Börsenschluss Rezessionsangst geht um
Frankfurt am Main Nach schwachen US-Konjunkturdaten haben die deutschen Aktienmärkte am Donnerstag mit Verlusten geschlossen. Auch neue Kriegsängste in Bezug auf den Irak drückten die Märkte, nachdem sich US-Präsident George Bush diesbezüglich alle Optionen offen halten will, sagten Händler.
Massive Kursverluste musste die Aktie von MLP hinnehmen. Händler sagten, die Anleger seien von neuen Vorwürfen eines Anlegermagazins zur MLP-Bilanz verunsichert. Einen starken Kursrückgang verzeichnete zudem die Allianz -Aktie, nachdem der Konzern am Mittwochabend die Gewinnprognose reduziert hatte.
Der Dax gab in einem nervösen Handel in der Spitze mehr als vier Prozent ab, konnte das Minus zuletzt auf 2,5 Prozent oder 3606 Punkte reduzieren. Das Tagestief hatte bei 3545 Punkten gelegen. Der Nemax50 rutschte um 1,4 Prozent auf 536 Zähler ab. Der Euro dagegen gewann deutlich hinzu und notierte gegen 20 Uhr bei 0,9845 Dollar.
Der Dow Jones präsentierte sich zu Handelsschluss in Deutschland nur wenig verändert und notierte mit minus 2,2 Prozent bei 8543 Zählern. Der Index für die US-Technologiebörse, der Nasdaq Composite, gab 2,8 Prozent und fiel unter die Marke von 1300 Zählern.
Schlittern die USA erneut in die Rezession?
Eine ganze Reihe von schlechten US-Konjunkturdaten hatten die Märkte unter Druck gesetzt. In den USA ist der nationale Einkaufsmanager-Index auf knapp über 50 gefallen. Unter dieser Marke wird bereits auf eine anstehende Rezession geschlossen. Mit 2,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat sind auch die US-Bauausgaben im Juni unerwartet stark gesunken. Schlechte Nachrichten gab es ebnso vom Arbeitsmarkt: Die Zahl der wöchentlich Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung ist in der Berichtswoche saisonbereinigt um 20.000 auf 387.000 gestiegen. Volkswirte zeigten sich von dem Anstieg überrascht. Mit Spannung blicken die Märkte nun auf die Arbeitsmarktdaten für den Monat Juli, die am Freitag veröffentlicht werden.
Nach Handelsschluss der Wall Street wurden die Geschäftszahlen des US-Unterhaltungskonzern Walt Disney für das dritte Quartal erwartet. Vor rund einem Monat hatte Disney seine Gewinne aus den Jahren 2000 und 2001 nach oben korrigieren müssen. Zu den "Rechenfehlern" sei es im Zusammenhang mit der Bewertung seiner Internet-Gruppe gekommen, hatte das Unternehmen damals in einem Schreiben an die Börsenaufsicht erklärt.
MLP-Aktien im Sturzflug
Aktien von MLP brechen ein
Die Anteilsscheine der Allianz verloren 4,34 Prozent auf 139 Euro. Am Vorabend hatte die Allianz ihre Gewinnprognose für das Gesamtjahr gesenkt, woraufhin der Aktienkurs bereits um knapp zwölf Prozent eingebrochen war. Händler sagten am Donnerstag, der weitere Kursrückgang sei eine Nachwirkung dieser Prognosesenkung. Außerdem stuften diverse Investmenthäuser wie Goldman Sachs und Merrill Lynch die Allianz-Aktie zurück. Das aktuelle Kursniveau sei aber eine günstige Einstiegsmöglichkeit, gab Analyst Michael Haid von Sal. Oppenheim zu bedenken.
Papiere von MLP stürzten um mehr als 17 Prozent auf 15,59 Euro, den tiefsten Stand seit Ende 1998. Händler führten den Kursverfall auf die Angst der Anleger vor Unstimmigkeiten in der MLP-Bilanz und die Diskussion um den Verbleib im Dax zurück. MLP wies entsprechende Vorwürfe in einem Bericht von "Börse Online" jedoch zurück. Ein Händler sagte: "In einem solchen nervösen Klima halten sich die Investoren nur an die Aktien, von denen sie hundertprozentig überzeugt sind."
Unter starkem Abgabedruck standen auch die Technologiewerte wie Infineon und Siemens , deren Anteilsscheine 7,88 beziehungsweise 5,19 Prozent einbüßten.
Die Papiere von Fresenius Medical Care gaben den dritten Tag in Folge stark ab und verloren 8,50 Prozent auf 31,60 Euro. Goldman Sachs hatte das Papier nach der Gewinnwarnung vom Dienstag nun auf "Marketperformer" von "Outperformer" abgestuft.
Bayer enttäuscht die Märkte
Der Pharmakonzern Bayer hat am Donnerstag einen deutlichen Gewinn- und Umsatzrückgang gemeldet. Der Gewinn ist im zweiten Quartal auf 293 Millionen Euro gesunken. Im Vorjahreszeitraum hatte der Gewinn noch 546 Millionen Euro betragen. Die Aktie legte am Donnerstag eine Berg- und Talfahrt hin und schloss mit Verlusten von 5,75 Prozent auf 23,75 Euro.
Hart erwischte es auch die T-Aktie , die knapp fünf Prozent auf 11,05 Euro nachgab. Das Tagestief markierte das Papier bei 10,75 Euro.
Gegen den schwachen Markttrend legten die Titel der Deutsche Bank knapp ein Prozent auf 58,65 Euro zu. Deutschlands größtes Bankhaus schrieb im zweiten Quartal operativ schwarze Zahlen und profitierte beim Vorsteuerergebnis vor allem vom Verkauf ihrer Beteiligungen an der Münchener Rück und an der Allianz. Die Aktie der Lufthansa setzte am Donnerstag ihren Aufwärtstrend fort, nach die Fluglinie ihre Gewinnprognose am Mittwoch erhöht hatte. Die Aktie gewann 2,30 Prozent auf 12,48 Euro hinzu und zählte damit zu den wenigen Gewinnern im Dax.
Neuer Markt: Mobilcom bricht ein
Mobilcom bricht ein
Am Neuen Markt verzeichneten die Aktien von MobilCom einen zweistelligen Kursverlust: Der Titel gab rund 15 Prozent auf 6,89 Euro ab. Nach einer Entscheidung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) ist die französische Telefongesellschaft France Telecom nicht verpflichtet, ein Übernahmeangebot an die Mobilcom-Aktionäre zu machen.
Die Talfahrt von Aixtron , D.Logistics und Süss Microtec setzte sich fort. Die Aktien verloren zwischen sieben und 13 Prozent. Bei Süss hatte Morgan Stanley am Vortag das Kursziel auf 25 von 40 Euro gesenkt. Zudem rechnen die Analysten nun für das Gesamtjahr mit einem Verlust von 4,2 Millionen Euro, statt mit einem Gewinn von 13,8 Millionen. Die Gewinnvorhersage für 2003 wurde gleichzeitig um zwei Drittel herabgesetzt.
Zu den Gewinnern zählten die Aktien von MediGene . Das Unternehmen hat in den USA zwei Patente auf gentechnisch veränderte Herpes-Viren zur Behandlung von Krebs erhalten. Nach der Veröffentlichung eines im Jahresvergleich deutlich verbesserten Halbjahresergebnisses zogen derweil die Aktien von Teleplan trotz einer Prognosesenkung für das Gesamtjahr um mehr als 38 Prozent auf 5,22 Euro an. Zeitweilig hatten die Kurszuwächse mehr als 50 Prozent betragen.
Euro markiert zeitweilig Vier-Wochen-Tief
Euro markiert zweitweilig Vier-Wochen-Tief
Der Kurs des Euro ist am Donnerstag nach schwächer als erwartet ausgefallenen US-Konjunkturzahlen deutlich gestiegen und hat die Marke von 0,98 US-Dollar überschritten. Die Aussichten für die zukünftige Konjunkturentwicklung der USA hätten sich weiter eingetrübt, sagten Devisenexperten. Um 20.45 Uhr kostete die europäische Gemeinschaftswährung in Frankfurt 0,9840 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor bei 0,9760 (Mittwoch: 0,9783) US-Dollar festgesetzt.
Dabei hatte der Euro am Donnerstag wegen der Unsicherheit über die weitere Konjunkturentwicklung in der Euro-Zone zwischenzeitlich an Boden verloren und ein Vier-Wochen-Tief bei 0,9726 Dollar markiert.