Börsenschluss Kriegsangst flammt auf
Frankfurt am Main Zum Wochenschluss präsentierten sich die deutschen Aktien schwach. Der Dax schloss am Freitag auf 3079 Punkten, ein Minus von 2,4 Prozent. Ein volatiler Verlauf kennzeichnete die Sitzung. Die Kurse schwankten recht stark, die Anleger zeigten sich verunsichert, wie Aktienhändler berichteten. Gründe hierfür gab es mehrere: Zum einen habe bereits am Morgen belastet, dass die US-Börsen schwach geschlossen hatten. Hinzu gesellte sich ein weiter sehr starker Euro, den die Investoren zum Anlass nehmen dürften, die Gewinnschätzungen deutscher Unternehmen zu überprüfen.
Am späten Nachmittag drückten dann Nachrichten aus New York und Washington zum Irak auf die Stimmung. Nachdem der UN-Sicherheitsrat die Resolution zur Wiederaufnahme der Waffeninspektionen im Irak einstimmig angenommen hatte, drohte US-Präsident George W. Bush dem Land mit "schwersten Konsequenzen" für den Fall, dass der Irak diese Auflagen nicht erfülle. "Das rückt den Irak wieder ins Zentrum der Märkte und einen Krieg wieder ins Bewusstsein der Akteure", sagte ein Händler.
Der schwache Dollar habe ebenfalls belastet. Seit der Bestätigung der Euro-Leitzinsen leide der Greenback unter der Zinssenkung in den USA, mit denen Dollar-Anlagen vergleichsweise unattraktiv geworden seien, hieß es. Mit der Dollarschwäche wiederum müssten die Gewinnschätzungen der deutschen Unternehmen erneut mit negativem Ausblick überprüft werden. Zum einen falle der Gewinn beim Absatz im Dollar-Raum niedriger aus, und zum zweiten beeinträchtige der schwache Dollar auch noch die Konjunktur über die Exportseite, lautete die Begründung.
In den USA präsentierten sich die Börsen ebenfalls schwach. Eine Stunde vor Handelsschluss notierten Dow Jones und Nasdaq tief im Minus.
Techwerte in Frankfurt unter Druck
Nachdem der deutsche Leitindex unter einer wichtige Unterstützung bei 3100 Stellen geschlossen hat, findet sich technischen Beobachtern zufolge eine nächste Unterstützung bei etwa 2984 Zählern. Schließlich habe auch noch die schwache Perspektive in der Technologiebranche auf die Stimmung gedrückt, weil nach Cisco in den USA nun auch Infineon nach eigener Einschätzung im Inland keine durchgreifende Besserung erkenne. Damit habe es vor dem Wochenende genug Gründe zum Ausstieg, aber kaum Gründe zum Einstieg gegeben, sagten Marktteilnehmer.
"Die Zahlen sind enttäuschend, und der Ausblick gibt keinen Anlass zur Hoffnung auf eine schnelle Wende", so ein Analyst schon am Morgen zu den Angaben von Infineon zum Quartal und zum Geschäftsjahr. Infineon fielen um 9,4 Prozent auf 9,29 Euro. Der Kursrückgang drückte auch auf Siemens , da der Konzern immer noch eine größere Beteiligung an Infineon hält. Der Kurs gab um 1,9 Prozent auf 44,98 Euro nach. Epcos vervollständigten das negative Bild mit einem Abschlag von 7,9 Prozent auf 11,02 Euro.
Vorstandsfrage bei der Telekom gelöst?
Deutsche Telekom verbilligten sich um 1,4 Prozent auf glatt elf Euro. Am Morgen hatten zwei große Investmentbanken die Aktien vor neuen Geschäftszahlen und der Sitzung zur Konzern-Strategie am kommenden Donnerstag zurückgestuft. Medienberichte vom späten Nachmittag, wonach Kai-Uwe Ricke neuer Vorstandsvorsitzender der Telekom werden soll, bewegten die T-Aktie dagegen kaum. Ricke ist bisher im Telekom-Vorstand als Chief Operating Officer für T-Mobile und T-Online zuständig.
Henkel fielen um 7,2 Prozent auf 61,65 Euro, nachdem die Quartalszahlen des Kosmetik- und Waschmittelherstellers unter den Erwartungen ausgefallen waren. BASF verloren lediglich 0,3 Prozent auf 36,52 Euro. Die Ludwigshafener Zeitung "Rheinpfalz" schreibt, das operative Ergebnis habe im vergangenen Quartal die Prognosen übertroffen. Die Aktie hatte lange Zeit im Plus gelegen.
Analystenkommentare belasten die Lufthansa
Lufthansa wurden nach Aussage eines Händlers von zwei größeren Verkäufern gedrückt. Nach den guten Zahlen, die zu erwarten gewesen seien, hätten sich diese Adressen nun von der Aktie getrennt. Zudem habe die Herunterstufung von Goldman Sachs auf "in Line" von zuvor "Outperformer belastet. Die Aktie verlor 6,8 Prozent auf 11,21 Euro.
Die Absatzzahlen von BMW und Mercedes-Benz entsprachen in etwa den Erwartungen und seien nicht schlecht angesichts des aktuell schwierigen Marktes, sagte ein Analyst. Mercedes würde zusätzlich von der gut laufenden E-Klasse profitieren. "Das wird sich auch in den Quartalsmargen niederschlagen", prognostizierte der Branchenkenner. BMW sei auf dem richtigen Weg, das Jahresziel von einer Millionen verkaufter Fahrzeuge zu erfüllen, so ein Händler. BMW fielen aber mit dem schwachen Markt um 3,4 Prozent auf 32,02 Euro, DaimlerChrysler gaben um 2,6 Prozent auf 32,91 Euro nach.
Commerzbank reduzierten sich um 5,7 Prozent auf 7,06 Euro. Ein Händler führte dies auf bereits am Vortag kursierende Gerüchte über einen hohen Verlust im dritten Quartal zurück. Nur wenige Anleger hätten der Prognose von etwas mehr als 100 Millionen Euro Gewinn getraut. "Außerdem braucht die Commerzbank eine gute Begründung für die Entlassungen im Investment-Banking", sagte der Teilnehmer. Den Aufschwung der vergangenen Wochen habe die Aktie eher dem außergewöhnlich guten Sentiment für Bankenwerte verdankt. "Nun schauen die Anleger aber wieder auf die Zahlen".
Deutliche Verluste am Neuen Markt, Euro über der Dollar-Parität
Die negativen Vorgaben der Wall Street und schlechte Zahlen von Infineon haben zu sehr schwachen Kursen am Neuen Markt geführt. Der Nemax-50 sank bei geringen Umsätzen um 2,4 Prozent oder zehn auf 418 Punkte, der Nemax-All-Share-Index verlor zwei Prozent bzw. neun auf 466 Zähler. Nach dem bereits am Donnerstag erfolgten Durchbruch durch die Unterstützung bei 436 Punkten im Nemax-50 habe sich die Situation am Neuen Markt eingetrübt, berichteten Marktbeobachter.
Zu den größten Abgebern gehörten am Berichtstag halbleiterbezogene Werte die zusätzlich unter einem stark negativen Philadelphia-Semiconductor-Index litten. So fielen ACG um 9,6 Prozent auf 2,17 Euro, CE Consumer um 9,9 Prozent auf 2,65 Euro und Süss Microtec um 10,1 Prozent auf 2,94 Euro.
Funkwerk , die Quartalszahlen vorlegten, gewannen hingegen leicht um 0,3 Prozent auf 16,56 Euro. Die Papiere hatten zuvor deutlicher im Plus gelegen. Die Analysten der Commerzbank beließen Funkwerk auf "Kaufen". Zwar seien die Daten niedriger als erwartet ausgefallen, doch liege das daran, dass teilfertiggestellte Produkte im Bereich Professioneller Mobilfunk erst im vierten Quartal abgerechnet würden. Das Unternehmen werde seine eigene Jahresprognose für 2002 erfüllen. Das Kursziel lautet 22 Euro.
EM.TV fielen nach Gewinnmitnahmen um 8,3 Prozent auf 1,11 Euro. Am Donnerstag hatte der Titel bedingt durch einen großen Käufer über 15 Prozent zugelegt. Als interessant bezeichneten die Analysten von SES Research das Abkommen von Intershop mit HP Services zur gemeinsamen Vermarktung von Enfinity-Lösungen. Da das Kursniveau von Intershop fundamental jedoch keinesfalls gerechtfertigt sei, sei es nachvollziehbar, dass der Kurs auf die Nachricht nicht anspringe. Intershop verloren 1,2 Prozent auf 0,81 Euro.
Bank- und Technologietitel in Tokio unter Druck
Die Aktienbörse in Tokio hat am Freitag nach der negativen Vorgabe der Wall Street vom Vortag schwach geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte fiel um 2,6 Prozent und ging beim Stand von 8690 Punkten ins Wochenende. Der breit angelegte Topix gab um 2,1 Prozent auf 862 Zähler nach.
Banktitel schlossen schwächer. Mitsubishi Tokyo Financial verloren 4000 Yen auf 787.000 Yen. Sumitomo Mitsui Banking gaben 22 Yen auf 446 Yen nach. Für Mizuho ging es um 14.000 Yen auf 169.000 Yen abwärts.
Auch Technologiewerte gaben nach. Rohm fielen um 590 Yen auf 15.810 Yen. Das Unternehmen hatte die Ganzjahresprognose reduziert. Advantest verloren 220 Yen auf 4890 Yen und Tokyo Electron büßten vor Zahlen 190 Yen auf 5300 Yen ein. Nach Börsenschluss teilte das Unternehmen mit, im Halbjahr mit Ende September einen Verlust von 701 Millionen Yen verbucht zu haben, nach einem Gewinn von 10,97 Milliarden Yen im Vorjahreszeitraum. Darüber hinaus senkte das Unternehmen die Umsatz- und Gewinnprognose für das Gesamtjahr.
Euro über der Dollar-Parität
Der Kurs des Euro ist am Freitag gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 1,0107 (Donnerstag: 1,0013) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9894 (0,9987) Euro.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6375 (0,6384) britische Pfund, 121,95 (121,98) japanische Yen und 1,4633 (1,4641) Schweizer Franken fest.