Börsenschluss: Kursmassaker bei MLP - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Kursmassaker bei MLP

Der Dax hat die Handelswoche mit einem kräftigen Abschlag beendet. Massive Kursverluste beim Finanzdienstleister MLP und den Technologiewerten lasteten auf dem Markt. Die Konjunkturaussichten in den USA trüben sich ein.
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Frankfurt am Main – Der Dax ist nach Eröffnung der Wall Street noch einmal deutlich abgerutscht und verlor bis zum Handelsschluss um 2,1 Prozent auf 3532 Punkte. Damit hat das Börsenbarometer trotz des Kursfeuerwerks vom Montag die Woche mit einem Minus von 1,3 Prozent abgeschlossen. Am Montag hatte der Dax beflügelt von kräftigen Kursgewinnen bei Automobil- und Finanzwerten mit 7,8 Prozent den größten prozentualen Tagesgewinn seit mehr als einem Jahrzehnt verbucht. Die Nebenwerte hielten ihre Verluste in Grenzen. Mit einem Minus von 0,1 Prozent notierte der MDax auf 3403 Punkten. Am Neuen Markt gab der Nemax 50 um 3,2 Prozent auf 519 Zähler nach.

Händler erklärten die hohen Verluste mit den enttäuschenden Wirtschaftszahlen aus den USA und der Gewinnwarnung von MLP  . Die anhaltend schwachen Konjunkturaussichten setzten insbesondere die Finanz- und Technologiewerte unter Druck. "Es sieht nicht so aus, als ob die Unternehmensgewinne sich dieses Jahr noch bessern", sagte Aktienstratege Klaus Schlote von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Dementsprechend seien weitere Kursverluste im Dax nicht auszuschließen.

Dabei hatte Finanzminister Hans Eichel sich am Nachmittag optimistisch geäußert. Gegen die negativen Nachrichten aus dem Haus MLP und den USA konnte er allerdings nichts ausrichten. "Wir müssten in Frankfurt und Europa den Boden gesehen haben", sagte Eichel am Freitag in Frankfurt. Er schließe jedoch nicht aus, dass es noch Übertreibungen nach unten geben könne. "Das wäre aber realwirtschaftlich nicht begründet. "Die Stimmung ist schlechter als die Realwirtschaft." Zum Wachstum sagte Eichel, dass die Wirtschaft in Deutschland im zweiten Quartal etwas stärker als im ersten Quartal gewachsen sei.

US-Börsen geben deutlich nach

Im Sog der schwachen Konjunkturdaten präsentierten sich die US-Börsen tief im Minus. Der Dow Jones rutschte bis zum Handelsschluss in Deutschland um 2,4 Prozent auf 8299 Punkte nach unten. Der Nasdaq notierte auf 1246 Zählern, ein Minus von 2,6 Prozent.

Die amerikanische Industrie hat im Juni weniger Aufträge erhalten als erwartet. Der Auftragseingang blieb um 2,4 Prozent unter dem Niveau des Vormonats, teilte das US-Handelsministerium mit. Das ist der erste Rückgang seit vier Monaten und zugleich der stärkste seit November 2001. Volkswirte hatten im Durchschnitt mit einem Minus von 1,7 Prozent gerechnet.

Im Mai hatten die Auftragseingänge noch um revidiert 0,6 Prozent zugelegt. In der Erstschätzung war noch von einem Zuwachs von 0,7 Prozent die Rede gewesen. Im Jahresvergleich schrumpften die Auftragseingänge im Juni um 3,7 Prozent.

Vor Handelsstart wurden Daten zu den persönlichen Einkommen veröffentlicht, die im Juni so stark stiegen wie seit knapp zwei Jahren nicht mehr. Sie erhöhten sich gemessen am Vormonat um 0,6 Prozent. Die US-Arbeitslosenquote verharrte hingegen im Juli wie von Experten erwartet bei 5,9 Prozent. Die schwache Verfassung des US-Arbeitsmarktes ist Volkswirten zufolge ein weiteres Signal für eine offenbar nur sehr langsame Erholung der weltgrößten Volkswirtschaft.

MLP gibt Gewinnwarnung aus

MLP-Aktien   stürzten nach Veröffentlichung einer Gewinnwarnung um rund 48,7 Prozent auf acht Euro ab. Der wegen angeblicher Bilanzierungstricks in die Kritik geratene Finanzdienstleister kann seinen Wachstumskurs in diesem Jahr nicht fortsetzen. Die ursprüngliche Ergebnisprognose von rund 30 Prozent werde voraussichtlich nicht erreicht, teilte das Unternehmen mit. Das Konzernergebnis vor Steuern liege im ersten Halbjahr höchstens auf dem Vorjahresniveau von 53,7 Millionen Euro. "Nun hat sich bewahrheitet, was wir bereits befürchtet hatten", sagte ein Händler. Bereits im Tagesverlauf hatten Spekulationen über die am Abend vom Unternehmen bestätigte Prognosesenkung den Wert tief ins Minus gedrückt.

Im Sog der schwachen Nasdaq standen auch die Technologiewerte deutlich im Minus: Papiere des Bauelemente-Spezialisten Epcos   verloren 9,8 Prozent auf 15,50 Euro. Aktien des Chipherstellers Infineon   büßten sechs Prozent auf 12,65 Euro ein. Hier belastete Händler zufolge zusätzlich die am Vorabend reduzierte Umsatzprognose des US-Konkurrenten National Semiconductor. Siemens-Papiere   gaben 5,9 Prozent auf 45,05 Euro nach. Der Titel des Software-Herstellers SAP   verbilligte sich um 4,3 Prozent auf 71,79 Euro.

Eon: Ruhrgas-Übernahme vorerst blockiert

Eon-Aktien   drehten am Abend ins Minus und verloren 0,4 Prozent auf 48,24 Euro. Der Zusammenschluss des Stromkonzerns mit dem Gas-Importeur Ruhrgas zum größten Energiekonzern der Welt bleibt blockiert. Knapp einen Monat nach der Ministererlaubnis für die Übernahme der Ruhrgas AG durch Eon stellte das Oberlandesgericht in Düsseldorf jetzt gravierende Verfahrensfehler der Bundesregierung fest. Damit bleibe der Zusammenschluss bis zur Entscheidung im Hauptverfahren untersagt, teilte das Gericht am Freitagabend mit.

Zu den wenigen Dax-Gewinnern zählten die Anteilsscheine des Pharmakonzerns Schering   mit plus 3,7 Prozent auf 54,75 Euro. Eine Händlerin sah die Aktie durch anhaltende Übernahmegerüchte und ein Aktienrückkaufprogramm beflügelt. Nach Vorlage von Halbjahreszahlen verloren Altana   im MDax ein Prozent auf 49,70 Euro.

Balda und Qiagen belasten den Neuen Markt, Euro etwas fester

Balda mit herben Verlusten

Angeführt von kräftigen Kursverlusten bei Balda   hat der Neue Markt am Freitag nachgegeben. Die schwachen Konjunkturaussichten, die die internationalen Aktienmärkte belasteten, trübten auch die Stimmung am Wachstumssegment ein, sagten Händler. Bei Balda gebe es allerdings keinen fundamentalen Grund für den Kursrutsch. Die Titel litten wie bereits in den vergangenen Tagen unter Gewinnmitnahmen. Von Ende Juni bis Ende Juli hatte sich der Wert des Papiers mehr als verdoppelt. Dagegen setzten die Aktien von Teleplan   ihren rasanten Aufschwung des Vortages fort.

Die Aktien von Balda   verloren 13 Prozent auf 4,55 Euro. Deutlich Verluste vom Schwergewicht Qiagen   lasteten ebenfalls auf dem Markt. Das Papier verbilligte sich um 6,4 Prozent auf 6,61 Euro. Unterdessen büßten die Titel von Pfeiffer Vacuum   um 6,4 Prozent auf 24,35 Euro ein. Bei Pfeiffer rechnen von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten damit, dass der Pumpenhersteller am kommenden Dienstag rückläufige Quartalsergebnisse bekannt gibt.

Teleplan trotz schwacher Zahlen im Plus

Dagegen verteuerten sich die Aktien von Teleplan um über fünf Prozent auf 5,50 Euro. Die Papiere des Reparaturdienstleisters Teleplan waren trotz eines im Quartalsvergleich rückläufigen Geschäftsergebnisses im zweiten Quartal und einer Senkung der Gesamtjahresprognose bereits am Donnerstag um 40 Prozent gestiegen. Börsianer begründeten die Kursentwicklung damit, dass der Markt schlimmeres befürchtet habe. Die Analysten von Helaba Trust stuften die Teleplan-Papiere am Freitag auf "Neutral" herauf von zuvor "Untergewichten".

Hohe Umsätze bei den Logistikern

Die beiden Logistik-Unternehmen Thiel Logistik   und D.Logistics   entwickelten sich bei hohen Umsätzen uneinheitlich. Beide Werte schwankten stark, wobei Marktteilnehmer keine fundamentalen Gründe dafür ausmachen konnten. Die Thiel-Titel bewegten sich in einer Spanne von minus 1,7 und minus 17,8 Prozent und lag zum Schluss mit 4,2 Prozent im Minus bei 6,85 Euro. Seit Mitte Juli hat das Papier seinen Wert mehr als verdreifacht.

Unterdessen stiegen die Aktien von D.Logistics bei überdurchschnittlichen Umsätzen um 7,5 Prozent auf 2,14 Euro, nachdem sie zuvor in einer Spanne von minus 4,5 und plus 22 Prozent geschwankt hatten.

Schwache Wall Street belastet den Nikkei

Die Börse in Tokio hat die Woche in schwacher Verfassung beendet. Nach der negativen Vorgabe der Wall Street gab der Nikkei-225-Index für 225 führende Werte am Freitag zum Handelsschluss um 83,85 Punkten oder 0,9 Prozent ab und ging mit 9709 Punkten ins Wochenende. Der breit angelegte Topix sank um 2,78 Punkte oder 0,3 Prozent und endete mit 955 Zählern.

TDK   fielen um 140 Yen auf 5600 Yen. Nach Vorlage der Unternehmenszahlen für das erste Quartal hatten zahlreiche Analysten die Gewinnaussichten und ihr jeweiliges Preisziel reduziert.

Die Technologieaktien verbuchten Verluste. Tokyo Electron   verloren 230 Yen auf 5620 Yen. Advantest   fielen um 170 Yen auf 5670 Yen und Kyocera   verbilligten sich um 160 Yen auf 7910 Yen.

Euro etwas fester

Der Kurs des Euro ist am Freitag gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9873 (Donnerstag: 0,9760) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0129 (1,0246) Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6295 (0,6274) Pfund, 117,62 (116,94) Yen und 1,4504 (1,4505) Schweizer Franken fest.