Börsenschluss Schwergewichte heben den Dax ins Plus
Frankfurt am Main In einem unruhigem Marktumfeld legte der Dax am Donnerstag 0,7 Prozent auf 5254 Punkte zu. Deutliche Kursgewinne beim Tourismuskonzern Preussag und eine leichte Erholung der T-Aktie belebten den Blue-Chip-Index. Am Neuen Markt kletterte der Nemax 50 um 0,6 Prozent auf 1068 Zähler.
Die US-Börsen präsentierten sich hingegen uneinheitlich. Der Dow Jones verharrte bis zum Handelsschluss in Deutschland im Minus und verlor leicht um 0,1 Prozent auf 10.262 Punkte. Die Nasdaq reduzierte ihre frühen Gewinne und notierte mit 0,2 Prozent im Plus auf 1864 Zählern. Vor Börseneröffnung wurden Arbeitsmarktdaten bekannt gegeben, auf die der Markt eher negativ reagierte. Die Erstanträge auf Arbeitslosigkeit sind in der Woche zum 18. August um 8000 auf 393.000 gestiegen.
Auch in Frankfurt lasteten negative Konjunkturdaten auf der Stimmung. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im zweiten Quartal 2001 zum gleichen Vorjahreszeitraum real nur noch um 0,6 Prozent zu. Dies war auf Jahresbasis der niedrigste Anstieg seit dem ersten Quartal 1997 (plus 0,1 Prozent).
Preussag deutlich im Plus
Preussag ging als Tagessieger im Dax aus dem Handel. Die Aktien verteuerten sich nach Vorlage der Geschäftszahlen um 4,3 Prozent auf 35,82 Euro. Der Konzern hat im ersten Halbjahr dank starker Zuwächse in der Touristik seinen Umsatz und Ertrag deutlich gesteigert und die Erwartungen der Analysten übertroffen.
Am anderen Ende des Dax standen Bayer-Aktien, die 1,7 Prozent auf 34,30 Euro nachgaben. Das Unternehmen stoppt die Vermarktung des Cholesterinsenkers Lipobay/Baycol jetzt auch in Japan und erwartet dadurch eine weitere Schmälerung des Gewinns. Die Entscheidung, das Medikament auch in Japan zurückzuziehen, werde das operative Ergebnis um bis zu 150 Millionen Euro belasten, hieß es. Unterdessen hat Bayer einem Zeitungsbericht zufolge in rund 1100 Fällen bedrohliche Wechselwirkungen des Medikaments Lipobay eingeräumt. Damit wären weit mehr Patienten betroffen als bisher bekannt. Derzeit wird Lipobay/Baycol mit 52 Todesfällen in Verbindung gebracht.
Die T-Aktie legte bis zum Handelsschluss auf 16,62 Euro zu ein Plus von knapp über zwei Prozent. Die Aktie hatte von der Meldung profitiert, dass die Deutsche Telekom nach Angaben eines Sprechers von Liberty Media unmittelbar vor dem Verkauf ihrer Fernsehkabelnetze in 13 Bundesländern an das US-Medienunternehmen stehe. Das Handelsblatt hatte am Vortag noch Gegenteiliges berichtet. Die Kaufsumme soll nach einem Bericht der "Welt" 5,5 Milliarden Euro betragen.
Ein weiteres Dax-Schwergewicht, die Allianz präsentierte sich ebenfalls gut. Die Aktie stieg um 1,9 Prozent auf 315 Euro.
Die am Morgen präsentierten Geschäftszahlen von Linde sind am Markt gut angekommen. Der Konzern hat im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum einen Umsatz- und Ergebnisanstieg ausgewiesen und seine Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr bekräftigt. Wie Linde mitteilte, wird 2001 weiter mit einem Umsatzanstieg von acht Prozent auf neun Milliarden Euro gerechnet. Das operative Ergebnis (Ebitda) soll dabei prozentual stärker steigen als der Umsatz. Diese positiven Nachrichten honorierte die Börse mit Kursaufschlägen von 2,6 Prozent auf 47,87 Euro.
Von den Technologiewerten präsentierten sich die Aktien von Infineon gut, die 2,5 Prozent auf 24,90 Euro zulegten. Die Siemens-Tochter profitierte von positiven Berichten aus den USA. Demnach meldete die amerikanische Branchenvereinigung für die Chipindustrie einen überraschenden Anstieg der Bestellungen im Monat Juli. Die Titel von Siemens (plus 0,2 Prozent auf 55,60 Euro) und Epcos (minus 1,2 Prozent auf 44 Euro) notierten uneinheitlich.
Die Titel des Finanzdienstleisters MLP drehten nach frühen Gewinnen ins Minus und verloren 1,4 Prozent auf 70,50 Euro. Offenbar hatten Anleger Gewinne mitgenommen. Das Papier hatte in den Tagen zuvor nach einem regelrechten Ausverkauf zulegen können.
Geringe Gewinne am Neuen Markt
Der Neue Markt hielt sich bei einem nervösen Handel im Plus. Der Tag habe Händlern zufolge unter einem guten Stern begonnen: satte Gewinne an der Nasdaq vom Vorabend. Dort hätten sich Stimmen gemehrt, wonach die wirtschaftliche Lage in den USA besser sei als allgemein angenommen. Im Laufe des Tages habe sich dieser Effekt abgeschwächt.
Im Auswahlindex Nemax 50 schlossen die Aktien von EM.TV mit einem Gewinn von 3,6 Prozent auf 2,85 Euro. Medienberichten zufolge stellt die Münchner Staatsanwaltschaft ihr Ermittlungsverfahren gegen den früheren Finanzchef, Florian Haffa, teilweise ein. Der Verdacht auf Insiderhandel habe nicht aufrecht erhalten werden können, hieß es zur Begründung. Die Staatsanwaltschaft prüfe aber noch, ob Florian Haffa und der frühere Vorstandschef Thomas Haffa gegen das Aktiengesetz verstoßen haben, in dem sie den Vermögensstand des Konzerns falsch dargestellt haben.
- manager magazin:Börsenschluss New York
- manager-magazin.de:Streitwert 50 Millionen Dollar - die Gontard & Metallbank wird in den USA verklagt
Zu wilden Kurssprüngen bei niedrigen Umsätzen kam es im Handel mit der Aktie von Team Communications. Die amerikanische Mediengesellschaft wird den Neuen Markt am kommenden Montag verlassen und muss zudem mit einem Delisting an der Nasdaq rechnen. Heute kam außerdem die Nachricht, dass die Gontard & Metallbank von geschädigten Anlegern in den USA verklagt wurde, weil sie als Konsortialführerin bei dem Gang von Team an den Neuen Markt gegen gesetzliche Sorgfaltspflichten verstoßen haben soll. Der Streitwert liegt nach Angaben von manager-magazin.de bei 50 Millionen Dollar. Das Papier verteuerte sich um 8,8 Prozent auf magere 0,37 Euro.
Die Aktien des Index-Schwergewichts Thiel Logistik gewannen zwei Prozent auf 17,79 Euro im grünen Bereich. Börsianer bezeichneten die vorgelegten Geschäftszahlen als im Rahmen der Erwartungen ausgefallen. Allerdings habe sich der Markt beim Gewinn vor Zinsen und Steuern ein etwas höheres Ergebnis ausgerechnet. "Das hat etwas Unruhe in den Markt gebracht", sagte ein Händler. Daraufhin habe es am Vormittag zunächst Verkäufe in größerer Stückzahl gegeben. Im Vergleich zum Konkurrenten D.Logistics stehe Thiel vergleichsweise gut dar, weil das Grevenmacher Unternehmen auf eine weniger ausgeprägte Expansionsstrategie setze. " Sollte die Stimmung am Gesamtmarkt wieder aufhellen, könnte der Thiel-Kurs bis auf 25 Euro steigen", sagte der Händler.
Das Papier von Teleplan International hat nach Vorlage der Halbjahreszahlen deutlich unter Druck gestanden. Der Titel des Dienstleisters für Reparatur und Logistik fiel um zehn Prozent auf 21,44 Euro und war damit einer der schwächsten Werte im Nemax 50. Als Grund für die Kursverluste nannte ein Händler den Rücktritt des Teleplan-Vorstandschef Edmund Krix zum 15. September. "Das hat den Markt geschockt, auch wenn der Schritt aus familiären Gründen erfolgt sein sollte." Die Halbjahreszahlen seien "ganz in Ordnung" gewesen. Daher geht der Experte davon aus, dass sich der Kurs bald wieder erholen dürfte. Ein Analyst kritisierte jedoch, dass "im operativen Geschäft zu viel Cash verbraucht und zu wenig Cash generiert wurde". Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) habe dem Börsianer allerdings gut gefallen.
Kurs des Euro deutlich gefallen
Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Mittag auf 0,9112 (Mittwoch: 0,9216) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1464 (2,1222) Mark. Bis zum Handelsschluss in Frankfurt erholte sich die Devise wieder und wurde mit 0,9148 Dollar gehandelt.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6306 (0,6326) Pfund, 109,65 (110,39) Yen und 1,5194 (1,5199) Schweizer Franken fest.