Börsenschluss Schwarzer Tag in Frankfurt
Die deutschen Aktien haben am Mittwoch ihre Verlustserie der vergangenen Handelstage fortgesetzt. Der Dax verlor 2,8 Prozent auf 5794 Punkte. Die Wachstumswerte im Nemax50 schlossen 4,8 Prozent niedriger bei 1700 Zählern. Ebenfalls im Minus die Werte im M-Dax, die 2,3 Prozent auf 4500 Punkte einbüßten.
"Die Werte, die sich in den vergangenen Wochen gut gehalten haben, haben sich in dieser Woche dem Abwärtstrend angeschlossen", erklärte Ludwig Gutmann, technischer Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. "Die Dynamik des Abwärtstrends hat sich in dieser Woche weiter beschleunigt", sagte auch Uwe Wagner, technischer Analyst der Deutschen Bank. Ein Ansatz einer Bodenbildung sei derzeit nicht zu sehen. Die Unsicherheit über die Entwicklung der US-Konjunktur und Befürchtungen über die Folgen der Finanzkrise in Japan hätten den Ausverkauf noch beschleunigt.
Zeitweise belief sich der Wertverlust der im Dax enthaltenen Aktienwerte im Vergleich zum Vortag auf rund 100 Milliarden Mark. Ein Händler sprach von "Crash-Szenarien", die sich am Markt abspielten. "Es ist Panik überall und kein Halten mehr da", sagte er. Gründe dafür gebe es mehrere. Unter anderem gebe es Befürchtungen vor einer verschärften Bankenkrise in Japan. "Und wenn es zu einer solchen Krise kommt, dann geht es erst richtig los an den Märkten." In London kursierten Spekulationen über angeblich drohende Bankenzusammenbrüche in Japan.
Automobil- und Finanzwerte tief im roten Bereich
Die Kurse der Automobilhersteller gaben im Zuge schlechterer Aussichten für die Automobilbranche stärker als der Gesamtmarkt nach: BMW verloren 6,9 Prozent auf 35,28 Euro - die Volkswagen-Aktie, die vor einigen Tagen mit über 62 Euro eine neues 52-Wochen-Hoch markierte, war mit einem Abschlag von 5,7 Prozent bei 56,10 Euro gelandet. DaimlerChrysler-Papiere wurden bei 50,45 Euro ausgebremst, ein Verlust von 4,4 Prozent. Auch die Aktie des im M-Dax notierten Sportwagenherstellers Porsche fiel um 5,2 Prozent auf 3430 Euro.
Von der Talfahrt am deutschen Aktienmarkt blieben die Bankentitel nicht verschont: Deutsche Bank-Aktien verloren 5,3 Prozent auf 82,38 Euro. Commerzbank-Papiere fielen 1,1 Prozent auf 29,59 Euro, während Dresdner Bank-Titel mit 43 Euro fast unverändert notierten. Am Morgen hatte die US-Investmentbank Goldman Sachs ihre Gewinnprognosen 2001 für die drei Finanzinstitute nach untenkorrigiert.
Einen Tag nach der erwarteten Zustimmung der VoiceStream-Aktionäre zu der Übernahme durch die Deutsche Telekom verlor die T-Aktie bei mehr als 18 Millionen gehandelten Aktien auf dem elektronischen Handelssystem Xetra 3,8 Prozent auf 25,10 Euro. Mit SAP und Infineon schlossen zwei Technologietitel mit Gewinnen.
Panikverkäufe am Neuen Markt
Noch drastischer als im Dax rauschten die Wachstumswerte in den Keller. Den allgemeinen Abwärtstrend begründete ein Aktienhändler mit Panikverkäufen der Anleger, nachdem auch die Nasdaq wieder an Boden verloren habe. Vermutlich hätten vor allem die großen Aktienfonds ihre Anlagen im Neuen Markt abgestoßen. Der Experte rät daher, kurzfristig keine Zukäufe in diesem Segment zu tätigen, da ein Ende der Talfahrt noch nicht in Sicht sei.
Die Aktien des Filmrechtehändlers Intertainment und die Papiere von Comroad gehörten bis mit einem Minus von 17,6 Prozent beziehungsweise 15,4 Prozent zu den größten Verlierern innerhalb des Nemax-50. Intertainment kosteten 5,15 Euro; Comroad verbilligten sich auf 30,90 Euro. Dabei habe es keine neue Nachrichten bei diesen Werten gegeben, sagte ein Händler.
Im Augenblick könne man die Entwicklung einzelner Werte nur schwer kommentieren, da selbst positive Nachrichten im allgemeinen Abwärtsstrudel mit nach unten gerissen würden. International Media verbuchten beim Ertönen der Schlussglocke Gewinne. Mit einem Plus von zehn Prozent auf 22,13 Euro führten sie die dünne Liste der Gewinner aus dem Handelstag.
Die Aktien des Herstellers von Sicherheitssoftware Biodata schloss mit plus 3,6 Prozent bei 116,80 Euro. In den ersten Handelsstunden hatte der Wert noch zu den Tagesgewinnern gehört. "Die Gewinne der vergangenen beiden Tagen sind eine Reaktion auf die Kursverluste zuvor", sagte ein Händler der Gontard & Metallbank. Es gebe keine neuen Nachrichten bei Biodata. Lediglich der vor kurzem angekündigte Aktiensplit könne als positive Nachricht von fundamentaler Seite bewertet werden. Auf diese Weise könne die "optisch teure" Aktie attraktiver werden. Fundamental hält der Händler das Papier dennoch für "leicht überbewertet".
Die Papiere des Luxemburger Logistik-Dienstleisters Thiel Logistik beschlossen den Tag der Unternehmens-Hauptversammlung mit minus 7,1 Prozent bei 105 Euro. Ein Händler begründete den Kurssturz, der über die ohnehin schlechte Marktverfassung hinaus gehe, damit, dass die Übernahme der Logistikgruppe Kraftverkehr Bayern/Südkraft am Markt nicht gut aufgenommen worden sei: "Thiel hat schon jetzt eine wesentlich höhere Marge als die drei Prozent, die das übernommene Unternehmen bietet", sagte er. Außerdem würde die Übernahme gegen neu ausgegebene Aktien den Gewinn pro Anteilsschein für die Altaktionäre verwässern.
Der Kurs des Euro ist am Mittwoch gefallen. Zuletzt wurde die Gemeinschaftswährung mit 0,9096 Dollar gehandelt. Der Dollar kostete 2,1509 Mark. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,9182 (Dienstag: 0,9202) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1301 (2,1254) Mark.