Börsenschluss Schwächeanfall der Deutschen Bank
Frankfurt am Main - Gute Konjunkturdaten sind an der Wall Street verpufft. Die Angst vor weiteren Unternehmenspleiten, die Sorge um frisierte Bilanzen und die Furcht vor weiteren Abschreibungen nach der Enron-Pleite lasten auf der Wall Street und belasten beidseits des Atlantiks die Finanztitel. Obwohl das US-BIP im vierten Quartal gestiegen ist, tendierte der Dow Jones um 20 Uhr MEZ nur 0,1 Prozent im Plus. Der Technologieindex Nasdaq Composite zeigte sich 0,4 Prozent schwächer.
Der Dax konnte sich von seinem Tagestief immerhin erholen und ging 0,6 Prozent schwächer bei 5052 Zählern aus dem Handel. Der Nemax 50 setzte mit einem Verlust von zwei Prozent auf 1129 Zähler dagegen seine Talfahrt fort. Nach Börsenschluss in Deutschland teilte die US-Notenbank wie erwartet mit, die Zinsen unverändert bei 1,75 Prozent zu belassen. In ihrem Ausblick warnte die Notenbank aber davor, dass es weiter Risiken der wirtschaftlichen Abschwächung gebe. Dies signalisiert die Bereitschaft zu einer erneuten Zinssenkung, sollte die Konjunkturerholung später als erwartet einsetzen.
Die Stimmung auf dem Frankfurter Parkett hatte sich nach Bekanntgabe des US-BIP nur wenig aufgehellt. Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählten die defensiven Titel Linde und Degussa sowie der Chiphersteller Infineon , der sich mit einem Plus von 2,6 Prozent von seinen Vortagesverlusten erholte. Andeutungen über eine Reduzierung von Kapazitäten bei dem südkoreanischen Konkurrenten Hynix sorgten für die Erholung, sagten Händler.
Finanztitel gehörten dagegen zu den größten Verlierern in Dow und Dax. "Die Anleger sind nervös, dass es noch weitere Insolvenzen geben könnte", sagte David Scully, Head of Equity Sales bei JP Morgan. Investoren gingen davon aus, dass mögliche US-Firmenpleiten auch deutsche Finanzinstitute treffen würden, da sie ebenfalls mit Krediten engagiert seien.
Die Deutsche Bank rutschte einen Tag vor Bekanntgabe ihrer Geschäftszahlen mit einem Verlust von 3,4 Prozent ans Ende des Dax und schloss bei 70,70 Euro. Nach den langen Führungsquerelen verläßt der oberste Risikomanager und Vorstand Thomas Fischer das Haus. Unsicherheit herrscht: Die Ergebnisse der Deutschen Bank dürften nur schwer mit den Vorjahreszahlen vergleichbar sein, da die größte deutsche Privatbank erstmals nach dem US-Standard US-GAAP bilanziert. Schwächer als die Deutsche Bank war lediglich die Aktie des Finanzdienstleisters MLP : Die Aktie gab vor Bekanntgabe der Quartalszahlen um 3,5 Prozent auf 71,40 Euro nach.
Auch beim Bauelemente-Hersteller Epcos sind Anleger skeptisch. Der Titel verlor vor Bekanntgabe der Quartalszahlen knapp drei Prozent. Analysten erwarten nach einem schwachen Vorquartal die Rückkehr in die Gewinnzone, doch Investoren scheinen noch nicht von einer Trendwende überzeugt. Beim Softwarehersteller SAP nahmen Anleger auf Grund der erneuten Unsicherheit im Markt Gewinne mit.
Die Aktie der Deutsche Telekom hatte im Handelsverlauf massiv unter Druck gestanden und hatte zeitweise an der 16-Euro-Marke gekratzt. Das mögliche Platzen des Kabelnetzverkaufs an Liberty und die drohende Worldcom-Pleite belasten den Konzern weiterhin. Im späten Handel konnte sich das Papier jedoch leicht erholen und rettete ein Plus von 0,2 Prozent auf 16,72 Euro.
Im Mdax verbuchten die Papiere von ProSiebenSat.1 einen Verlust von 4,83 Prozent auf 4,73 Euro. Zuvor hatte der Axel-Springer-Verlag angekündigt, sich von seinem 11,5-prozentigen Anteil an dem TV-Konzern zu trennen.
Der Vorstand der Ixos Software hebt die Ergebnis-Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2001/2002 an. Der Wert gehörte mit einem Plus von knapp fünf Prozent zu den Gewinnern im Index. Größter Gewinner im Nemax 50 waren die Aktien des Telekom-Unternehmens Carrier 1 , die um knapp acht Prozent stiegen. "Carrier 1 wird jeden Tag von neuen Spekulationen getrieben", sagte ein Händler. Am Vortag hatte die Aktie noch mit einem Minus von zeitweise über 11 Prozent die Verliererliste angeführt. Um das operative Geschäft weiterführen zu können, befänden sich die Luxemburger schon lange auf der Suche nach strategischen Partnern.
Der Kurs des Euro ist am Mittwoch nach Bekanntgabe des überraschend starken US-BIP auf ein Tagestief von 0,8601 Dollar eingebrochen. Ohnehin stehe der Euro unter Druck, weil sich der "blaue Brief" der EU-Kommission wegen des deutschen Haushaltsdefizits anbahne. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Nachmittag bei 0,8642 (Dienstag: 0,8624) US-Dollar festgesetzt. Ein Dollar kostete damit 1,1571 (1,1596) Euro. Um 20 Uhr wurde der Euro leicht erholt bei 0,8623 Dollar gehandelt.