Börsenschluss: Schwacher Wochenausklang - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Schwacher Wochenausklang

Die Arbeitsmarktdaten aus den USA hielten die Aktienmärkte in Bewegung. Obwohl die Zahl der Erwerbslosen fiel, verloren die Börsen deutlich. Der Grund: Die US-Notenbank könnte jetzt auf Zinssenkungen verzichten.
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Frankfurt am Main – Die Talfahrt an den deutschen Börsen beschleunigte sich zum Handelsschluss. Der Dax ging mit einem Minus von 0,7 Prozent auf 5735 Punkten ins Wochenende. Am frühen Nachmittag notierte der Blue-Chip-Index noch mit 5808 Zählern im Plus. Am Neuen Markt gab der Nemax 50 ganze 3,2 Prozent auf 1220 Zähler nach.

In New York tendierten die Börsen zum Wochenschluss ebenfalls schwächer. Der Dow Jones verlor bis zum Handelsschluss in Deutschland 0,9 Prozent auf 10.456 Punkte. Die Nasdaq gab 1,6 Prozent auf 2055 Zähler nach.

Die vor Handelsbeginn veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten haben die Zinsfantasie an der Wall Street gedämpft, sagten Börsianer. Die Daten seien zwar besser als erwartet ausgefallen, einige Investoren erwarteten aber auch offenbar eine weniger aggressive Zinssenkungspolitik der US-Notenbank. "Oberflächlich betrachtet, ist der Bericht besser als erwartet. Aber einige Leute könnten genauer hinschauen und denken, dass die Fed nicht mehr 50 Basispunkte senkt sondern nur 25", sagte Peter Cardillo, Director of Research bei Westfalia Investments. "Das könnte der Grund sein, warum wir momentan nicht so stark aussehen."

Die Zahl der Beschäftigten in den USA ist im Juli um 43.000 zurück gegangen, erwartet war ein Rückgang um 50.000. Die Arbeitslosenquote beträgt 4,5 Prozent und ist damit geringer als die erwarteten 4,7 Prozent. Damit sind die Konjunkturdaten in dieser Woche erstmals besser als erwartet: Die schwachen Auftragseingänge der US-Industrie hatten am Donnerstag die Märkte belastet.

Im Mittelpunkt des Interesses in Frankfurt standen wieder die Technologiewerte, die deutlich unter Druck standen. "Die sind ja total überkauft", sagte Frank Albrecht, Händler bei M.M. Warburg in Hamburg. Einige Werte hätten zudem in den vergangenen Tagen über 20 Prozent zugelegt. "Da ist eine Abkühlung mehr als angesagt."

Größter Verlierer im Dax war die Aktie von Infineon, die 4,4 Prozent auf 28,40 Euro verlor. Eine negative Analyse der Bank of America belastete den Halbleiterhersteller deutlich. Dabei hatte Intel-Chef Craig Barrett noch eine Erholung auf dem Chipmarkt im vierten Quartal heraufbeschworen - für Infineon am Freitag keine Hilfe.

Die Titel von SAP notierten 2,9 Prozent schwächer auf 166,65 Euro. Der Softwarehersteller hatte gestern von einer Kaufempfehlung von Lehman Brothers profitiert und gab nun Gewinne ab. Siemens wird auf Grund der schwierigen Marktsituation nach einem Bericht der "Financial Times" voraussichtlich weitere 5000 Stellen streichen. Bislang war der Abbau von 10.000 Stellen geplant. Das Unternehmen hat den Bericht unterdessen dementiert. Die Aktie verlor 2,1 Prozent auf 64,05 Euro. Epcos-Papiere schlossen 0,9 Prozent leichter bei 54,25 Euro.

Als einzige unter den Technologiewerten im Dax behauptete sich die Aktie der Deutschen Telekom über die meiste Zeit, verlor zum Schluss jedoch stärker und ging mit 23,80 Euro ins Wochenende, ein Minus von 0,7 Prozent.

Die gute Bilanz des Konsumgüterriesen Unilever sorgte für Kursgewinne bei der Metro-Aktie, die sich mit einem Zuwachs von 2,5 Prozent auf 45,70 Euro an die Dax-Spitze setzte. Der Finanzdienstleister MLP (plus zwei Prozent auf 96,90 Euro) profitierte fortgesetzt von Kaufempfehlungen. Der Dax-Aufsteiger hatte in den vergangenen Wochen stark nachgegeben.

Ebenfalls freundlich notierten die Aktien der Allianz (plus 0,8 Prozent auf 320,50 Euro) und der Münchner Rück (plus 0,7 Prozent auf 321,40 Euro).

Neuer Markt: Comroad auf der Überholspur

Der Telematik-Anbieter Comroad hat seinen Gewinn vor Steuern im zweiten Quartal verdreifacht. Die Aktie war mit einem Plus von über acht Prozent auf 12,15 Euro Spitzenreiter im Nemax 50. Schlusslicht war die Aktie von Fantastic. Der Anbieter von Software-Lösungen weist bei einem Umsatz von 3,4 Millionen Dollar einen Fehlbetrag von 34 Millionen Dollar aus. Die Aktie gab zuletzt annähernd 35 Prozent auf 0,54 Euro nach.

Die Anteilsscheine vom Anlagenbauern Steag Hamatech brachen nach Bekanntgabe der Quartalszahlen um über zwölf Prozent auf 6,35 Euro ein. Die in den vergangenen Tagen schwer gebeutelten Lambda-Physik-Papiere verloren weitere 0,8 Prozent auf 26 Euro.

Die im Nemax All Share notierten Aktien der Internet-Agentur Kabel New Media gaben mehr als 20 Prozent auf 0,33 Euro nach. Die angeschlagene Hamburger Firma soll nach Informationen des Finanzportals manager magazin ONLINE teilweise von der WWL Internet AG übernommen werden: Der Kurs war am Donnerstag Abend auf Grund dieser Nachricht nach oben geschossen. Nun sammeln Zocker Gewinne ein.

Kurs des Euro gestiegen

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs für den Euro auf 0,8806 (Donnerstag: 0,8788) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,2210 (2,2256) Mark. Zum Börsenschluss in Frankfurt kostete der Euro 0,8846 Dollar.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6164 (0,6145) Pfund, 109,05 (109,02) Yen und 1,5076 (1,5094) Schweizer Franken fest.