Börsenschluss: Leichte Verluste nach turbulentem Handel - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Leichte Verluste nach turbulentem Handel

Die deutschen Aktienmärkte haben sich zum Handelsschluss wieder deutlich erholt. Händler bleiben jedoch skeptisch: Sie erwarten weitere Kursabschläge.
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Frankfurt am Main - Im Sog schwacher Konjunkturdaten, einer unsicheren politischen Lage und schlechten Unternehmensnachrichten fiel der Dax zwischenzeitlich auf 3539 Punkte, der tiefste Stand seit November 1997. Bis zum Handelsschluss erholte sich der Blue-Chip-Index wieder bis auf 3787 Zähler und ging mit einem Minus von 0,6 Prozent ins Wochenende. Am Neuen Markt verlor der Nemax 50 um 8,2 Prozent auf 683 Zähler. Zuvor markierte der Auswahlindex ein Allzeittief von 641 Punkten.

In den USA legten die Börsen eine Berg- und Talfahrt auf das Parkett. Der Dow Jones stieg nach einem äußerst schwachen Start kurzfristig ins Plus, verlor im weiteren Verlauf aber wieder knapp zwei Prozent und notierte zum Handelsschluss in Deutschland knapp über der 8200-Punkte-Linie. Die Nasdaq gab deutlich nach und rutschte um 3,6 Prozent auf 1418 Zähler.

"Der Markt ist schon ziemlich verrückt", kommentierte ein Aktienhändler den Kursverlauf. Am Mittag sprachen Markbeobachter noch von "panikartigen Verkäufen". Die Unsicherheit blieb allerdings bis zum Abend groß: "Das sind jetzt alles kurzfristige Entwicklungen", sagte ein Händler und verwies darauf, dass sich die allgemeine Situation nicht gebessert habe. Sollte die mögliche Vergeltung der USA wieder Gegenmaßnahmen provozieren oder sich in die Länge ziehen, werde der Markt weiter leiden, hieß es.

"Keiner will hier am Markt das Risiko eingehen und vor den drohenden Vergeltungsmaßnahmen noch Bestände aufbauen", sagte Stefan Buchholz, Aktienhändler bei der DZ Bank. "Die Stimmung ist am Boden. Dieser Markt ist stark überverkauft." Dennoch könne der Markt auch in der kommenden Woche weiter nachgegeben, solange die politische Lage sich nicht entspanne.

Für zusätzliche Spannung sorgte am Freitag noch der Verfall von Index-Futures und -Optionen in der Mittagsauktion. Am so genannten "dreifachen Hexensabbat", verfallen sowohl Aktien- und Indexoptionen als auch Futurekontrakte an der Terminbörse Eurex. Auf dem elektronischen Handelssystem Xetra werden dabei in der Mittagsauktion als auch in der Schlussauktion die relevanten Settlementpreise ermittelt.

Adidas spurtet an die Spitze

Die Aktie von Adidas   ging mit einem Plus von neun Prozent auf 52 Euro als Dax-Tagessieger aus dem Handel. "In Relation zum Gesamtmarkt sind Adidas buchstäblich abgehoben", sagte ein Händler. Verantwortlich hierfür seien vor allem die besser als erwartet ausgefallenen Quartalszahlen des US-Konkurrenten Nike. Offensichtlich hat der Sportbekleidungssektor nur "sehr wenig unter der Konjunkturschwäche zu leiden." Bei Sportartikeln zähle vor allem das Image und nur wenig der Preis. Jugendliche geben "ja praktisch 100 Prozent ihres Einkommens" für den persönlichen Konsum aus. "Da dürfen Turnschuhe schon mal mehrere hundert Mark kosten", so die Einschätzung des Händlers zum Konsum von Sportartikeln.

Volkswagen-Titel   legten 6,4 Prozent auf 35,05 Euro zu. Börsianer erklärten die Zugewinne mit den "übertriebenen Kursabschlägen der vergangenen Tage". Am Vormittag hatte der Titel noch auf einem neuen Jahrestief von 30,36 Euro gestanden. "Da haben wohl einige Schnäppchenjäger die Gunst der Stunde genutzt", sagte ein Autoanalyst. Das Jahreshoch der Aktie lag am 9. März im Tagesverlauf noch bei 62,99 Euro. Zudem bestehe angesichts des niedrigen Kursniveaus die Gefahr einer Übernahme. "Das beste Abwehrmittel dagegen sind nun einmal Aktienkäufe", hieß es. Die Titel der Rivalen DaimlerChrysler   (minus 0,6 Prozent auf 30,22 Euro) und BMW   (plus 5,5 Prozent auf 25,47 Euro) schlossen uneinheitlich.

Die Allianz-Aktie   verbilligte sich um 5,8 Prozent auf 205,29 Euro. Der Konzern hatte am Morgen zum zweiten Mal nach den US-Terroranschlägen vor niedrigeren Erträgen gewarnt. Die Belastungen durch die Attentate werden nun auf 1,7 Milliarden Euro geschätzt. Zuvor ging die Allianz von 700 Millionen Euro aus. Die Aktie der Münchener Rück   notierte 0,4 Prozent stärker auf 239 Euro.

Die Titel der Softwareschmiede SAP   stiegen wieder knapp über die 100-Euro-Marke. Zuvor fiel das Papier um annähernd zehn Prozent auf knapp 90 Euro. Auch die Aktie von Infineon   konnte sich von den deutlichen Verlusten des frühen Handels wieder erholen und schloss nahezu unverändert.

Neuer Markt auf Rekordtief

Der Neue Markt ist am Freitag sofort nach Börsenstart noch einmal regelrecht abgestürzt. "Es herrscht ein intakter Abwärtstrend, der sich beschleunigt hat", sagte ein Händler. "Der Nemax 50 ist nach unten offen. Die 700er Marke hat nur eine psychologische Wirkung. Der Abwärtssog ist aber diesmal stärker als das Psychologische."

Besonders hart traf es Qiagen  . Die Aktie stürzte zwischenzeitlich um über 30 Prozent nach unten, reduzierte seine Verluste bis zum Handelsschluss auf minus 11,3 Prozent. Damit notierte das Papier bei 13,45 Euro. Das Biotechnologieunternehmen hatte am Donnerstagabend eine Gewinnwarnung ausgegeben. Aufgrund der Terroranschläge in den USA konnte der wichtige US-Markt nicht fristgerecht beliefert werden, hieß es.

Auch Consors   musste Federn lassen und notierte bei 6,41 Euro mit einem Minus von 16,2 Prozent. Deutlich im Minus notierten auch Fantastic   , Comroad   , Evotec   , Comdirect   und Broadvision   .

Kurs des Euro etwas schwächer

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs des Euro auf 0,9200 (Donnerstag: 0,9259) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1259 (2,1124) Mark. Gegen Handelsschluss in Deutschland wurde die Einheitswährung mit 0,9133 Dollar gehandelt.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6301 (0,6320) Pfund, 107,18 (108,15) Yen und 1,4464 (1,4735) Schweizer Franken fest.