Börsenschluss: Lufthansa startet durch - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Lufthansa startet durch

Der Dax und der Nemax haben bei einem lustlosen Handel im Minus geschlossen. Die Lufthansa profitierte von Gerüchten um eine bevorstehende Tarifeinigung.
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Der Dax verlor leicht um 0,1 Prozent auf 6184 Punkte. Deutlich schwächer präsentierten sich die Wachstumswerte: Der Nemax 50 gab um 1,3 Prozent auf 1711 Punkte nach, während die Werte des M-Dax um 0,1 Prozent auf 4765 Zähler zulegten.

Die New Yorker Börsen behaupteten sich. Die Nasdaq zog bis zum Börsenschluss in Deutschland um 1,8 Prozent auf 2257 Zähler an, der Dow Jones notierte leicht im Plus bei 11.079 Punkten.

Sowohl in den USA als auch am deutschen Markt hielten sich Anleger Händlern zufolge im Vorfeld des Berichts des Chipkonzerns Intel zur Geschäftsentwicklung im laufenden Quartal zurück. "Der Markt erwartet wohl eher etwas verhaltene Zahlen und einen verhaltenen Ausblick, von daher sollte das keine Überraschung mehr sein", sagte ein Marktteilnehmer. Allerdings sieht der Experte Aufwärtspotenzial für die Technologiewerte am deutschen Markt, sollte der Intel-Bericht positiv ausfallen. Die Intel-Zahlen werden nach US-Börsenschluss erwartet.

Spekulationen über eine bevorstehende Einigung der Lufthansa mit der Pilotenvereinigung Cockpit ließ die Aktie im Abendhandel durchstarten. Als Tagesgewinner legte sie 2,3 Prozent auf 22,56 Euro zu. "Eventuell steht am Freitag eine Einigung im Tarifstreit an und man geht davon aus, dass sie nicht so hoch ausfallen wird, wie von den Piloten gefordert", sagte ein Händler. Die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hofft nach eigenen Angaben auf eine Einigung noch in dieser Woche. "Wir hoffen, dass es noch Freitag zu einem Ergebnis kommt", sagte VC-Sprecher Georg Fongern am Donnerstagabend.

Die Bayer-Aktie gewann 1,7 Prozent auf 47,05 Euro. Der Chemiekonzern profitierte von einer Empfehlung der Investmenthäuser Goldman Sachs und JP Morgan. Analysten sagten auch, die US-Pharmaunternehmen Bristol-Myers und DuPont hätten exklusive Kaufverhandlungen über die DuPont-Pharmasparte aufgenommen. Damit sei eine Übernahme der Sparte durch Bayer unwahrscheinlich geworden. Zudem habe der Markt den Preis für eine solche Übernahme als zu hoch erachtet.

Ebenfalls freundlich präsentierten sich die Aktien von Degussa (plus 0,6 Prozent auf 35,48 Euro) und BASF (plus 0,5 Prozent auf 46,93 Euro). Bereits am Vortag hatte Degussa vom geplanten Börsengang der Biotech-Tochter Zentaris profitiert.

Unter Druck standen die Finanztitel. Die Aktien von Allianz und Münchener Rück wurden Händlern zufolge nach den jüngsten Kurszuwächsen von Gewinnmitnahmen belastet. Allianz verloren 2,6 Prozent auf 337,80 Euro und waren damit Tagesverlierer. Münchener Rück gaben um 1,2 Prozent auf 327,66 Euro nach.

Eine Ergebniswarnung des US-Finanzdienstleisters JP Morgan Chase belastete nach Händlerangaben die Aktien der Deutschen Bank, die um rund 0,6 Prozent auf 89,30 Euro nachgaben. Die Anteilsscheine der Dresdner Bank verloren 1,2 Prozent auf 53,35 Euro.

Die T-Aktie ging mit einem Plus von 0,6 Prozent auf 23,45 Euro aus demHandel. Die Deutsche Telekom plant, eine neue Anleihe an den Markt bringen. Ehemalige Voicestream-Aktionäre werfen das Papier der Deutschen Telekom derzeit in großen Mengen auf den Markt. Dies drückte die Aktie am Vortag auf ein Zwei-Jahres-Tief von 23,30 Euro.

Die Technologiewerte im Dax wurden zunächst von einer Umsatzwarnung bei Hewlett Packard und den Intel-Gerüchten belastet, gingen zum Schluss aber alle im Plus aus dem Handel. Infineon-Aktien legten 1,2 Prozent auf 39,75 Euro zu. Die Gewinne von Epcos (plus 0,6 Prozent auf 74,03 Euro), Siemens (plus 0,4 Prozent auf 85,40 Euro) und SAP (plus 0,2 Prozent auf 175,10 Euro) hielten sich jedoch in Grenzen.

Die Abwehr einer feindlichen Übernahme, die Abspaltung der Tochter Audi und der Streit mit verschiedenen Investmentfonds bestimmten die Hauptversammlung bei Volkswagen. Fondsmanager erhöhten den Druck auf Unternehmenschef Ferdinand Piëch, Vorzugsaktien möglichst bald in Stammaktien umzuwandeln. Die im Dax notierte Stammaktie schloss leicht im Plus bei 59,86 Euro. Die Konkurrenten DaimlerChrysler (minus 0,9 Prozent auf 54,14 Euro) und BMW (plus 2,1 Prozent auf 41,03 Euro) notierten uneinheitlich.

Neuer Markt konnte Nasdaq-Vorgaben nicht umsetzen

Die Wachstumswerte konnten die positive Tendenz der US-Technologiebörse nicht nachvollziehen. Händler machten dafür auch die zu geringe Liquidität im Aktienhandel verantwortlich. "Man muss sich derzeit sehr anstrengen, um am Neuen Markt Geld zu verdienen", sagte ein Händler in Frankfurt. Der ohnehin schon schwache Handel würde die Börsianer verschrecken. "Wenn man eine größere Position aufbaut, weiß man oft nicht, wie man diese wieder los wird", sagte er.

EM.TV hatte die endgültigen Bilanzzahlen für das abgelaufene Jahr verspätet bei der Deutschen Börse vorgelegt. Der Verlust, nach vorläufigen Zahlen 2,8 Milliarden Mark, verminderte sich auf 2,56 Milliarden Mark. Die Aktie verbilligte sich dennoch um vier Prozent auf 3,12 Euro. Jetzt warten die Börsianer auf die überfälligen Ergebnisse des ersten Quartals.

Von Kursverlusten war der gesamte Logistikbereich betroffen. D.Logistics-Aktien gaben um neun Prozent auf 23,20 Euro nach, die von Thiel Logistik sanken um 2,2 Prozent auf 22,50 Euro.

Zulegen konnten die Aktien der Münchner Kinowelt. Die Papiere stiegen um 13,9 Prozent auf 4,11 Euro, nachdem der Vorstand versicherte, er habe im Vorfeld einer Gewinnwarnung am 23. März keine Aktien verkauft. Das Bundesaufsichtsamt für Wertpapierhandel hatte am Mittwoch ein Verfahren eingeleitet, dass die auffälligen Aktienverkäufe im Vorfeld aufklären soll. Die Aktie hatte am Vortag über neun Prozent eingebüßt und verkommt mehr und mehr zu einem Zockerpapier.

Singulus Technologies-Titel kletterten nach Großaufträgen um 2,9 Prozent auf 28 Euro. Zwei internationale Unternehmen hätten insgesamt zwölf Spaceline DVD Replikationslinien bestellt. Das Volumen der zwei Aufträge belaufe sich auf rund 15 Millionen Euro, teilte Singulus mit.

Im alle Werte umfassenden Nemax All Share legten die Anteilsscheine von Lipro um über 16 Prozent auf 1,52 Euro zu. Die Aktie führte damit die Liste der Gewinner am Neuen Markt an. Größter Verlierer war das Papier von E.Multi, das knapp 15 Prozent auf 3,19 Euro nachgab.

EZB lässt Zinsen unverändert

Der Euro hat kaum auf den erwarteten Entscheid der Europäischen Zentralbank (EZB), die Zinsen unverändert zu lassen, und die anschließenden Äußerungen von EZB-Präsident Wim Duisenberg reagiert. Die Währung stieg im Verlauf zwar kurzfristig wieder über 0,85 Dollar. Händler begründeten dies jedoch vor allem mit einer technischen Reaktion auf die überverkaufte Marktlage.

Die überraschend hohen Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe hatten dem Euro zuvor nur zu geringen Kursgewinnen verholfen. Das britische Pfund fiel wegen Spekulationen über einen baldigen Euro-Beitritt Großbritanniens gegen den Dollar auf ein neues 15-Jahrestief.