Börsenschluss Siemens-Kurs bricht ein
Frankfurt am Main Erst in den letzten Schlussminuten hat der Dax noch einmal deutlich nachgegeben. Zum Schlussgong notierte das Börsenbarometer bei 5199 Punkten, ein Minus von 1,4 Prozent. Dennoch blieb noch ein sattes Wochenplus von 210 Punkten oder 4,2 Prozent übrig. Am Neuen Markt verlor der Nemax 50 rund ein Prozent auf 1302 Zähler.
In den USA sind die Börsen nach einer schwachen Eröffnung ebenfalls weiter nach unten gerutscht. Zum Handelsschluss in Deutschland stand der Dow Jones mit 0,9 Prozent im Minus und hielt sich dabei nur knapp über der 10.000-Punkte-Marke. Die Nasdaq gab um 2,1 Prozent auf 2010 Zähler nach.
Ausschlaggebend für die nachgebenden Kurse waren Gewinnmitnahmen nach der Rallye vom Mittwoch und enttäuschende Arbeitsmarktdaten. Die US-Arbeitslosenquote stieg im November auf 5,7 Prozent und damit den höchsten Stand seit August 1995. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft ging um 331.000 zurück, nachdem sie bereits im Oktober um revidiert 468.000 gesunken war. Experten hatten zuvor mit einem geringeren Anstieg gerechnet.
Auch die überraschend guten Daten zum Verbrauchervertrauen konnten die Stimmung auf dem Parkett nicht bessern. Im Dezember ist das US-Konsumentenklima nach vorläufigen Zahlen auf 85,8 Punkte gestiegen, teilte die Universität Michigan mit. Marktbeobachter hatten lediglich mit einem Anstieg auf 84 Punkte gerechnet, nachdem im November 83,9 Punkte gemessen wurden.
"Die US-Konjunkturdaten haben sich unter dem Strich in ihrer Wirkung gegenseitig aufgehoben", sagte ein Händler. "Vor dem Wochenende wollte sich keiner mehr positionieren. Da werden dann einige Gewinne mitgenommen", fügte ein anderer Börsianer hinzu. Dies sei eine unspektakuläre technische Reaktion. "Liquidität ist allerdings noch im Markt. Viele Anleger warten aber noch auf bessere Einstiegskurse."
In Deutschland drückte ein Rückgang der Industrieproduktion auf die Stimmung. Im Oktober nahm die Erzeugung des Produzierenden Gewerbes um 2,1 Prozent gegenüber dem Vormonat ab nach einem Rückgang von 1,8 Prozent im September. Das ergeben vorläufige Zahlen des Statistischen Bundesamtes und der Bundesbank. Wie für September sei auch im Oktober mit einer leichten nachträglichen Aufwärtskorrektur der Zahlen zu rechnen.
Nur drei Titel im Plus
Nur drei Titel gingen am Freitag mit deutlichen Gewinnen aus dem Handel. Die Aktien von Degussa (plus 2,4 Prozent auf 30,33 Euro), Adidas (plus 1,9 Prozent auf 80,30 Euro) und der Allianz (plus 0,3 Prozent auf 275 Euro) legten ohne besondere Unternehmensnachrichten zu.
Im Blickpunkt der Händler stand am letzten Handelstag der Woche die Softwareschmiede SAP . Berichte über Auftragsverschiebungen und einen massiven Stellenabbau lasteten auf der Aktie. Zudem soll die Unternehmensleitung auf weitere Kostensenkungen drängen. Die Börse reagierte auf die Nachrichten mit einem deutlichen Kursabschlag. Die Anteilsscheine gaben rund 2,2 Prozent nach und rutschten wieder unter die 150-Euro-Marke.
Die Siemens-Aktien gaben im späten Handel noch einmal deutlich nach und verloren 2,6 Prozent auf 72,10 Euro. Der Münchener Elektronikkonzern rechnet bei seiner Netzwerksparte ICN im laufenden Geschäftsjahr 2001/2002 (zum 30. September) durch die Konzentration auf den Verkauf nur noch eigener Produkte mit einem Umsatzrückgang von bis zu einer Milliarde Euro. Nahezu unverändert präsentierte sich Infineon . Im frühen Handel hatte der Chipproduzent noch von guten Branchennachrichten aus den USA profitiert. Die Rivalen Intel und AMD hatten ihre Umsatzprognosen für das vierte Quartal angehoben.
Deutlich schwächer notierten auch die Anteilsscheine von Volkswagen (minus 2,2 Prozent auf 51,70 Euro) und BMW (minus 2,9 Prozent auf 38,10 Euro). Händler erklärten die Verluste mit Gewinnmitnahmen. Darüber hinaus habe eine Studie von Goldman Sachs die Stimmung etwas gedrückt. Das renommierte Investmenthaus geht davon aus, dass in der europäischen Autoindustrie ein zunehmend rauer Wind wehen wird. Die DaimlerChrysler-Aktie verbilligte sich um rund 1,1 Prozent auf 48,44 Euro.
Neuer Markt: Nachrichtenarmer Handelstag
An der Wachstumsbörse monierten Broker zum Wochenschluss einen impulslosen Handel. Auch aus den USA kamen keine positiven Signale mehr. Zwar sorgten im frühen Geschäft optimistische Prognosen von Intel für gute Stimmung, diese hielt jedoch nicht lange an. Wie schon am Vortag sorgten die Onlinebroker für Bewegung.
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Consors knüpfte an seinen Aufwärtstrend vom Vortag an. Die Aktie kletterte um 6,7 Prozent auf 10,81 Euro. Das Unternehmen teilte zuvor mit, dass seine Geschäfte durch die Diskussion über die Zukunft der angeschlagenen Muttergesellschaft SchmidtBank nicht beeinträchtigt würden. In den Monaten Oktober und November habe das Institut 8000 Kunden neu gewonnen nach nur 6300 im gesamten dritten Quartal 2001, hieß es. Die Zahl der Trades habe in den beiden Monaten bei 1,33 Millionen gelegen im Vergleich zu 1,39 Millionen im gesamten dritten Quartal 2001.
Beim Konkurrenten Comdirect dagegen nahmen Anleger die Gewinne der vergangenen Tag mit. Die Aktie baute ihre Verluste auf 6,3 Prozent aus und notierte damit knapp über der zwölf-Euro-Marke. Die Titel der DAB Bank gaben 1,7 Prozent auf 14,55 Euro nach.
Die Aktien des Chipbrokers CE Consumer rutschten vier Prozent auf 9,50 Euro ins Minus. Das Papier hat jedoch seit Wochenbeginn etwa 25 Prozent an Wert gewonnen. Der Mitbewerber ACG gewann hingegen drei Prozent auf 7,49 Euro.
Größter Verlierer im Auswahlindex Nemax 50 waren die Anteilsscheine von Pixelpark , die mehr als sieben Prozent auf 6,05 Euro nachgaben. Einem Pressebericht zufolge will die Internet-Agentur in Kürze Details zu weiteren Sanierungsmaßnahmen nennen.
Kurs des Euro gestiegen
Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,8911 (Donnerstag: 0,8889) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1948 (2,2003) Mark. Gegen Handelsschluss in Deutschland kostete ein Euro 0,8901 Dollar.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6241 (0,6255) Pfund, 111,50 (110,72) Yen und 1,4787 (1,4741) Schweizer Franken fest.