Börsenschluss: Märkte legen eine Pause ein - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Märkte legen eine Pause ein

Dax und Nemax haben einen Großteil ihrer Gewinne trotz guter Konjunkturdaten wieder abgeben müssen. Gewinnmitnahmen lasteten im späten Handel auf den Kursen. Die Technologiewerte legten deutlich zu.
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Frankfurt am Main – Der Dax hat sich am Donnerstag bis Handelsende deutlich von den Tageshöchstständen entfernt. Händler verwiesen auf die US-Standardwerte, die an der Wall Street ebenfalls eine Verschnaufpause einlegten. Der Leitindex schloss bei 5289 Punkten - immer noch ein Plus von 0,1 Prozent. Am Nachmittag hatte der Dax noch bei 5370 Zählern und damit auf dem höchsten Stand seit Ende August gestanden. Der MDax der 70 mittleren Werte stieg leicht um 0,01 Prozent auf 4434 Punkte. Am Neuen Markt legte der Nemax 50 um 0,6 Prozent auf 1048 Zähler zu.

In den USA sind die Börsen nach einer festen Eröffnung in den roten Bereich gerutscht. Der Dow Jones notierte zum Handelsschluss in Deutschland auf 10.479 Punkten, ein Minus von 0,9 Prozent. Die Nasdaq gab um 1,2 Prozent auf 1868 Zähler nach.

Kurz vor Eröffnung der Wall Street gab das US-Arbeitsministerium noch gute Konjunkturdaten bekannt. Die Arbeitsproduktivität in der US-Wirtschaft hat im vierten Quartal revidierten Zahlen zufolge so stark zugenommen wie letztmals im zweiten Quartal 2000. Die Produktivität in der Wirtschaft ausschließlich des Agrarsektors sei im letzten Vierteljahr 2001 um 5,2 (Erstschätzung: 3,5) Prozent gestiegen, teilte das Ministerium in Washington mit. Damit ist die Produktivität stärker gestiegen als von Volkswirten erwartet. Analysten hatten lediglich eine revidierte Zunahme der Arbeitsproduktivität im vierten Quartal von 4,2 Prozent erwartet. Mit der erhöhten Produktivität erwarten Börsianer auch niedrigere Stückkosten, die sich wiederum in höheren Unternehmensgewinnen auswirken.

Märkte legen eine Pause ein

"Nach den massiven Kursgewinnen ist es normal, dass die Märkte ein Pause einlegen", sagte ein Frankfurter Händler. Die Stimmung sei angesichts der positiven Konjunkturdaten nach wie vor gut. Nach Einschätzung des US-Notenbankchefs Alan Greenspan ist der Wirtschaftsaufschwung in den USA bereits voll im Gange. Auch die Europäische Zentralbank rechnet mit einem mehrjährigen Aufschwung im Euroland.

Wenig überraschend sei die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), ihren wichtigsten Leitzins unverändert bei 3,25 Prozent zu belassen, sagten Händler. Damit hatte der Markt gerechnet.

Im Plus standen die Technologiewerte, die Händlern zufolge am meisten von einem Konjunkturaufschwung profitieren dürften. Das Papier des Elektronik-Konzerns Siemens   verteuerte sich um 1,7 Prozent auf 76,10 Euro. Das Papier des Softwareunternehmens SAP   schloss bei 167,63 Euro - ein Plus von ein Prozent. Der Titel des Chipherstellers Infineon   gewann 0,4 Prozent auf 28,35 Euro.

Epcos-Aktien   gingen mit einem Gewinn von 0,8 Prozent auf 50,50 Euro aus dem Handel. Marktbeobachter begründeten das Plus mit einer Hochstufung der Aktie durch die Analysten von Dresdner Kleinwort Wasserstein.

VoiceStream hilft der Telekom auf die Beine

Die T-Aktie   stieg um 1,1 Prozent auf 17,34 Euro. Im ersten Quartal 2002 werde die Telekom-Tochter VoiceStream in die schwarzen Zahlen kommen, sagte Kai-Uwe Ricke, Mobilfunkchef der Telekom, am Donnerstag in Bonn. "Für VoiceStream ist das neue Jahr exzellent angelaufen".

MAN-Papiere   stiegen um 1,8 Prozent auf 28,82 Euro und waren damit bester Dax-Wert. Zuvor hatte die US-Investmentbank Morgan Stanley das Kursziel auf 34 Euro erhöht.

Die Aktien von Adidas-Salomon   verloren 4,4 Prozent auf 76,49 Euro und waren damit der größte Tagesverlierer. Europas größter Sportartikelhersteller hatte seine Gewinnprognose nach unten revidiert. Auch die Aktie der Deutschen Post   fiel um drei Prozent auf 15,73 Euro. Die Bonner müssen sich auf Senkung der Briefmonopol-Grenze einstellen.

Neuer Markt: Stimmung wird besser

Stimmung am Neuen Markt wird besser

"Die Umsätze ziehen wieder an und die Stimmung wird besser", sagte ein Wertpapierhändler in Frankfurt. Die Nasdaq steige bereits den fünften Tag in Folge, "ohne dass wir das in irgend einer Weise nachvollzogen haben". Deshalb seien die Aktien auch nicht gesunken als die Nasdaq leicht ins Minus gerutscht war.

Insbesondere Biotechnologietitel waren gefragt: Qiagen-Aktien   stiegen um 5,3 Prozent auf 18,32 Euro. Händler berichteten, das Papier des Unternehmens mit einem Börsenwert von 2,4 Milliarden Euro habe an der vergangenen Tagen eher unter Druck gestanden. "Wenn die Börse steigt, dann hat Qiagen oftmals Nachholbedarf".

Bei der Aktie des Impfstoffentwicklers Rhein Biotech überwogen ebenfalls die Käufer. Das Papier kletterte um 5,4 Prozent auf 48,50 Euro. "Der Aktienkurs schlägt schon bei geringen Umsätzen stark aus", sagte ein Händler. Weiter unter Druck gerieten die Aktie von Lion Bioscience   , die bereits an den beiden Vortag um sechs Prozent nachgegeben hatten. Der Aktienpreis gab um weitere vier Prozent auf 12,34 Euro nach.

Balda nach schwachen Zahlen im Plus

Trotz eines deutlichen Gewinneinbruchs stieg die Aktie des Handykomponentenherstellers Balda   um 7,7 Prozent auf 6,99 Euro. Händlern machten den positiven Ausblick und die Beibehaltung der Dividende von fünf Cent pro Aktie für das Kursplus verantwortlich.

Die Aktien der Aixtron   waren vor Bekanntgabe von Geschäftszahlen gefragt. Der Aktienpreis des Herstellers von Verbindungs-Halbleitern schwoll um 5,3 Prozent auf 22,70 Euro an. "Die Zahlen bergen keine große Überraschung, da diese schon durch eine Indiskretion auf einer Analystenkonferenz bekannt sind", sagte ein Händler einer Frankfurter Großbank. Wichtiger sei der Ausblick des Unternehmens.

Kurs des Euro gestiegen - Rallye in Tokio

Kurs des Euro gestiegen

Der Kurs des Euro ist am Donnerstag gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,8764 (Mittwoch: 0,8712) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,1410 (1,1478) Euro. Bis zum Handelsschluss in Deutschland stieg die Devise auf 0,8826 Dollar. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6165 (0,6125) Pfund, 112,96 (114,86) Yen und 1,4719 (1,4767) Schweizer Franken.

Rallye in Tokio

Die asiatischen Märkte haben die Vorgaben aus New York aufgenommen. Der Nikkei legte am Donnerstag um 2,6 Prozent auf 11.648 Zähler zu.