Börsenschluss: Nemax trotzt Nasdaq - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Nemax trotzt Nasdaq

Eine schwache US-Technologiebörse hat zum Wochenschluss die Papiere der Siemens-Familie belastet. Die offenbar kaum noch abzuwendende Insolvenz der Kirch-Gruppe setzte Bankentitel unter Druck. Am Neuen Markt waren die Aktien von Chipbrokern gefragt.
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Frankfurt am Main – Fallende Kurse an der US-Technologiebörse Nasdaq haben die Kursgewinne am deutschen Aktienmarkt am Freitag im späten Verlauf zunichte gemacht und vor allem Technologie-Aktien belastet. Bankenwerte, allen voran die der HypoVereinsbank, litten unter der offenbar nicht mehr abzuwendenden Insolvenz der Kirch-Gruppe. Im früheren Handelsverlauf hatte eine gestiegene Arbeitslosenquote in den USA noch die Furcht vor schnellen Zinserhöhungen gedämpft und vermehrt zu Käufen am deutschen Markt geführt.

Der Dax verteidigte am Freitag aber immerhin noch ein hauchdünnes Plus von 0,1 Prozent auf 5260 Zähler. Die Wachstumwerte im Nemax 50 beendeten den Handel trotz einer schwachen Nasdaq mit plus 1,5 Prozent auf 979 Zähler. Zum Handelsschluss in Deutschland notierte die Wall Street uneinheitlich. Der Dow Jones notierte mit 0,3 Prozent auf 10.269 Zähler im grünen Bereich. Der Nasdaq Composite fiel um 0,8 Prozent auf 1776 Punkte ab. Dort fielen unter anderem die Aktien des Netzwerkausrüsters Nortel um mehr als zehn Prozent, nachdem die Rating-Agentur Moody's ihre Bonitätseinstufung für das Unternehmen deutlich gesenkt hatte.

Bankenaktien fallen wegen drohender Kich-Insolvenz

Die drohende Insolvenz der KirchMedia warf am Freitag erneut ihre Schatten auf die Banken-Aktien: Stärkster Verlierer war die Aktie der HypoVereinsbank: Das Papier bildete mit einem Minus von rund drei Prozent auf 39,75 Euro das Schlusslicht im Dax. Die Bank ist stark bei dem Münchener Medienunternehmen Leo Kirch engagiert und mit 17 Prozent größter Kreditgeber bei der insolventen Berliner Herlitz AG.

"Die drohende Kirch-Pleite belastet die Aktien der Banken", sagte Metzler-Analyst Johannes Reich. "Im Falle einer Insolvenz kann es zu einer weiteren Abschreibungsnotwendigkeit bei den Banken kommen." Auch psychologisch wäre die Pleite des Medien-Imperiums nicht gut für den Markt. Die Verhandlungen über die Rettung der hoch verschuldeten Kirch-Gruppe sind nach Angaben aus Bankenkreisen gescheitert. Damit gilt eine Insolvenz des Münchener Medienkonzerns Anfang kommender Woche als nahezu sicher.

Auch die Insolvenz des Flugzeughersteller Fairchild Dornier und die möglichen Schadensersatzforderungen wegen Immobiliengeschäften der früheren Hypobank belasteten den Titel, erklärte Konrad Becker, Analyst beim Bankhaus Merck Finck. Die Deutsche Bank   habe ihre Kredite von etwa 700 Millionen Euro mit Anteilen von 40 Prozent am Springer-Verlag besichert, sagte der Analyst. Dieser Anteil sei mehr wert als der Kredit. "Damit ist die Deutsche Bank raus." Das Papier notierte mit 0,82 leichter auf 72,40 Euro. Commerzbank   -Titel verloren 1,22 Prozent auf 20,30 Euro.

Von der Schwäche im US-Technologiesektor zeigten sich auch die deutschen Tech-Werte belastet. Siemens   verloren 0,7 Prozent auf knapp 71 Euro ein. Infineon büßten trotz einer Hochstufung 0,8 Prozent auf 23,65 Euro ein. Epcos fielen um rund ein Prozent und notierten zum Handelsschluss mit knapp 51 Euro.

Die Anteilsscheine von DaimlerChrysler   verteuerten sich um ein Prozent auf 50,50 Euro. Ein Frankfurter Händler sagte, die Aktie des Autoherstellers profitiere von einer angehobenen Gewinnprognose der Investmentbank Merrill Lynch für den US-Konkurrenten General Motors.

Die Allianz   -Gruppe will die restlichen Aktien der Tochter Dresdner Bank im Rahmen eines so genannten "Squeeze Out" erwerben und bietet den Minderheitsaktionären dafür eine Abfindung von 51,50 Euro je Aktie. Der Beschluss zum Ausschluss der Minderheitsaktionäre solle auf der Hauptversammlung der Dresdner Bank am 24. Mai gefasst werden. Allianz-Aktien stiegen um 1,3 Prozent. Dresdner Bank-Papiere erhöhten sich um mehr als sieben Prozent auf 61,64 Euro und schlossen damit die Lücke zu dem Abfindungsangebot.

Die Aktie der Lufthansa schloss mit einem Plus von 1,52 Prozent auf 17,32 Euro, nachdem das US-Transportministerium der engeren Zusammenarbeit der Star-Alliance-Mitglieder United Air Lines und British Midland Airways (bmi) bedingt grünes Licht erteilt hat.

Neuer Markt: Aktien der Chipbroker gefragt

Die Umsätze am Neuen Markt seien - wie schon die ganze Woche - sehr gering, sagten Händler. Vor dem Wochenende wolle sich kaum ein Anleger noch Aktien ins Depot legen, und auch die Unternehmensnachrichten seien dünn gesät. Vor allem Gewinne bei Index-Schwergewichten wie Thiel Logistik  , Qiagen   oder Singulus Technologies  , die mit hohen Umsätzen gehandelt wurden, hatten den Neuen Markt gestützt.

Umsatzspitzenreiter war mit weitem Abstand die Aktie der Thiel Logistik   . Die Aktie kletterte nach tagelanger Talfahrt um 5,86 Prozent auf 15,35 Euro, nachdem bekannt wurde, dass sich der Firmengründer Günther Thiel weitere 100.000 Papiere in sein privates Depot legen will. "Die Aktie ist für mich heute ein spekulativer Kauf und könnte bis 17 Euro hochlaufen", sagte ein Händler einer Bank in Düsseldorf.

Die Aktien der ACG   stiegen nach Verlusten im frühen Handel bis Börsenschluss um 2,46 Prozent auf 5,83 Euro. "Der Wechsel im Vorstand hat die Anleger überhaupt nicht interessiert", kommentierte ein Händler in Düsseldorf den wiederholten Wechsel an der Unternehmensspitze, an die der Gründer Cornelius Boersch zurückgekehrt ist. "Es gibt definitiv keine Probleme bei ACG und wir bleiben auch bei unserer Prognosen, in diesem Jahr profitabel zu werden", sagte Boersch. "Wenn etwas nicht stimmen würde, hätte ich diesen Schritt nicht getan".

Die Papiere des Konkurrenten Ce Consumer   kletterten um 4,73 Prozent auf 7,75 Euro.

Medienaktien reagieren uneinheitlich auf drohende Kirch-Pleite

Die Papiere von EM.TV   verzeichneten Verluste von 7,50 Prozent auf 1,48 Euro. Das am Neuen Markt notierte Medienunternehmen ist über die gemeinsamen Filmrechte an der Filmmarke Junior und über die Formel 1 Beteiligung mit der von Insolvenz bedrohten Kirch-Gruppe verbunden. Allerdings hatte die Aktie am Vortag kräftig zugelegt. Constantin Film   , an der Kirch ebenfalls beteiligt ist, gaben ihre Zugewinne gegenüber Mittag wieder ab und rutschten mit 1,20 Prozent auf 4,89 Euro ins Minus.

Kurs des Euro gefallen

Der Kurs des Euro ist am Freitag gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,8786 (Donnerstag: 0,8818) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,1382 (1,1340) Euro. Zuletzt konnte die Gemeinschaftswährung auf 0,8797 Dollar anziehen.