Börsenschluss: Lufthansa im Steilflug - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Lufthansa im Steilflug

Der unsicheren Konjunkturlage zum Trotz haben die deutschen Aktienmärkte im Plus geschlossen. Händler konnten sich die zum Teil deutlichen Kursgewinne nicht erklären.
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Frankfurt am Main – Zum Handelsschluss haben die Börsen in Frankfurt noch einmal zugelegt und sind mit deutlichen Gewinnen aus dem Handel gegangen. Der Dax kletterte um 2,3 Prozent auf 4811 Punkte. Am Neuen Markt stieg der Nemax 50 um 1,9 Prozent auf 1091 Zähler.

An der Wall Street pendelte der Dow Jones im Handelsverlauf unruhig um die Vortagesschlusslinie. Die Nasdaq zog bis zum Börsenschluss in Deutschland um 1,4 Prozent auf 1728 Zähler an.

Fundamentale Gründe für die feste Performance seien nicht auszumachen, sagten Börsianer. Die Börse sei derzeit einfach ein "Selbstläufer", hieß es.

Dabei waren die Unternehmensmeldungen eher trübe. Zwar konnten in New York Eastman Kodak   , Du Pont und Honeywell   mit ihren Quartalszahlen die Erwartungen treffen, doch der Ausblick enttäuschte. Der Computerhersteller Compaq setzte noch einen drauf und gab einen höheren Verlust bekannt, als von Analysten prognostiziert.

Nach Börsenschluss in Frankfurt stand zudem die Veröffentlichung des Beige Book von der US-Notenbank an. Waren die Folgen der Terroranschläge im vorangegangenen Bericht noch nicht berücksichtigt, so würden die durch die Attentate ausgelösten wirtschaftlichen Verwerfungen nunmehr voll durchschlagen, hieß es am Markt. Zugleich dürfte der Bericht Rückschlüsse auf den Ausgang der kommenden Sitzung des Offenmarktauschusses (FOMC) der Federal Reserve am 6. November zulassen. Die meisten Experten erwarten, dass auf dieser Sitzung eine weitere Senkung des Zielsatzes der Fed Funds Rate um 25 Basispunkte auf 2,25 Prozent beschlossen wird. In Europa könnte es bereits am morgigen Donnerstag zu einer Zinssenkung kommen - dann tagt der EZB-Rat.

Lufthansa hebt ab

Die Aktie der Lufthansa   ging mit einem Plus von 7,5 Prozent auf 12,95 Euro als Tagessieger aus dem Handel. Marktbeobachter erklärten den Anstieg damit, dass die Bundesregierung die Haftungsgarantien für Fluggesellschaften bei Drittschäden aus Krieg und Terror um einen Monat und damit bis Ende November verlängert hat. Die Airline hatte zuvor mitgeteilt, angesichts der gesunkenen Auslastung ihrer Flugzeuge möglicherweise mehr Maschinen stillzulegen als bisher geplant. "Wir denken daran, in den nächsten Monaten 43 Maschinen zu grounden", sagte Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber am Mittwoch. Bisher war von 28 Maschinen die Rede gewesen.

Stark präsentierten sich auch die Finanzwerte. Die Aktien der Commerzbank   (plus 7,5 Prozent auf 17,90 Euro), Allianz   (plus 3,8 Prozent auf 273 Euro), Münchener Rück   (plus 2,4 Prozent auf 320 Euro) und Deutsche Bank   (plus 2,2 Prozent auf 62,32 Euro) stiegen ohne fundamentale Nachrichten.

DaimlerChrysler   knüpfte an die gute Performance des Vortages an. Die Titel gewannen 1,7 Prozent auf 41,54 Euro. Am Dienstag war die Aktie nach Vorlage der Geschäftszahlen zeitweise um sieben Prozent geklettert.

Die Technologiewerte haben sich wieder von den Höchstständen des Vormittags entfernt, schlossen aber noch deutlich fester. Siemens-Titel   stiegen um 5,7 Prozent. Epcos   und Deutsche Telekom   präsentierten sich über vier Prozent fester.

Preussag   gewannen annähernd zwei Prozent auf 28,21 Euro. Trotz der aktuellen Krise der Luftfahrt- und Tourismusbranche rechnet der Touristikkonzern auch im kommenden Jahr mit einem Wachstum, berichtet die "Börsen-Zeitung" (Mittwochausgabe).

Größter Verlierer im Dax war Adidas Salomon   . Aufgrund von Gewinnmitnahmen verbilligte sich das Papier um 3,1 Prozent auf 65 Euro.

Abwärts ging es im MDax auch für die Aktien des Erotikkonzerns Beate Uhse  , die mehr als 18 Prozent auf neun Euro abgaben. Uhse hatte am Morgen eine Gewinnwarnung für das Gesamtjahr herausgegeben und sein Ergebnisziel 2001 von ursprünglich 40 auf 20 Millionen Mark reduziert.

"Kaufpanik" am Neuen Markt

"Es herrscht eine regelrechte Kaufpanik", beschrieb eine Händlerin die Stimmung am Neuen Markt, "aber die Rallye macht so keinen Sinn". Ein anderer Händler fügte hinzu: "So etwas haben wir zuletzt gesehen, als die Kursblase am Neuen Markt begann".

"Nachdem der Nemax 50 in wenigen Wochen von 640 auf fast 1100 Punkte gestiegen ist, meinen wohl einige Leute, etwas zu verpassen", sagte ein Händler. Der Kursanstieg sei fundamental kaum zu erklären. "Die politische Unsicherheit hält weiter an. Auch die Quartalszahlen und Konjunkturaussichten lassen eigentlich keine steigenden Kurse zu." In den kommenden Tagen könne es noch einmal deutlich nach unten gehen.

Morphosys   hat an die Berg- und Talfahrt der vergangenen Handelstage angeknüpft. Zum Handelsschluss stand das Papier mit über 18 Prozent im Plus auf 68,38 Euro.

Die Papiere der Comdirect   konnten sich um annähernd elf Prozent verbessern. Bereits am Vortag hatte die Aktie mehr als 22 Prozent hinzugewonnen. Die Anteilsscheine der Rivalen DAB Bank   und Consors   gaben leicht nach.

Die Aktien des angeschlagenen Medienunternehmens EM.TV   setzten sich mit einem Verlust von 7,8 Prozent auf 2,26 Euro an die Spitze der Verliererliste. Ein größerer Verkäufer sei im Markt, hieß es.

Kurs des Euro gestiegen

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs des Euro auf 0,8917 (Dienstag: 0,8887) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1934 (2,2008) Mark. Gegen Handelsschluss in Frankfurt wurde die Gemeinschaftswährung mit 0,8933 Dollar gehandelt.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6257 (0,6258) Pfund, 109,48 (109,03) Yen und 1,4798 (1,4791) Schweizer Franken fest.