Börsenschluss: Massive Verluste in Frankfurt - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Massive Verluste in Frankfurt

An einem rabenschwarzen Handelstag hat der Dax mehr als 100 Punkte verloren. Die Deutsche Bank rutschte um knapp sechs Prozent nach unten. Am Neuen Markt verlieren jetzt auch die großen Unternehmen das Vertrauen der Anleger.
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Frankfurt am Main - Der Dax ist nahe seines Tagestiefsstandes bei 4764 Punkten aus dem Handel gegangen, ein Minus von 2,2 Prozent. Damit ist die charttechnisch wichtige Unterstützung bei 4870 Zählern gefallen. Am Neuen Markt rutschte der Nemax 50 um 4,2 Prozent auf 952 Zähler ab. Im Januar 1998, zum Start des Auswahlindexes, hatte der Nemax 50 bei 979 Punkten notiert.

Auch in den USA präsentierten sich die Börsen schwach. Der Dow Jones hat seine Verluste nach einem schlechten Start ausgebaut und notierte zum Handelsschluss in Frankfurt rund ein Prozent niedriger auf 9801 Punkten. Die Nasdaq verlor 2,7 Prozent auf 1757 Zähler nach. Marktteilnehmer zeigten sich verunsichert über die langfristigen Auswirkungen möglicher Bilanzmanipulationen von Unternehmen wie IBM   .

Kurz vor Börsenstart hatte das US-Handelsministerium positive Konjunkturdaten veröffentlicht. Die Zahl der Baubeginne neuer Eigenheime in den USA ist im Januar unerwartet stark um 6,3 Prozent auf eine saisonbereinigte und annualisierte Zahl von 1,678 Millionen Einheiten gestiegen. US-Volkswirte hatten im Durchschnitt lediglich mit einem leichten Plus von 1,3 Prozent auf 1,590 Millionen Einheiten gerechnet.

Frankfurt gefangen im Stimmungstief

Niemand wolle sich in diesem schlechten Börsenumfeld engagieren, sagte Aktienhändler Christian Schmidt von der Helaba. Die anhaltenden Sorgen um mutmaßlich unsaubere Bilanzierungspraktiken der US-Unternehmen belasteten wie bereits in den vergangenen Wochen auch am Dienstag die deutschen Aktien, sagte ein Händler. Dabei setzten IBM   mit einem Verlust von mehr als zwei Prozent insbesondere die deutschen Technologiewerten unter Druck. Diesem Trend konnte sich nur Infineon   mit einem Plus von 0,8 Prozent auf 25,60 Euro entziehen. Händler verwiesen zur Begründung auf die anziehenden Preise für Speicherchips.

Am Markt herrsche derzeit große Unsicherheit über die Bewertung der Volkswagen-Geschäftsergebnisse, sagte ein Börsianer. Auf den ersten Blick seien die Zahlen gut, gleichzeitig würden aber an der Terminbörse Eurex zahlreiche Verkaufsoptionen (Puts) platziert, wodurch das Papier belastet werde. Die Aussicht auf schwache Geschäftszahlen von DaimlerChrysler setze die Volkswagen-Aktie   zusätzlich unter Druck. Sie schloss 1,9 Prozent schwächer bei 50,70 Euro. Der Autobauer hat 2001 trotz der schwachen Konjunktur den Gewinn je Stammaktie um knapp 21 Prozent gesteigert. Die Zahlen von DaimlerChrysler   werden für Mittwoch erwartet. Deren Papiere gaben um 4,3 Prozent auf 40,75 Euro nach.

Deutsche Bank hält die rote Laterne

Größter Verlierer im Dax waren mit einem Minus von 5,7 Prozent auf 64 Euro die Aktien der Deutschen Bank   . Börsianer machten Sorgen um die Aussichten des Rentengeschäftes, die Senkung der Gewinnprognosen des belgischen Mitbewerbers Fortis und die Herabstufung des Papiers für die Verluste verantwortlich. Das gute Ergebnis 2001 im Rentengeschäft könne 2002 kaum wiederholt werden, sagte eine Analystin. Fortis rechnet eigenen Angaben zufolge für das abgelaufene Jahr statt eines leichten Gewinnanstiegs mit einem Minus von sieben Prozent. Die Analysten der Commerzbank stuften die Aktie der Deutschen Bank auf "Halten" von "Akkumulieren" zurück und senkten das Kursziel auf 70 von 82 Euro. Die Gewinnreduzierung belastete Händlern zufolge auch die übrigen Finanztitel. Der Branchenindex im Dax verlor 2,91 Prozent.

Die Titel von Fresenius Medical Care   (FMC) verloren unterdessen bei geringen Umsätzen 5,6 Prozent auf 58,35 Euro. Händlern zufolge belasteten Unsicherheiten über die Geschäftsaussichten und den Ausgang von Rechtsstreitigkeiten in den USA das Papier.

Die Preussag-Titel   wurden unterdessen dem Analysten Christian Obst von der HypoVereinsbank zufolge von der Sorge vor einem Preiskampf in der Tourismusindustrie belastet, nachdem die Reise-Tochter TUI am Montag Rabatte angekündigt hatte. Die Preussag-Aktie schloss 4,3 Prozent leichter bei 31,40 Euro.

MDax: Deutsche Börse heraufgestuft – WCM verliert leicht

Deutsche Börse übertrifft Erwartungen

Die Deutsche Börse   hat im abgelaufenen Geschäftsjahr ihren Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert und damit Analysten-Erwartungen übertroffen. Zum Ergebniswachstum trugen vor allem die Segmente Eurex und Informationsprodukte bei, wie die Börse am Montagabend in Frankfurt mitteilte. Der Umsatz der Gruppe sei auf 760,3 Millionen Euro gestiegen nach 648,9 Millionen Euro im Vorjahr, teilte die im MDax gelistete Gesellschaft in Frankfurt mit. Die Aktie kletterte gegen den schwachen Gesamttrend um 3,3 Prozent auf 44,97 Euro, nachdem auch die Deutsche Bank den Titel auf "Kauf" heraufgestuft hatte.

Auch der Arzneimittelhersteller Schwarz Pharma   hat am Dienstag Zahlen vorgelegt, die über den Erwartungen lagen. Das Unternehmen steigerte den Jahresüberschuss 2001 von 13,6 auf 40,5 Millionen Euro. Die Aktie legte um 7,1 Prozent auf 36,10 Euro zu.

WCM verliert leicht

Die WCM-Aktie   fiel um 1,8 Prozent auf 10,78 Euro. Die Beteiligungsgesellschaft ist nach eigenen Angaben nicht an einer Übernahme der Commerzbank   oder an einer Einflussnahme auf das operative Geschäft des Geldhauses interessiert. Das Engagement sei auf mehrere Jahre angelegt, sagte WCM Vorstandschef Roland Flach am Dienstag. "Eine Übernahme der Commerzbank steht nicht zur Diskussion."

Neuer Markt: Vertrauen zerstört – Mobilcom unter Druck – D.Logistics erholt sich

Kein Vertrauen mehr in den Neuen Markt

"Die 1000-Punkte-Marke interessiert hier jetzt keinen mehr", sagte ein Händler. Wenn selbst die großen Unternehmen mit ihren Zahlen enttäuschen, dann traue man den Kleinen gute Ergebnisse erst recht nicht zu. Gerade die Kursverluste der "Blue Chips" wie Aixtron   , deren Titel acht Prozent auf 19,00 Euro abgaben, Qiagen   und T-Online   hätten den Handelstag bestimmt, sagte ein Händler. Ein anderer Börsianer sagte, die Nachrichten der Unternehmen seien "eine einzige Katastrophe". So könne man das Vertrauen in den Neuen Markt nicht wiedergewinnen. Qiagen hat bereits sechs Tage in Folge verloren und wird morgen voraussichtlich seine Geschäftszahlen bekannt geben. "Seit mehreren Tagen beobachten wir hier sehr aggressive amerikanische Verkäufer", sagte ein Händler in Frankfurt. Ein anderer Börsianer sagte: "Es schadet dem gesamten Markt, wenn sogar ein so angesehenes Unternehmen in wenigen Tagen um 20 Prozent an Wert verliert."

Die Papiere von Mobilcom   verloren vor dem Hintergrund des Streits zwischen Vorstandschef Gerhard Schmid und der France Telekom 10,7 Prozent und beendeten den Handel bei 15,13 Euro. Vor einer Woche mussten die Anleger noch über 19 Euro für die Mobilcom-Aktie bezahlen.

D.Logistics erholt sich leicht

Die Papiere von D.Logistics   stiegen nach dem 45-Prozent Kurssturz vom Vortag mit hohen Umsätzen um 8,6 Prozent auf 3,28 Euro. "Es ist nicht verwunderlich, dass ein Aktienkurs mit einem Plus reagiert, wenn er zuvor so einbricht", sagte ein Händler. Allerdings glaube kaum ein Börsianer, dass der am Vortag gemeldete Gewinneinbruch die letzte schlechte Nachricht aus dem Unternehmen sei, hieß es.

Die Aktie des Sicherheitssoftware-Programmierers Trintech   sackte um 12,9 Prozent auf 1,35 Euro, nachdem das Unternehmen 2001 die eigenen Umsatzerwartungen verfehlt hatte. Die Papiere des Biotechnologieunternehmens Medigene   sanken um 13,8 Prozent auf 17,50 Euro. Händler machten charttechnische Gründe für den nicht von Nachrichten begleiteten Kursverlust verantwortlich.

Euro schwächer - Nikkei erneut unter 10.000 Punkten

Euro-Kurs gefallen

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs des Euro am Dienstag bei 0,8692 (Montag: 0,8715) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,1505 (1,1474) Euro. Bis zum Handelsschluss in Deutschland legte die Einheitswährung wieder zu und notierte bei 0,8775 Dollar. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6101 (0,6098) Pfund, 116,30 (115,68) Yen und 1,4786 (1,4804) Schweizer Franken fest.

Die Schlussnotierung für Gold betrug am Dienstag in London 298,00 Dollar pro Feinunze.

Nikkei erneut unter 10.000 Punkte

Die Aktienbörse in Tokio hat am Dienstag schwere Verluste erlitten. Ungeachtet verbaler Unterstützung von US-Präsident George W. Bush für die Reformpolitik des japanischen Regierungschefs Junichiro Koizumi stürzte der Nikkei-Index für 225 führende Werte wieder deutlich unter die wichtige Marke von 10.000 Punkten. Zum Schluss notierte das fernöstliche Kursbarometer einen Verlust von 246,09 Punkten oder 2,4 Prozent beim Stand von 9847 Punkten. Der breitere Topix verlor 4,58 Punkte oder 0,5 Prozent auf 959 Punkte.