Börsenschluss: Massive Verluste in Frankfurt - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Massive Verluste in Frankfurt

Die deutschen Aktienmärkte sind deutlich schwächer aus dem Handel gegangen. Vor allem Finanz- und Technologietitel standen auf der Verkaufsliste. Eon hat von einer positiven Meldung der US-Börsenaufsicht SEC profitiert.
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Frankfurt am Main – An einem schwarzen Handelstag konnte der Dax nur mit Mühe die 4500-Punkte-Linie verteidigen. Zum Schlussgong notierte der Leitindex auf 4510 Zählern, ein Minus von 2,1 Prozent. Im Tagesverlauf fiel das Börsenbarometer bis auf 4480 Punkte ab. Deutlich schwächer präsentierten sich auch die Nebenwerte. Der MDax sackte um 1,3 Prozent auf 4169 Punkte ab. Am Neuen Markt testete der Nemax 50 die Tiefststände vom September vergangenen Jahres und ging 4,2 Prozent leichter aus dem Handel auf 682 Punkten. Händler begründeten die Börsenschwäche mit der Furcht vor neuen Terrorakten. "Aber auch dies rechtfertigt einen solchen Absturz nicht", sagte ein Frankfurter Händler.

In den USA präsentierten sich die Börsen sehr schwankungsanfällig. Nach einem Abrutschen im Mittagshandel erholte sich die Wall Street kurzfristig wieder. Zum Handelsschluss in Frankfurt notierte der Dow Jones auf 9558 Punkten, ein Plus von 0,4 Prozent. Die Nasdaq kletterte um 0,7 Prozent auf 1506 Zähler. Im weiteren Verlauf rutschten die Indizes jedoch wieder ins Minus, nachdem die US-Notenbank Federal Reserve ihren monatlichen Konjunkturbericht (Beige Book) vorgelegt hatte. Demnach ist die US-Wirtschaft Ende April und Anfang Mai moderat gewachsen. Während einige Sektoren eine Verbesserung verzeichnet hätten, sei das Wachstum in anderen schwach geblieben, hieß es.

Beherrschendes Thema im späten Dax-Handel war MLP   . Börsianer verwiesen auf einen Vorabbericht des Anlegermagazins "Börse Online", wonach Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen des Finanzdienstleisters aufgetaucht sein sollen. "Einiges deutet darauf hin, dass MLP in den Jahren 2000 und 2001 deutlich zu hohe Gewinne ausgewiesen haben könnte." MLP soll dem Artikel zufolge Beraterprovisionen nicht periodengerecht gegen "sonstige Vermögensgegenstände" verbucht haben. Eine Stellungnahme dazu war von MLP zunächst nicht erhältlich. Die Aktien gingen mit einem Abschlag von 15,3 Prozent auf 33,29 Euro aus der Sitzung.

Tagesgewinner im Dax war die Aktie von Eon   , die sich um annähernd zwei Prozent auf 56,80 Euro verteuerte. Der Aufstieg von Eon zum größten privaten Energiedienstleister der Welt ist perfekt. Der Düsseldorfer Konzern erhielt am Mittwoch grünes Licht von der US-Börsenaufsicht SEC für die Übernahme des britisches Energieversorgers Powergen und dessen US-Tochterunternehmen LG&E. Damit seien alle Voraussetzungen für den Abschluss des Übernahmeverfahrens in Großbritannien erfüllt, teilte Eon mit. Früheren Angaben zufolge beträgt der Kaufpreis für alle Anteile an Powergen 8,2 Milliarden Euro. Einschließlich der Verbindlichkeiten seien es 15,3 Milliarden Euro.

Schwergewichte lasten auf dem Dax

Besonders die schwergewichtigen Versicherungswerte belasteten mit Kursabschlägen den Gesamtmarkt. Münchener Rück   büßten 4,7 Prozent auf 224,52 Euro ein, Allianz   fielen um 2,7 Prozent auf 219 Euro. Marktteilnehmer begründeten die Kursverluste mit der Aktienmarktschwäche. "Die fallenden Aktienmärkte drücken auf die Renditen bei den Lebensversicherungen und je weiter der Markt fällt, desto mehr verlieren auch die Versicherer", hieß es. Zudem stand die Allianz am Tag der Hauptversammlung in der Kritik der Aktionärsschützer. Zwar sei das Modell eines integrierten Finanzdienstleisters grundsätzlich plausibel, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW). Auf den Aktienkurs habe sich dies jedoch bislang "nur negativ" ausgewirkt. Auch Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) hob hervor, dass sich der Kurs der Allianz-Aktie nach der Transaktion schlechter als der Branchendurchschnitt entwickelt habe. Deshalb stelle sich die Frage, ob die Übernahme der richtige Schritt gewesen sei und ob dafür ein angemessener Preis gezahlt wurde. In der Dresdner Bank seien "die Probleme des Bankgewerbes ganz besonders kumuliert", meinte Schneider.

Nach enttäuschenden Nachrichten aus dem amerikanischen Technologiesektor gerieten auch die Technologiewerte unter Druck, allen voran die Papiere des Softwarekonzerns SAP   . Marktteilnehmer verwiesen auf einen enttäuschenden Geschäftsausblick des US-Softwarekonzern Siebel Systems. Der Konzern hatte am Vorabend erklärt, das laufende Quartal verlaufe so schwierig wie das Vorquartal, das Siebel damals als "eines der schlechtesten Quartale überhaupt" bezeichnet hatte. SAP-Papiere gaben um 4,2 Prozent auf 107,49 Euro nach, Epcos   verloren 2,5 Prozent und Siemens   fielen um 3,6 Prozent.

Die Anteilsscheine von Infineon   gaben um knapp sechs Prozent auf 15,66 Euro nach, nachdem der schwedische Mobilfunkhersteller Ericsson vorbehaltlich der kartellrechtlichen Zustimmung seine Mikroelektroniksparte für 400 Millionen Euro an Infineon verkaufen will. "In dieser Marktlage wird der Deal nicht positiv aufgenommen", sagte Analyst Rüdiger Kühnle von der Baden-Württembergischen Bank.

Mobilcom-Streit eskaliert - Euro etwas stärker

Mobilcom-Streit eskaliert

Am Neuen Markt haben Mobilcom-Aktien   einen Teil ihrer Verluste wieder abgebaut, schlossen aber immer noch mehr als 15 Prozent leichter bei 6,14 Euro. Im Tagesverlauf wurde ein Tiefstand von 5,35 Euro markiert. Es gebe noch viele Fragezeichen zur Zukunft des Unternehmens, sagte ein Händler. Deswegen bleibe die Unsicherheit im Markt und die Aktie stark volatil. Am Dienstag hatte der Großaktionär France Télécom   ihren Kooperationsvertrag mit Mobilcom zum Aufbau des UMTS-Netzes gekündigt. Mobilcom teilte mit, es gebe dafür keine rechtliche Grundlage. Die Mobilcom-Aktie war gestern bereits um annähernd 50 Prozent eingebrochen. Ob die von den Franzosen angestrengte Trennung gelingt, ist unter Experten umstritten - Mobilcom will die Trennung rechtlich prüfen lassen.

Die Aktie von France Télécom   hat die nach Aufkündigung der Kooperation erzielten Kursgewinne vom Vortag teilweise wieder abgegeben. Der Kurs verlor an der Pariser Börse zuletzt knapp sechs Prozent. Der Anstieg der France-Télécom-Aktie am Vortag um 8,27 Prozent nach Bekanntgabe der Vertragskündigung sei für Gewinnmitnahmen genutzt worden, hieß es am Markt. Die Aktie des hochverschuldeten französischen Konzerns hat seit Jahresanfang mehr als 60 Prozent ihres Werts verloren. Der Druck auf die Telekommunikations- und Technologiewerte wird nach Auffassung von Analysten in Paris andauern. Überwiegend wurde die Entscheidung der France Télécom positiv bewertet. "France Télécom hat endlich Konsequenzen gezogen", erklärte ein Analyst. Ohne Hilfe der Franzosen könne Mobilcom die im Juli fällig werdenden Kredite über 4,7 Milliarden Euro nicht bedienen. Vom Maklerhaus Fideuram Wargny hieß es, "die Karte eines möglichen Konkurses (von Mobilcom) scheint nun unabänderlich ins Spiel gebracht".

US-Vorgaben belasten Nikkei

Die Aktienbörse in Tokio hat am Mittwoch schwach geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte büßte 1,1 Prozent auf 11.327 Punkte ein. Der breiter gefasste Topix gab um 0,7 Prozent auf 1093 Zähler nach.

Die Stimmung für japanische Aktien sei aber trotz der Kursverluste gut, sagte Akira Nakamura von Chuo Securities. Er sah den Grund für die schwache Sitzung in dem Verfall von Optionen am Freitag. Bis dahin könne der Nikkei 225 auf 11.000 Punkte sinken. Danach rechnet er aber wieder mit steigenden Kursen.

Autowerte notierten uneinheitlich. Der Yen-Kurs zum Dollar bringe nur ausgewählten Titeln einen Aufschwung. So verteuerten sich Honda um 40 auf 5380 Yen, Hino Motors notierten mit 376 Yen um elf Yen leichter. Toyota gaben dagegen 20 auf 3230 Yen ab.

Geschwächt durch den Kursrutsch von Techwerte an der Wall Street wurden auch japanischen Technologietitel verkauft. Rohm verloren 470 Yen auf 17.820 Yen, TDK gaben 200 Yen ab auf 6240 Yen. Chipwerte gingen den gleichen Weg nach unten. Fujitsu sanken um 14 auf 886 Yen, Oki Electric schlossen um zehn Yen leichter bei 273 Yen. Hitachi verloren sieben Yen auf 860. Nach dem Verfallstag werde sich die Stimmung wieder zugunsten der Techwerte drehen, zeigt sich Akira Nakamura sicher.

Kurs des Euro gestiegen

Der Kurs präsentierte sich am Mittwoch wieder stärker. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9452 (Dienstag: 0,9417) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0580 (1,0619) Euro. Bis 20 Uhr verlor die Einheitswährung wieder minimal auf 0,9441 Dollar.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6431 (0,6430) Pfund, 118,73 (118,14) Yen und 1,4774 (1,4752) Schweizer Franken fest.