Börsenschluss: Nemax 50 auf Allzeittief - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Nemax 50 auf Allzeittief

Die deutschen Aktienmärkte sind mit massiven Verlusten aus dem Handel gegangen. Der Dax schrammte nur knapp an der 5000-Punkte-Marke vorbei. Der Nemax-50 notierte so niedrig wie nie zuvor.
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Frankfurt am Main - Der Dax schloss rund drei Prozent schwächer bei 5048 Punkten, nachdem er kurzzeitig auf 5028 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit August 1999 gefallen war. Am Neuen Markt markierte der Nemax 50 im Verlauf abermals ein neues Rekordtief bei 976 Punkten und schloss um 4,3 Prozent schwächer bei 988 Punkten. Der Nemax All Share fiel auf ein neues Jahrestief bei 1013 Punkten und ging bei 1020 Zählern aus dem Handel.

In den USA verringerten die Aktienmärkte ihre frühen Verluste ein wenig. Der Dow Jones notierte zum Handelsschluss in Deutschland bei 9939 Punkten, ein Minus von 0,6 Prozent. Die Nasdaq gab 1,6 Prozent auf 1743 Zähler nach.

Die Börsen in New York und Frankfurt waren am Mittwoch im Griff der Analysten. Die Blue Chips der Telekom- und Technologiebranche wurden von den Aktienexperten gleich reihenweise herabgestuft. Die Halbleiterhersteller hätten sich zudem schlecht entwickelt, und es gebe keine Anzeichen, dass sich die Branche angesichts der bestehenden Überkapazität erholen werde, hieß es. Zudem lieferte Alcatel einen verhaltenen Geschäftsausblick. Der französische Telekomausrüster hatte mitgeteilt, für 2001 ein positives operatives Ergebnis anzustreben. Allerdings bezeichnete Alcatel-Chef Serge Tchuruk das Jahr als Herausforderung, was an allen europäischen Börsen vor allem im Technologiesektor für Verkaufsdruck sorgte.

Und für den morgigen Handelstag werden wieder schlechte Nachrichten erwartet: Dan Niles, Analyst von Lehman Brothers, befürchtet, der Chipriese Intel   werde am Donnerstag seine Umsatzprognose nach unten korrigieren.

Nur Volkswagen im Vorwärtsgang

Nur ein einzelner Dax-Wert konnte sich mit einem deutlichen Plus aus dem Handel verabschieden. Die Aktie von Volkswagen   kletterte um 1,6 Prozent auf 50,19 Euro. Die Wolfsburger profitierten von guten Absatzzahlen in den USA. Auf dem wichtigen Auslandsmarkt konnten im August 13 Prozent mehr Fahrzeuge verkauft werden. Auch BMW   und Mercedes Benz legten zu, allerdings litt DaimlerChrysler   unter der Flaute bei der Sparte Chrysler. Während die Aktie der Münchener nahezu unverändert bei 37 Euro notierte, schloss die DaimlerChrysler-Aktie rund 1,8 Prozent schwächer auf 47,86 Euro.

Die Aktie des Chipherstellers Infineon   war mit einem Verlust von 8,1 Prozent auf 24,05 Euro schwächster Wert im Dax. Auch die Titel von Siemens   (minus 6,9 Prozent auf 53 Euro) und Epcos   (minus 3,9 Prozent auf 41,95 Euro) präsentierten sich sehr schwach. SAP   -Titel verbilligten sich um 3,5 Prozent auf 140,16 Euro, obwohl CEO Hasso Plattner Gerüchten über eine Gewinnwarnung mit der Aussage entgegnete, die Softwareschmiede baue ihre Marktanteile noch aus.

Die T-Aktie   gab 3,9 Prozent auf 15,85 Euro nach. Die Aktie war zeitweise auf ein neues Dreijahrestief gefallen, obwohl Konzernchef Ron Sommer ein äußerst optimistisches neues Kursziel ausgegeben hat. Händler und Analysten führten die Kursverluste auf die nach wie vor im Markt herrschende Sorge über einen massiven Rückfluss von T-Aktien seitens ehemaliger Aktionäre des größtenteils per Aktientausch übernommenen US-Mobilfunkers Voicestream zurück. Am Samstag war eine Haltefrist für einen Teil der Aktien abgelaufen.

Auch die Finanzwerte konnten sich dem Sog nicht entziehen: Die Allianz   -Aktie gab um mehr als vier Prozent nach und rutschte auf 291,40 Euro, Deutsche Bank   -Titel schlossen bei 74 Euro. Der Finanzdienstleister MLP   gehörte mit einem Abschlag von vier Prozent erneut zu den Topverlierern im Dax.

Neuer Markt: Zocker spielen mit Primacom

Im Nemax 50 war die Aktie des Netzbetreibers PrimaCom   mit einem Minus von über 22 Prozent größter Verlierer. Am Vortag noch hatte Primacom mit einem Plus von 50 Prozent davon profitiert, dass der US-Riese Liberty Media das Unternehmen eventuell übernimmt. Die Titel des Index-Schwergewichts T-Online   gaben 2,6 Prozent auf 7,12 Euro nach: Goldman Sachs hat nicht nur für Nokia, sondern auch für T-Online die Gewinnprognose reduziert.

Die Papiere des Softwareunternehmens Intershop   gaben mehr als elf Prozent auf 1,83 Euro nach. Am Vormittag hatten die Analysten der Banc of America mitgeteilt, ihr Kursziel auf 1,50 Euro halbiert zu haben. Die Entscheidung spiegele die sich verschlechternde Branchensituation wider, begründeten die Analysten den Schritt und empfahlen die Aktie weiter mit "Underperform". Die Intershop-Aktie war im Handelsverlauf auf ein Jahrestief von 1,76 Euro gefallen.

Das Softwareunternehmen Ixos   profitierte nach Händlermeinung von der Ankündigung eines Aktienrückkaufprogramms. Das Unternehmen will 40.000 der 19 Millionen ausgegebenen Aktien über die Börse zurückkaufen. Der Anteilsschein legte um ein Prozent auf 6,10 Euro zu.

Kurs des Euro weiter gefallen

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,8891 (Dienstag: 0,8970) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1998 (2,1804) Mark. Gegen Handelsschluss in Frankfurt notierte der Euro bei 0,8889 Dollar.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6148 (0,6197) Pfund, 106,93 (107,10) Yen und 1,5101 (1,5151) Schweizer Franken fest.