Börsenschluss: Konjunkturaussichten belasten den Dax - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Konjunkturaussichten belasten den Dax

Die deutschen Aktienmärkte haben sich mit einem Minus ins Wochenende verabschiedet. Neueste Wirtschaftsdaten aus den USA dämpfen die Hoffnung auf eine weitere Zinssenkung.
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Frankfurt am Main - Im Gefolge einer schwachen Wall Street und sinkenden Zinsfantasien in den USA haben die Deutschen Börsen den Handel im Minus beendet. Bei einem umsatzschwachen Handel verlor der Dax 0,4 Prozent auf 6141 Zähler. Am Neuen Markt gab der Nemax 50 um 1,5 Prozent auf 1800 Punkte nach. Die Nebenwerte im M-Dax zogen dagegen um 0,4 Prozent auf 4606 Zähler an.

In den USA notierten die Börsen zum Handelsschluss in Frankfurt im Minus. Der Dow Jones gab 0,9 Prozent auf 10.814 Punkte ab. Die Nasdaq verlor 0,8 Prozent auf 2112 Zähler.

Der von der Universität Michigan veröffentliche Index des Konsumentenvertrauens in den USA belastete den Handel. Nach vorläufigen Berechnungen steig der Index im Mai auf 92,6 Zähler von 88,4 Punkten im April. Analysten hatten einen Rückgang auf 87,6 Punkte erwartet. Die Daten dämpften Analysten zufolge die Hoffnungen auf eine baldige erneute Zinssenkung der US-Notenbank Fed.

Händler in Frankfurt sprachen von einem insgesamt lustlosen Geschäft. Die Börsianer wollten sich vor dem Wochenende nicht mehr so richtig engagieren, hieß es. Die Umsätze waren dementsprechend schwach.

Auf den Verkaufslisten der Börsianer standen im frühen Handel die Aktien der Dresdner Bank. Bis zum Schlussgong reduzierte das Papier sein Minus auf moderate 0,04 Prozent bei 51,18 Euro, nachdem das Finanzinstitut ein unerwartet schwaches Quartalsergebnis präsentiert hatte. Die Papiere der Allianz, die Ende März angekündigt hatte, die Dresdner Bank übernehmen zu wollen und so den viertgrößten Finanzkonzern der Welt zu schaffen, sanken um ein Prozent auf 314,22 Euro. Am Markt werde spekuliert, die Allianz könnte sich mit der Übernahme der Dresdner übernehmen, sagten Börsianer dazu.

Die anderen im Dax notierten Banken- und Versicherungswerte präsentierten sich überwiegend leichter. Auch die verabschiedete Rentenreform konnte die Finanztitel nicht stützen. Die Anteile der Münchener Rück legten gegen den Branchen- und Markttrend um 1,1 Prozent auf 315 Euro zu. Ein Händler sagte, dass es Umschichtungen aus Allianz in Münchener Rück gegeben habe.

Im Zuge des Tarifstreits mit den Piloten zogen die Aktien der Lufthansa erneut die Aufmerksamkeit auf sich. Die Piloten-Gewerkschaft Cockpit und die Lufthansa wollen nach dem eintägigen Streik der Flugzeugführer vom Donnerstag ihre Tarifverhandlungen für die rund 4200 Lufthansa-Piloten bald fortsetzen. Die Aktien der Lufthansa verbuchten nach ihrer Achterbahnfahrt vom Donnerstag wieder Aufschläge und verteuerten sich um 0,5 Prozent auf 21,81 Euro.

Größter Verlierer im Dax waren die Anteilsscheine der Metro, die um 3,9 Prozent auf 46,49 Euro fielen. Zwei Investmentbanken hatten die Metro-Aktien zurückgestuft. Die Metro hatte am Vortag Quartalszahlen vorgelegt.

Bei den Automobilwerten büßten die Aktien von BMW um 2,3 Prozent auf 40,45 Euro ein. Händler erklärten den Abwärtstrend mit Gewinnmitnahmen nach den großen Kursaufschlägen des Vortags. Volkswagen erklomm mit einem Schlussspurt noch die Spitze der Dax-Gewinnerliste. Der Titel gewann 3,1 Prozent auf 58,25 Euro. Die Anteilsscheine von DaimlerChrysler legten rund ein Prozent auf 57,13 Euro zu.

Von den Technologiewerten schlossen Epcos und Siemens nahezu unverändert, während die Aktien von Infineon rund ein Prozent und die von SAP 2,4 Prozent in den roten Bereich rutschten.

Lustloser Handel am Neuen Markt – CE Consumer verwirrt mit versteckter Gewinnwarnung

Händlern zufolge war der letzte Handelstag der Woche am Neuen Markt von schwachen Umsätzen geprägt. Es gebe keine Impulse für steigende Aktien, hieß es. Die Stimmung am Markt habe nach der kurzen Euphorie vor zwei Wochen wieder nachgelassen. Zudem hätten einige Unternehmen zum Wochenschluss mit eher schlechten Zahlen enttäuscht.

Schwächster Wert im Nemax 50 waren die Papiere von CE Consumer. Der Chip-Broker hat trotz eines schwächelnden Halbleitermarkts gute Geschäftszahlen für das erste Quartal vorgelegt. Die Aktie legte am Morgen zunächst kräftig zu, gab dann allerdings stärker nach. Bis zum Schluss verlor der Wert 17,5 Prozent auf 10,48 Euro.

"Selbst Schuld, wenn die sich jetzt so äußern", kommentierte ein Händler den Kurssturz. Zwischen den Zeilen sei in der Ad-Hoc-Mitteilung eine verstecke Gewinnwarnung zu lesen gewesen. CE Consumer habe seine Gewinn-Prognose für das Jahr 2000 gesenkt. Die Analysten hätten jedoch zunächst auf den Umsatz geschaut und dies erst später bemerkt. Andere Händler hatten die Kursverluste zuvor mit Gewinnmitnahmen begründet.

In der Pflichtmitteilung hatte das Unternehmen sein Umsatzziel von 700 Millionen Mark für 2001 bekräftigt, allerdings von einer Gewinnmarge von 1,8 Prozent gesprochen. Um das Ziel von 30 Millionen Mark beim Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) zu erreichen, ist allerdings eine Marge von vier Prozent notwendig.

"Ich habe getan, was ein Vorstand tun muss, wenn die Zukunft so schlecht zu planen ist", begründete Erich Lejeune. Wenn sich die Schwäche der Microchip-Industrie weiter fortsetzen würde, dann sei eine Marge von vier Prozent nicht mehr zu erreichen. Die im ersten Quartal erreichten 1,8 Prozent seien allerdings die konservativste Schätzung, die derzeit möglich sei, sagte er.

Auch am Freitag standen die Papiere von Constantin Film unter Verkaufsdruck. Das Unternehmen hatte am Vortag die Planzahlen für das laufende Jahr nach unten korrigiert. Die Aktie war am Donnerstag mit einem Verlust von mehr als 20 Prozent aus dem Handel gegangen. Am Freitag ging es weitere 6,5 Prozent auf 14,30 Euro in den Keller.

Ebenfalls mit einem leichten Minus ging die Aktien von Metabox aus dem Frankfurter Handel. Hier gab es am Morgen eine sehr deutliche Verkaufsempfehlung von M.M. Warburg - dem Finanzhaus, das als Betreuerbank für die Hildesheimer Aktiengesellschaft fungiert. Außerdem liegt nach Informationen des Wirtschaftsportals manager-magazin.de noch immer kein Wirtschaftsprüfer-Testat für den Jahresabschluss vor, den der Metabox-Vorstand vor einigen Tagen buchstäblich in letzter Minute nachgereicht hatte. Die Aktie verlor 3,4 Prozent.

Der Hersteller von Produktionsmaschinen für optische Speichermedien, Steag Hamatech, meldete schwache Zahlen für das erste Quartal. Der Umsatz sei auf 26 Millionen Euro nach 83,7 Millionen Euro im Vorjahresquartal gesunken Beim Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) rutschte Steag nach einem Gewinn von 19 Millionen Euro mit 5,2 Millionen Euro in die Verlustzone. Der Ausblick allerdings ist optimistisch. Für das Gesamtjahr hat das Nemax-50-Unternehmen schwarze Zahlen angekündigt und das war den Investoren offenbar wichtiger. Die Aktie verbuchte ein Kursplus von 1,3 Prozent auf 15,30 Euro.

Zu den Gewinnern des Nemax 50 gehörten auch die Titel von der Comdirect, die sich um 2,2 Prozent auf 14 Euro verteuerten. Die Aktie hatte gestern nach schwachen Quartalszahlen im Minus geschlossen. Auf der Gewinnerseite standen auch die Titel des Konkurrenten Direkt Anlage Bank mit Kursaufschlägen von 0,5 Prozent auf 22,61 Euro. Die Papiere von Consors mussten hingegen 2,9 Prozent auf 29,16 Euro abgeben.

Lipro büßten 20,5 Prozent auf 1,55 Euro ein. Das Softwarehaus hatte in seiner Jahresbilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Verlust von 25,6 Millionen Mark ausgewiesen, in seinen vorläufigen Zahlen war noch ein Gewinn von 2,4 Millionen Mark angekündigt worden. Für das laufende Jahr wurden die Planungen deutlich nach unten geschraubt.

EZB-Zinsentscheidung belastet den Euro

Einen Tag nach der überraschenden Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) ist der Kurs des Euro deutlich gefallen. Die Währung wurde auch durch die Erholung der amerikanischen Einzelhandelsumsätze im April und dem unerwartet gewachsenem Vertrauen der US-Bürger in die Wirtschaft des Landes zeitweise auf ein neues Dreiwochentief bei 0,8733 Dollar gedrückt.

Gegen 20 Uhr wurde die Gemeinschaftswährung mit 0,8766 Dollar gehandelt nach einer letzten Notierung am Vorabend von 0,8812 Dollar. Die EZB hatte den Referenzkurs am Mittag in Frankfurt mit 0,8773 Dollar ermittelt.

Der Rentenindex Rex notierte 0,3 Prozent schwächer bei 112,10 Punkten, während der Bund-Future 0,7 Prozent auf 106,81 Zähler einbüßte. Die Deutsche Bundesbank stellte die Umlaufrendite am Mittag mit 4,87 (Donnerstag: 4,88) fest.