Börsenschluss: Nur die T-Aktie glänzte - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Nur die T-Aktie glänzte

Dicke Verluste bei Technologiewerten und schwache Konjunkturdaten lasteten am Dienstag auf den deutschen Aktienmärkten. Lediglich eine starke T-Aktie verhinderte Schlimmeres im Dax. An der Wall Street ging es nach Börsenschluss in Frankfurt weiter bergab.
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Frankfurt am Main – Überwiegend schwach ausgefallene Konjunkturdaten und massive Kursverluste der Technologiewerte haben am Dienstag die deutschen Aktienmärkte ins Minus gedrückt. Allerdings verhinderten stark anziehende Titel der Deutsche Telekom   einen noch deutlicheren Rückgang. Die Telekom-Papiere profitierten von Spekulationen über eine Ablösung von Vorstandschef Ron Sommer.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) senkte seine bisherige Wachstumsprognose für 2003 für Deutschland leicht nach unten auf 2,0 Prozent. Auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt verschlechterte sich im Juni, was für die Jahreszeit ungewöhnlich ist. Die mit Spannung erwarteten Vorschläge von US-Präsident George W. Bush zur Verschärfung der Strafen für bestimmte Wirtschaftsdelikte wurden von Börsianern zurückhaltend aufgenommen.

Der Dax schloss am Dienstag 1,6 Prozent schwächer bei 4369 Zählern, während der Auswahlindex des Neuen Marktes Nemax 50 um 1,6 Prozent auf 570 Punkte fiel. Der M-Dax lag unterdessen 0,5 Prozent im Minus bei 3891 Stellen. An der Wall Street tendierte der Dow Jones bei Börsenschluss in Deutschland 0,3 Prozent schwächer bei 9244 Stellen, während der technologielastige Nasdaq-Index ebenfalls um 0,3 Prozent auf 1401 Punkte sank. Bis 21 Uhr setzte sich der Kursverfall fort und dürfte am Mittwoch den Handelsauftakt in Frankfurt belasten. Derweil näherte sich der Euro angesichts anhaltender Sorgen um die Bilanzierungspraktiken von US-Konzernen erneut der Parität zum Dollar an.

Die etwas pessimistischere Konjunkturprognose des DIW habe den Markt nach unten gezogen, sagte ein Händler. "Das will der Markt nicht hören." Daran änderten auch die leicht über den Erwartungen liegenden Zahlen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) nichts, sagten andere Börsianer. Der Saldo der vom ZEW ermittelten Konjunkturerwartungen für Juli sank zwar auf 69,1 Punkte von 69,6 Zählern im Vormonat. Experten hatten jedoch mit einem noch stärkeren Rückgang auf 67,7 Stellen gerechnet.

Die jüngsten Vorschläge des US-Präsidenten Bush zur Verdoppelung der Höchststrafen für bewusste Falschinformationen durch Manager und zur Verbesserungen der Börsenaufsicht bezeichneten Marktteilnehmer als Aktionismus und Augenwischerei. Dadurch werde niemand ernsthaft von Betrügereien abgehalten. Um die in jüngster Zeit bekannt geworden Bilanzmanipulationen dauerhaft zu unterbinden, müsse stattdessen die enge Verflechtung der Unternehmen mit den Investmentbanken aufgelöst werden, hieß es weiter. Ob dies jedoch gelinge, sei sehr zweifelhaft.

T-Aktie schießt nach Spekulationen in die Höhe

Die Technologiewerte wurden Händlern zufolge erneut von Gewinnmitnahmen belastet, die noch von den Kurssteigerungen vom vergangenen Freitag motiviert waren. Der Branchenindex für diesen Sektor im Dax fiel um 4,6 Prozent. Die Aktien des Börsenschwergewichts Siemens   verbilligten sich nach einer Senkung des Kursziels durch die Investmentbank Lehman Brothers auf 50 von 60 Euro um mehr als fünf Prozent auf 59,32 Euro. Damit war allein dieser Titel für einen Verlust des Dax-Barometers von knapp 25 Punkten verantwortlich.

Epcos   schlossen mehr als zwei Prozent leichter. SAP   büßten 4,62 Prozent auf 90,80 Euro ein. Infineon   rutschten nach negativen Analystenkommentaren in den USA zur Halbleiterbranche mit mehr als zwei Prozent auf 16,49 Euro ab.

T-Aktie schießt nach Spekulationen in die Höhe

Die T-Aktie   schloss bei stark überdurchschnittlichen Umsätzen 6,8 Prozent fester bei 11,32 Euro, nachdem sie zuvor in einer Spanne von mehr als zwölf Prozentpunkten geschwankt hatte. Einem Magazinbericht zufolge will Telekom-Chef Sommer am kommenden Montag seinen Rücktritt erklären. Außerdem hieß es aus Kreisen, das Präsidium des Telekom-Aufsichtsrats werde noch im Tagesverlauf bei einer außerordentlichen Sitzung über die Zukunft Sommers beraten.

Zudem hatte ein Pressebericht über einen möglichen Verkauf von Teilbereichen der Sparte T-Systems den Kurs beflügelt. Auch Gerüchte über mögliche neue Käufer für das Kabelnetz des Telekommunikationskonzerns unterstützten die Nachfrage.

Auf den Dax drückten auch die schwächeren Notierungen der Versicherer. Allianz  -Titel gaben rund 2,50 Prozent nach, während Münchener Rück  -Anteile um 1,42 Prozent auf 243 Euro fielen.

Kurz vor Börsenschluss drehte die "Aktie Gelb"   ins Minus und schloss 0,8 Prozent schwächer bei 13,21 Euro. Einem vorab veröffentlichten Zeitungsbericht zufolge muss die Deutsche Post zum Jahreswechsel das Briefporto senken, wodurch Einnahmeausfälle von 1,5 Milliarden Euro bis 2007 zu erwarten seien. Die Portoentscheidung wurde inzwischen aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen bestätigt.

Babcock-Kurs erholt sich – Niedrige Umsätze am Neuen Markt

Babcock-Kurs erholt sich

Im MDax gehörten die Aktien des insolventen Maschinenbaukonzerns Babcock Borsig   zu den größten Gewinnern. Die Papiere kletterten um gut 13 Prozent auf 0,95 Euro. Nach der gescheiterten Sanierung des Maschinenbauers meldete sich mit dem US-Finanzinvestor One Equity Partners (OEP) ein erster Kaufinteressent für einige Unternehmensteile. Nach Börsenschluss teilte der Babcock-Aufsichtsrat mit, Horst Piepenburg zum neuen Vorstandschef und Helmut Balthasar zum neuen Finanzvorstand berufen zu haben.

Geringe Umsätze am Neuen Markt

Händler am Neuen Markt monierten niedrige Umsätze. Das Papier der Telekom-Tochter T-Online   konnte nicht an die Gewinne der T-Aktie anknüpfen. Im allgemein schwachen Markttrend fielen T-Online um 3,15 Prozent auf 7,38 Euro.

Qiagen   war nach einem festen Start ins Minus gerutscht. Die Aktie des Biotechnologieunternehmens hat damit an die Talfahrt der vergangenen Handelstage angeschlossen und fiel zuletzt um weitere 1,30 Prozent auf rund sieben Euro.

Balda deutlich im Plus

Mit einem Plus von rund acht Prozent auf 3,89 Euro gehörte die Aktie des Handy-Zulieferers Balda   zu den stärksten Werten im Nemax 50. Ebenfalls freundlich präsentierten sich Ixos  , IDS Scheer   und Süss Microtec  . Nach weiter sinkenden Umsätzen im zweiten Quartal hatte die Aktie des Herstellers von Fertigungs- und Prüfgeräten am Vortag deutlich verloren.

Die Halbierung der Umsatzprognose des finanziell angeschlagenen Medienunternehmens RTV Family Entertainment   wirkte sich nicht auf den Aktienkurs aus. Die Aktien notierte unverändert auf 0,21 Euro. Nach der Beendigung eines wechselseitigen Abnahmevertrags mit der nordamerikanischen Nelvana hat die Tochtergesellschaft des Verlags Ravensburger ihre Jahresumsatzprognose halbiert. Der Umsatz 2002 werde nun bei rund 30 Millionen statt der bislang avisierten 60 Millionen Euro liegen, teilte RTV am Montag nach Börsenschluss in München mit.

Euro steigt über 99 Cent

Der Kurs des Euro ist weiter gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9930 (Montag: 0,9828) US-Dollar fest. Der Vorwurf der Umsatzmanipulation gegen den Pharmakonzern Merck & Co. hatte bereits am Vortag die Glaubwürdigkeit des amerikanischen Finanzmarktes belastet und den Dollar gedrückt, sagten Händler. Zuletzt wurde der Euro mit 0,9944 Dollar gehandelt.