 Euro, während Constantin auf dem Frankfurter Parkett ein Prozent auf 4,85 Euro abgaben.

Tokio schließt etwas fester – Euro leicht gefallen

Tokio dank Technologie und Einzelhandel fester

Die japanischen Aktienindizes haben den Wochenauftakt mit Gewinnen gemeistert. Die Hoffnung der Investoren auf eine Erholung der japanischen Wirtschaft verleitete sie Händlern zufolge, vor allem in Technologie und Einzelhandelstitel zu investieren.

Der Nikkei-225-Index gewann bis Handelsende 0,2 Prozent auf 11.352 Punkten. Der breit angelegte Topix verbesserte sich um 0,2 Prozent und schloss beim Stand von 1090 Zählern. Die Gewinne wurden allerdings gegen Sitzungsende wieder etwas weniger, weil sich angesichts der neuen Berichtssaison an den Märkten doch einige Sorgen breit machten, sagten Händler.

Sony gewannen 2,1 Prozent auf 6910 Yen, Matsushita Electric stiegen um 0,4 Prozent auf 1709 Yen. Ito-Yokado gingen mit einem Aufschlag von 5,2 Prozent auf 5660 Yen aus dem Handel. Am Dienstag wird der Einzelhändler seine Bilanz für das Geschäftsjahr 2001 vorlegen, ebenso Seven-Eleven Japan. Hier gewannen die Anteilsscheine 4,3 Prozent auf 4620 Yen.

Kurs des Euro gefallen

Der Kurs des Euro ist am Montag gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,8778 (Freitag: 0,8786) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,1392 (1,1382) Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6118 (0,6125) Pfund, 115,61 (115,98) Yen und 1,4637 (1,4658) Schweizer Franken fest.