Börsenschluss Nemax bleibt in Fahrt
Frankfurt am Main - Der Dax ging mit einem leichten Minus von 0,4 Prozent auf 5835 Punkten aus dem Handel. Am Neuen Markt knüpfte der Nemax 50 an die freundliche Tendenz der Vortage an und gewann 1,2 Prozent auf 1281 Zähler.
In New York hielten sich die Börsen bis zum Handelsschluss in Deutschland weiter im grünen Bereich, verloren aber leicht zu ihren Höchstständen vom Vormittag. Der Dow Jones notierte mit 0,3 Prozent im Plus auf 10.549 Punkten, die Nasdaq kletterte auf 2066 Zähler, ein Plus von 1,9 Prozent.
Zuvor wurden im Handelsverlauf erneut schwache US-Konjunkturdaten veröffentlicht. Der NAPM-Einkaufsmanager fiel gegenüber dem Vormonat unerwartet stark von 44,7 Punkte auf 43,6 Punkte. Erst am Mittwoch hatten enttäuschende Zahlen zum Verbrauchervertrauen ein düsteres Bild der US-Wirtschaft gezeichnet.
In New York und Frankfurt legten vor allem Titel aus der Halbleiterbranche kräftig zu, nachdem die US-Investmentbank Merrill Lynch den Sektor hochgestuft hatte. "Die ganze Branche ist jetzt gesucht", sagte ein Händler.
Größter Gewinner im Dax war die Aktie von Epcos, die knapp 3,7 Prozent auf 55,05 Euro zulegte. Infineon-Titel verteuerten sich um 2,6 Prozent auf 30,20 Euro. Auch die Konzernmutter Siemens präsentierte sich freundlich. Das Papier schloss mit 64,50 Euro rund 0,2 Prozent fester. Von dem Höhenflug der Halbleiterwerte wurde auch die SAP-Aktie erfasst, die bei 170 Euro rund 2,4 Prozent fester aus dem Handel ging.
Beherrschendes Thema auf dem Parkett in Frankfurt waren die am Morgen vorgelegten Geschäftszahlen der Deutschen Bank. Das Zahlenwerk ist am Markt eher negativ aufgenommen worden, die Aktie verlor 2,8 Prozent auf 77,68 Euro. Hauptkritikpunkt an der Bilanz war der Rückgang des Handelsergebnisses um 33,5 Prozent, womit die Erwartungen der Analysten nicht erfüllt wurden. Zudem erklärten Börsianer, dass das Ergebnis geschönt würde durch den steuerfreien Verkauf der Münchener Rück-Anteile, der immerhin mit rund einer Milliarde Euro zu Buche schlagen würde.
Vorstandssprecher Rolf-E. Breuer selbst räumte ein Kostenproblem ein. Breuer sagte, unter Hochrechnung des Verwaltungsaufwands im ersten und zweiten Quartal von jeweils rund 5,5 Milliarden Euro erhalte man einen Jahresbetrag von 22,2 Milliarden Euro. "Das ist das Problem", das sich auch im Aktienkurs des Instituts ausdrücke, gestand Breuer ein. Markbeobachter bemängelten, dass der Branchenprimus derzeit offenbar kein schlüssigen Konzept zur Kostensenkung vorweisen könne.
Einen Satz nach vorn machten dagegen die Papiere der Commerzbank (plus 1,5 Prozent auf 26,54 Euro), nachdem Deutsche-Bank-Chef Breuer erklärt hatte, er schließe neue Gespräche über eine Zusammenarbeit mit der Commerzbank nicht aus.
Allianz-Papiere schafften den Sprung in die Gewinnzone und gewannen 0,2 Prozent auf 321,50 Euro. Das renommierte Investmenthaus Goldman Sachs hat die Aktie auf ihre Empfehlungsliste genommen und erwartet nach der Übernahme der Dresdner Bank stark steigende Gewinne.
Die Papiere der Deutsche Telekom rutschten mit Verlusten von 4,3 Prozent auf 24,36 Euro ans Dax-Ende ab. Bereits am Vortag hatten die Aktien des Konzerns nach Vorlage der Geschäftszahlen rund 1,2 Prozent verloren. Die Deutsche Telekom hatte für das erste Halbjahr einen Verlust von 400 Millionen Euro ausgewiesen. Dem Konzern droht in den nächsten Wochen eine Flut von Klagen frustrierter Aktionäre wegen der umstrittenen Abwertung von Immobilien in Milliardenhöhe. Der Rechtsanwalt Jens-Peter Gieschen kündigte an, er werde bereits am morgigen Donnerstag wegen der Immobilienaffäre beim Landgericht Frankfurt die erste Klage gegen den Bonner Telekommunikationsriesen einreichen.
Neuer Markt weiter auf Erholungskurs
Die Kurse am Neuen Markt stiegen schon den vierten Tag in Folge. Euphorie wollte dennoch nicht aufkommen. Das Rückschlagpotenzial sei immer noch groß, eine erkennbare Trendwende nicht gegeben, hieß es.
Die Papiere des angeschlagenen Software-Unternehmens Brokat setzten sich mit Kursaufschlägen von annähernd 53 Prozent auf 3,41 Euro an die Spitze der Nemax-50-Gewinnerliste. Händler nannten als Grund für den Anstieg einen Bericht der "Wirtschaftswoche". Danach will der britische Mobilfunk-Riese Vodafone in das deutsche Softwareunternehmen investieren. Im Gespräch sei eine Beteiligung sowie eine lebenserhaltende Finanzspritze.
Die Streichung des Pauschaltarifs für den Internet-Zugang über die normale Telefonleitung zahlt sich für T-Online allmählich aus: Die Tochterfirma der Telekom erwirtschaftete im ersten Halbjahr 2001 zwar einen Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 123 Millionen Euro. Die Ertragslage habe sich im zweiten Quartal gegenüber den ersten drei Monaten dieses Jahres aber um 14 Prozent verbessert, teilte die Telekom-Tochter am Morgen mit. Branchenbeobachter hatten deutliche höhere rote Zahlen für den Online-Dienst erwartet. Nach zunächst schwachem Beginn drehte die Aktie ins Plus und schloss knapp über dem Vortagesschluss bei 8,99 Euro.
- manager-magazin.de:Wut und Empörung - das Protokoll der Hauptversammlung von EM.TV
- Börsenschluss in New York
Nach dem Verkauf erster Beteiligungen will der künftige EM.TV-Chef Werner Klatten den angeschlagenen Medienkonzern bei der Sanierung weiter kräftig abspecken. EM.TV benötige Liquidität, sagte Klatten am Mittwoch auf der Hauptversammlung in München. Er deutete an, dass er bei den Beteiligungen an der Formel 1 und der Tele München Gruppe sowie bei der Jim Henson Company ("Muppet-Show") einen Verkauf favorisiere. Danach wäre EM.TV wieder auf das Kerngeschäft reduziert. Klatten bekräftigte, er sei im Gegenzug an der Übernahme unterbewerteter Medientitel interessiert. Die Aktie des angeschlagenen Medienunternehmens rutschte im Handelsverlauf tief ins Minus, reduzierte seine Verluste bis zum Schlussgong aber deutlich (minus 1,4 Prozent bei 3,63 Euro).
Die Papiere der Softwareschmiede Intershop wurden dagegen den letzten Platz im Nemax 50 nicht los und standen mit 15 Prozent auf 3,57 Euro im tiefroten Bereich. Zwar konnte das Unternehmen die Umsätze im zweiten Quartal steigern und die Verluste reduzieren. Doch die Investoren zeigten sich enttäuscht und verkauften das Papier. Ein Händler erklärte: "Die Zahlen waren am unteren Ende der Erwartungen und der Ausblick war auch nicht berauschend."
Kurs des Euro gestiegen
Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,8817 (Dienstag: 0,8755) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,2182 (2,2340) Mark. Gegen Handelsschluss in Frankfurt wurde die Devise mit 0,8807 Dollar gehandelt.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6156 (0,6143) Pfund, 109,85 (109,30) Yen und 1,5106 (1,5102) Schweizer Franken fest.