Börsenschluss: SAP auf Erholungskurs - DER SPIEGEL
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Börsenschluss SAP auf Erholungskurs

Die deutschen Aktienmärkte haben den schlechten Konjunkturprognosen getrotzt und deutlich im Plus geschlossen. Die größten Gewinner waren die HypoVereinsbank und SAP.
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Frankfurt am Main – Der Dax ist mit Schwung in die neue Handelswoche gestartet. Der Leitindex schloss am Montag auf 4619 Punkten, ein Plus von 2,3 Prozent. Am Neuen Markt kletterte der Nemax 50 um 2,8 Prozent auf 1025 Zähler.

In den USA hielten sich die Börsen ebenfalls deutlich im grünen Bereich. Der Dow Jones kletterte bis zum Handelsschluss in Frankfurt um 0,8 Prozent auf 9278 Zähler, die Nasdaq legte um 0,9 Prozent auf 1686 Punkte zu.

In Frankfurt hielten sich die Umsätze jedoch in Grenzen. Schon geringe Kaufaufträge hatten einige Werte deutlich nach oben gezogen. Händler zeigten sich erstaunt darüber, dass der Markt die schlechten Nachrichten ignoriert hatte.

So steht die deutsche Wirtschaft nach Ansicht der führenden Wirtschaftsinstitute des Landes "am Rande der Rezession". Der Konjunkturabschwung habe schon vor einem Jahr begonnen, analysierten die sechs Institute in ihrem Herbstgutachten, das am Dienstag in Berlin vorgestellt werden soll.

Auch aus den USA kamen schlechte Nachrichten: Der Ausblick auf die Entwicklung der US-Wirtschaft in den kommenden drei bis sechs Monaten hat sich einem wichtigen Konjunkturindikator zufolge im September eingetrübt. Der Index für die US-Frühindikatoren sei im September 2001 im Vergleich zum Vormonat um 0,5 Prozentpunkte auf 109,2 Indexpunkte gesunken, teilte das private Wirtschaftsforschungsinstitut Conference Board mit. Von Reuters befragte Analysten hatten einen Rückgang um 0,4 Prozent erwartet. Im August war der Index um 0,1 Prozent zurückgegangen.

HypoVereinsbank legt kräftig zu

Gewinner des Tages im Dax war die HypoVereinsbank   . Die Aktie legte um 5,7 Prozent auf 34,99 Euro zu. Offenbar beflügelten Zeitungsberichte den Kurs der Aktie, wonach die Bank am Donnerstag anlässlich der Veröffentlichung der Quartalszahlen ein Kostensenkungsprogramm vorstellen wird.

Die Papiere des Softwareherstellers SAP   kletterten um 4,8 Prozent auf 116,59 Euro. Händler begründeten die Kursgewinne mit einer großen Kauforder. "Offenbar glauben einige Investoren, dass das Papier nach der Umsatzwarnung vom Donnerstag zu sehr abgestraft wurde und steigen nun ein." SAP-Chef Hasso Plattner hatte im Gespräch mit dem "Tagesspiegel" (Montagausgabe) angesichts der schlechten wirtschaftlichen Entwicklung Entlassungen beim größten deutschen Softwarekonzern nicht mehr ausgeschlossen. In der vergangenen Woche hatte SAP parallel zur Vorlage enttäuschender Quartalszahlen seine Umsatz- und Gewinnprognosen für das Geschäftsjahr 2001 nach unten revidiert. Auch die anderen Technologiewerte Infineon   , Epcos   und Siemens   schlossen höher.

Dagegen fielen die BASF-Papiere   nach einer versteckten Gewinnwarnung des Unternehmens um 0,3 Prozent auf 37,90 Euro. Zwischenzeitlich war der Titel auf 35,80 Euro gerutscht. Konzernchef Jürgen Strube hatte gesagt, dass BASF angesichts der eingetrübten konjunkturellen Lage und der Verschärfung der Situation nach den Terroranschlägen in den USA seine selbstgesteckten Gewinnziele bis zum Jahr 2002 nicht mehr werde erfüllen können. Auch Bayer-Papiere   gaben 0,4 Prozent auf 34,45 Euro nach.

Aktien der Lufthansa   verloren 1,7 Prozent auf 11,70 Euro und schlossen damit als Tagesverlierer. Bei der Fluggesellschaft ist in den ersten neun Monaten die Auslastung auf 67,7 Prozent nach 71,9 Prozent in der entsprechenden Vorjahresperiode zurückgegangen.

Neuer Markt behauptet sein Plus

Am Neuen Markt haben die Aktien von Morphosys   ihren Höhenflug fortgesetzt und über 28 Prozent auf 78,99 Euro gewonnen. "Die Hausse nährt die Hausse", sagte ein Händler: "Eine richtige Erklärung habe ich aber auch nicht". Anfänglich hätten einige Fonds erste Positionen aufgebaut und die guten Vorgaben der US-Biotechnologiewerte sei bestimmt auch eine Begründung. "Gekauft wird nicht was gut ist, sondern was alle kaufen", beschrieb ein Händler eine Börsenregel.

Die Gewinnwarnung des Chipkartenbrokers ACG   kam für einige Börsianer nicht überraschend: "Von seinen Prognosen hat das Unternehmen schon einige zurückgenommen", sagte ein Händler. Nach einem schwachen Start drehte die Aktie ins Plus und kletterte sogar um mehr als 1,5 Prozent auf 3,95 Euro. "Der Aktienkurs ist schon so weit unten, dass ACG eigentlich nur noch einen Optionsschein darstellt", begründete ein anderer Händler den Kursgewinn. Professionelle Anleger würden aber schon seit langem "die Finger von der Aktie lassen", hieß es.

Der Komponentenhersteller Balda   hat seine Umsatzerlöse im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 5,4 Prozent auf 40,8 Millionen Euro gesteigert. Wie das Unternehmen am Montag bekannt gab, konnte auch das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 3,2 Millionen Euro im zweiten Quartal auf 3,7 Millionen Euro im dritten Quartal verbessert werden. Das Papier gab im Handelsverlauf einen Teil seiner Gewinne wieder ab, schloss mit acht Euro aber noch mit mehr als sechs Prozent im Plus.

Die Papiere des Biotechnologieunternehmens November stiegen um 37,9 Prozent auf 8,55 Euro. Das Erlanger Unternehmen kann laut Presseberichten seine Technologie jetzt auch zur Bekämpfung von Markenpiraterie einsetzen. "Wir haben die Technologie in der vergangenen Woche auf einer Messe in Amsterdam vorgestellt und eine gute Resonanz gehabt", sagte Vorstandsvorsitzender Wolf M. Bertling zu dpa-AFX.

Die Aktien des Softwareanbieters WapMe Systems verloren unter hohen Umsätzen rund 60 Prozent ihres Wertes und notierten auf 4,50 Euro. Mitte September hatten die Titel auf einem Jahrestief bei drei Euro notiert und waren durch Übernahmegerüchte bis auf 22,49 Euro getrieben worden. "Wer bei solchen Werten, dann doch Geld verliert, den kann ich nicht bemitleiden", sagte ein Händler.

Kurs des Euro gefallen

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs des Euro auf 0,8969 (Freitag: 0,9009) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2, 1807 (2,1710) Mark. Gegen Handelsschluss in Frankfurt kostete die Gemeinschaftswährung 0,8918 Dollar.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6270 (0,6249) Pfund, 109,18 (109,10) Yen und 1,4754 (1,4777) Schweizer Franken fest.