Börsenschluss: Massive Verluste in Frankfurt - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Massive Verluste in Frankfurt

Eine Flut schlechter Nachrichten hat den deutschen Aktienmarkt in die Knie gezwungen. Finanz- und Technologiewerte gehörten zu den größten Verlierern.
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Frankfurt am Main - Verkäufe auf breiter Front haben am Mittwoch den Aktienhandel in Frankfurt bestimmt. Zunächst belastete die Umsatzwarnung des kanadischen Netzwerkausrüsters Nortel Networks   das Geschäft. Der Ifo-Geschäftsklima-Index zeigte am Vormittag, dass sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft zum dritten Mal in Folge verschlechtert hat. Damit boten sich den Börsianern Gründe genug, Aktien zu verkaufen. Als schließlich die amerikanischen Börsen ebenfalls abrutschten, gaben die Kurse hier zu Lande weiter nach.

Der Dax sank unter die Marke von 3700 Punkten und verlor bis Handelsende um 4,4 Prozent auf 3682 Punkte. Diese Schwelle gilt unter Börsianern als Gradmesser dafür, ob der Dax seine jüngste Erholung fortsetzen kann oder nicht. Der MDax gab um 1,4 Prozent ab und ging auf 3422 Zählern aus dem Handel. Am Neuen Markt büßte der Nemax 50 auf 501 Punkte ein, ein Minus von 3,9 Prozent.

Der unerwartet deutlich gefallene Ifo-Index deutet nach Einschätzung der Commerzbank auf eine schwache deutsche Konjunktur im Winterhalbjahr hin. Mit einem weiteren deutlichen Einbruch sei gleichwohl nicht zu rechnen, hieß es. "Der Gegenwind für die deutsche Wirtschaft wird stärker", sagte der Volkswirt Bernd Weidensteiner von der DZ Bank. Es müsse jedoch abgewartet werden, ob es durch die Jahrhundertflut in Ostdeutschland verzerrende Effekte gegeben habe. Die Technologiewerte hätten unterdessen im Sog der schwachen US-Börsen gestanden, fügte der Händler Frank Albrecht von M.M. Warburg hinzu.

In den USA notierte der Dow Jones zum Handelsschluss in Frankfurt auf 8695 Punkten, einem Minus von 1,5 Prozent. Der Nasdaq gab um 1,5 Prozent auf 1327 Zähler nach.

Der drohende US-Militärschlag gegen den Irak belaste die Aktien zusätzlich, sagten Händler. Die Nervosität an den Finanzmärkten lasse sich am steigenden Ölpreis ablesen. Der Terminkontrakt auf die führende europäische Marke Brent ist seit Mitte August um zehn Prozent gestiegen. Die Kriegssorgen belasteten auch den Dollar, hieß es weiter.

MAN trotzt dem Abwärtssog

Die Abwärtsbewegung im Dax erfasste nahezu alle Werte und sämtliche Branchen. Nur MAN   und ThyssenKrupp   stemmten sich mit leichten Kursgewinnen dagegen. Die MAN-Anteilsscheine verteuerten sich um 0,5 Prozent auf 20,58 Euro und führten damit die Gewinnerliste an. Am Dienstag hatte der Münchener Konzern gemeldet, dass 83,5 Prozent der Vorzugsaktionäre das Angebot zur Umwandlung ihrer Aktien in Stammaktien angenommen haben. Diese neuen Stammaktien sollen ab dem 2. September in den Börsenhandel einbezogen werden. Die Börse reagierte positiv auf die Nachricht, da die Aktie künftig eine stärkere Gewichtung im Leitindex haben wird. Die ThyssenKrupp-Aktie legte minimal auf 13,72 Euro zu.

Finanzwerte mit massiven Verlusten

Die Aktie des Finanzdienstleisters MLP   erholte sich nach einem Einbruch von mehr als 17 Prozent am Morgen, blieb aber im unteren Dax-Drittel und war zum Schlussgong mit 15,85 Euro rund 3,2 Prozent weniger wert als am Vortag. Das Oberlandesgericht Karlsruhe hatte eine Klage gegen MLP abgewiesen. Zwei Aktionärinnen wollten einen Hauptversammlungsbeschluss vom November 2000 für nichtig erklären lassen.

"Ein ganz gutes Zeichen für MLP", sagte ein Händler. Mittlerweile hätten mehrere Wirtschaftsprüfer die Bilanzen bestätigt. Deshalb sei nicht von weiteren Enthüllungen auszugehen. Auch die anderen Finanztitel im Dax waren sehr schwach. Deutsche-Bank-Titel   verloren 4,7 Prozent auf 62,25 Euro und die Commerzbank-Aktie   sank um 2,9 Prozent auf 11,42 Euro. Die Anteilsscheine der HypoVereinsbank   verbilligten sich um 5,8 Prozent auf 22,32 Euro.

Die größten Verluste im Dax erlitten die beiden Versicherungskonzerne Münchener Rück   und Allianz  . Die Aktien verloren jeweils um 6,7 Prozent auf 183,20 Euro beziehungsweise um 7,1 Prozent auf 135,50 Euro.

Technologietitel rutschen ab

Technologiewerte verloren zwischen 6,2 und 3,5 Prozent. Sie wurden von mehreren Nachrichten belastet. Zum einen hatte der kanadische Netzwerkausrüster Nortel Networks eine Umsatzwarnung herausgegeben. Zum anderen kündigte Siemens   an, dass 400 Stellen in der Energieerzeugung in Newcastle gestrichen werden. Am Vortag hatte es bei den Münchenern geheißen, in der Mobilfunksparte würden weitere 900 folgen - bis dato war von 4600 weniger Arbeitsplätzen in diesem Geschäftsfeld die Rede gewesen.

Gerüchte, dass ein großes Aktienpaket von DaimlerChrysler   am Markt platziert werde, drückten den Kurs der Automobilherstellers um sechs Prozent auf 43,30 Euro. Gemunkelt werde, dass die Deutsche Bank, die rund zwölf Prozent an DaimlerChrysler hält, den Anteil zurückfahre. "Vor der Bundestagswahl wäre das nicht so dumm", sagte ein Händler. Danach müssen möglicherweise wieder Steuern auf Beteiligungsverkäufe gezahlt werden. Auf dem derzeitigen Niveau hielt der Marktteilnehmer einen Verkauf für unwahrscheinlich.

Beate Uhse nach Zahlen im Plus, Zocker spielen am Neuen Markt, Euro im Aufwind

Beate Uhse bestätigt Prognosen

Der Aktienkurs des im MDax notierten Erotikkonzerns Beate Uhse   kletterte nach Vorlage der Geschäftszahlen um 6,6 Prozent auf 9,65 Euro. Das Flensburger Unternehmen hat im ersten Halbjahr trotz anhaltender Konjunkturflaute seinen Überschuss kräftig gesteigert hat. "Sex sells - Dass diese Branche nicht erst seit gestern krisensicher ist, war ja bekannt", sagte ein Frankfurter Händler. Die Zahlen seien sehr erfreulich gewesen, insbesondere bei der derzeit schwierigen Situation im Einzelhandel.

Der Sex-Shop-Betreiber hat im ersten Halbjahr 2002 seinen Überschuss im Vergleich zum Vorjahr von 2,9 Millionen auf 4,2 Millionen Euro gesteigert. Der Umsatz kletterte von 105 Millionen auf 119,3 Millionen Euro. "Entscheidend war jedoch die bestätigte Prognose für das Gesamtjahr, wonach Beate Uhse einen Vorsteuergewinn (EBT) von 17 Millionen Euro erzielen will", sagte der Händler.

Tauziehen bei Mobilcom

Die am Neuen Markt notierte Aktie von Mobilcom   ging auf 6,50 Euro aus dem Handel, ein Plus von vier Prozent. Das Büdelsdorfer Telekommunikationsunternehmen verklagt die Millenium GmbH auf Rückzahlung von 70,9 Millionen Euro. Diese Summe habe Mobilcom als Prämie für ein Aktienoptionsprogramm gezahlt. Hinter der Millenium GmbH steht Sybille Schmid-Sindram, die Ehefrau des ehemaligen Mobilcom-Vorstandsvorsitzenden Gerhard Schmid. Laut Mobilcom hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO in einem Gutachten vom Mai 2002 im Rahmen des Optionsgeschäfts mehrere Gesetzverstöße von Schmid festgestellt.

Neben Mobilcom stand mit EM.TV   eine weitere Zockeraktie im Blickpunkt der Investoren. Die Anteilsscheine verteuerten sich um 1,8 Prozent auf 1,15 Euro. "Am Neuen Markt toben sich nur noch die Zocker aus, langfristige Anleger sind längst weg", kommentierte ein Händler das Geschehen am ehemaligen "Wachstumssegment" der Deutschen Börse.

Tokio: Chiphersteller mit Verlusten

Die Börse in Tokio hat am Mittwoch schwach geendet. Belastet von Abgaben bei Chipwerten fiel der Nikkei-Index für 225 führende Aktien um 140,57 Punkte oder 1,4 Prozent auf den Schlussstand von 9766 Punkten. Der breit angelegte Topix gab um 8,92 Punkte oder 0,9 Prozent nach und endete mit 953 Zählern.

Aktien der Chiphersteller litten unter einer Äußerung von Intel-Chef Craig Barrett. Der Topmanager des weltgrößten Mikroprozessoren-Herstellers hatte sich tags zuvor pessimistisch zur erhofften Erholung der Computer- und Chip-Branche geäußert. Barrett rechnet auch im kommenden Weihnachtsgeschäft nicht mit positiven Impulsen. NEC   verloren 17 Yen auf 651 Yen. Hitachi   fielen um 20 Yen auf 661 Yen und Toshiba   gaben 16 Yen auf 413 Yen ab.

Auch Technologiewerte verbuchten Verluste. Rohm   fielen um 510 Yen auf 15.890 Yen. Kyocera   gaben 240 Yen auf 8540 Yen ab und TDK   verbilligten sich um 280 Yen auf 5500 Yen.

Unter dem Druck steigenden Yen gaben Autoaktien nach. Honda   fielen um 130 Yen auf 5030 Yen. Toyota   sanken um 35 Yen und 2995 Yen und Nissan   gaben zwölf Yen auf 876 Yen ab.

Euro steigt über 0,98-Dollar-Marke

Der Kurs des Euro ist am Mittwoch gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,9826 (Dienstag: 0,9774) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0177 (1,0231) Euro. Um 20 Uhr kostete die Einheitswährung in Frankfurt 0,9804 Dollar.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6394 (0,6400) Pfund, 116,02 (115,46) Yen und 1,4706 (1,4697) Schweizer Franken fest.