Börsenschluss: Kleine Freitags-Rallye - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Kleine Freitags-Rallye

Fester Wochenausklang trotz Hexensabbat. Gute Konjunkturdaten aus den USA verliehen den deutschen Standardwerten am Ende Rückenwind, und der Dax legte rund 124 Punkte zu.
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Frankfurt am Main – Nach einem deutlichen Einbruch im Mittagsgeschäft kletterte der Dax bis 20 Uhr auf 5401 Punkte und legt damit beachtliche 2,35 Prozent zu. Das Tagestief lag zuvor bei 5253 Punkten. Am Neuen Markt fiel der Nemax 50 erneut unter die Marke von 1000 Zählern und ging mit einem Minus von 1,58 Prozent und einem Schlusskurs von 996 Punkten aus dem Handel.

Der dreifache Verfallstermin von Futures und Optionen an der Terminbörse Eurex hatte das Marktgeschehen in Frankfurt bis zum Mittag dominiert. Dieser Tag wird auf dem Parkett "Hexensabbat" genannt. Um 13 Uhr wurden in der Mittagsauktion der elektronischen Handelsplattform Xetra die Abrechnungspreise für die Futures und Optionen auf die Indizes ermittelt. Bei einem sehr schwankungsanfälligem Handel hatte der Dax kurz nach 13 Uhr kräftig verloren.

Auslöser für den späteren Aufschwung waren eine ganze Flut guter Konjunkturdaten aus den USA. So ist der Index zum Konsumentenvertrauen von der Universität Michigan im Monat März nach vorläufigen Zahlen auf 95 Punkte gestiegen. Im Februar wurde ein Punktestand von 90,7 gemessen. Marktbeobachter hatten lediglich einen Anstieg auf 92,8 Zähler erwartet.

Die Kapazitätsauslastung der Industrie ist in den USA im Februar zudem etwas stärker als erwartet auf 74,8 Prozent gestiegen. Dies sei der höchste Wert seit dem vergangenen Oktober, teilte die US-Notenbank Federal Reserve in Washington mit.

Volkswirte hatten lediglich mit einer Kapazitätsauslastung von 74,4 Prozent gerechnet. Im Januar hatte die Kapazitätsauslastung noch bei revidierten 74,5 Prozent (Erstschätzung: 74,2 Prozent) gelegen. Vermeldet wurden auch die Zahlen zu den Erzeugerpreisen im Februar, die mit einem Anstieg von 0,2 Prozent im Rahmen der Erwartungen gelegen hatten.

Da an der Wall Street im frühen Handel der Verfallstermin aber noch bevorstand, präsentierten sich die Börsen nervös und konnten noch nicht auf die guten Konjunkturdaten reagieren. So pendelte die Nasdaq zunächst um die Vortagesschlusslinie und notierte gegen 20 Uhr bei 1859 Punkten, ein Plus von 0,3 Prozent. Auch der Dow Jones legte zu; er notierte um 20 Uhr bei 10.573 Zählern - ein Plus von 0,5 Prozent.

Techwerte sehr fest

Die Technologiewerte in Frankfurt zeigten sich zum Handelsende einheitlich fest. Die Aktien von Siemens   legte um 1,9 Prozent auf 75,56 Euro zu, die Siemens-Tochter Infineon   schaffte sogar ein Plus von 2,6 Prozent und schloss bei fast 26 Euro. Am Morgen hatte die Aktie noch die Verliererliste angeführt, nachdem verhaltene Aussagen des taiwanesischen Mitbewerbers Winbond bei den Anlegern neuerlich die Sorge um einen Verfall der Chippreise aufkeimen ließen.

SAP-Anteilsscheine   legten 2,3 Prozent auf 170 Euro zu. Auch hier hatte es anfänglich Kursverluste gegeben; hier lag es es daran, dass der US-Mitbewerbers Oracle   zuvor einen eher verhaltenen Ausblick präsentiert hatte. Nach Ansicht der US-Investmentbank Lehman Brothers wird die Aktie bis auf 200 Euro steigen.

Klarer Sieger unter den 30 Dax-Gewinnern war die Aktie von Fresenius Medical Care   . Hier durften sich die Anleger über ein Plus von rund 5 Prozent und einen Schlusskurs von 66,44 Euro freuen.

Deutlich kleiner fiel das Plus bei der Deutschen Lufthansa   aus; sie schloss mit 0,8 Prozent plus bei 18,43 Euro. Nach Unternehmensangaben hat der zukünftige Lufthansa-Vorstand Wolfgang Mayrhuber in einer Besprechung mit Mitarbeitern ein schwieriges Jahr angekündigt. Die Stilllegung von 43 Maschinen habe allein in den ersten drei Monaten den Umsatz im Passagiergeschäft um 250 Millionen Euro unter den Vorjahreswert fallen lassen.

Auch Schering-Titel   kletterten weiter nach oben. Sie schlossen bei 69,40 Euro, ein Gewinn von 2,9 Prozent. Händler machten dafür eine Empfehlung einer internationalen Großbank verantwortlich.

Die Versicherer entwickelten sich freundlich. Während Münchener-Rück-Titel   2,46 Prozent auf 299,30 Euro anzogen, gewannen die Anteilsscheine der Allianz   4,25 Prozent auf 283,37 Euro. Der Finanzkonzern will nach Medienberichten Fluggesellschaften wieder umfassend gegen Terroranschläge versichern.

Neuer Markt: Letzter Tag für Carrier1

Die Aktien am Neuen Markt haben sich zum Verfallstermin am Freitagmittag trotz teilweise hoher Umsätze kaum bewegt. "Das war ja wohl gar nichts", sagte ein Händler in Frankfurt. Bei den Schwergewichten gab es zum Teil spürbare Abschläge. So fiel die Aktie von T-Online   bei hohen Umsätzen um rund 4 Prozent auf 11,82 Euro.

Die Aktie der Pandatel   legte nach Bekanntgabe der Umsatzprognose für das laufende Jahr und trotz einer angekündigten Dividendenkürzung zwischenzeitlich leicht zu. "Für einen Telekom-Zulieferer ist es schon positiv, wenn er nicht enttäuscht", sagte ein Händler. Die Wirkung dieser Nachricht hielt allerdings nicht lange an. Am Ende allerdings ging die Aktie mit einem Minus von 0,7 Prozent und einem Schlusskurs von 13,50 Euro aus dem Handel.

Einen Tag vor der Aufnahme in den Nemax 50 präsentierten sich die Papiere des Softwarehauses FJA deutlich schwächer. Der Aktienkurs sank um 4,9 Prozent auf 66 Euro. Händler sagten zur Begründung, die Aktie sei bereits seit der Bekanntgabe des Aufstiegs in den Auswahlindex gut gelaufen. Die Aktien der weiteren Aufsteiger Nordex und Funkwerk kletterten hingegen leicht.

Pleiteunternehmen sollen verschwinden

An seinem letzten Handelstag im Nemax 50 stieg die Aktie der insolventen Carrier1   vorübergehend um mehr als 7 Prozent. Um 20 Uhr jedoch war die Aktie mit einem Minus von rund 7,4 Prozent einer der größten Verlierer im Nemax All Share. "Es wird Zeit, dass solche Pleiteunternehmen aus dem Blickfeld des Neuen Marktes verschwinden", sagte ein Händler.

Nach Vorlage verbesserter endgültiger Geschäftszahlen für das abgelaufene Jahr gewannen Pixelnet-Papiere 13 Prozent auf 3,03 Euro.

Euro verteidigt Vortages-Schluss

Der Kurs des Euro konnte am Freitag vorübergehen zulegen, gab dann am Ende seine Gewinne jedoch wieder ab und notierte gegen 20 Uhr nahezu unverändert bei 0,880 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,8853 (Donnerstag: 0,8803) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,1296 (1,1360) Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6213 (0,6209) Pfund, 114,12 (113,25) Yen und 1,4617 (1,4655) Schweizer Franken fest.