Börsenschluss: Spannung vor den Zahlen - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Spannung vor den Zahlen

Im Vorfeld der Geschäftszahlen großer Technologiekonzerne reagiert die Börse nervös. Im Sog einer schwachen Wall Street haben der Dax und der Nemax im Minus geschlossen.
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Frankfurt am Main - Der Dax hat seine Verluste zum Abend ausgebaut und schloss mit 1,3 Prozent auf 5853 Punkten im Minus. Übel erwischt hat es wieder den Neuen Markt: Der Nemax 50 rutschte um 3,7 Prozent auf 1183 Zähler. Nur leicht im Minus ging der M-Dax auf 4706 Zählern aus dem Handel.

Ein ähnliches Bild zeichneten die Börsen in New York. Nach einer behaupteten Eröffnung fiel der Dow Jones deutlich ab und notierte zum Handelsschluss in Deutschland bei 10.468 Punkten, ein Minus von 0,7 Prozent. Die Nasdaq gab um 2,3 Prozent auf 2036 Zähler nach.

An den Aktienmärkten steht die Woche der Wahrheit an. Bis kommenden Freitag werden noch etwa 1500 Unternehmen ihre Quartalszahlen bekannt geben. Zudem spricht am Mittwoch US-Notenbankchef Alan Greenspan vor dem Kongress. Der Halbzeitbericht des Währungshüters gilt auch als Konjunktur-Barometer. Vor Veröffentlichung der Wirtschaftsdaten und wichtiger Unternehmensbilanzen halten sich die meisten Anleger mit ihren Engagements zurück. Erst zur Wochenmitte wird wieder mit steigenden Umsätzen an der Börse gerechnet.

Am Montag haben in den USA bereits die Bank of America und die Citigroup die Erwartungen der Analysten übertroffen. Börsianer warten jedoch noch auf die Zahlen der Schwergewichte Microsoft, Intel, Apple, IBM, Sun und Cocla Cola. Auch europäische Großkonzerne wie Nokia, Ericsson, SAP, DaimlerChrysler und Philips geben ihre Geschäftszahlen bekannt.

Preussag profitiert von positiven Analystenstimmen

Die Aktie von Preussag ging als Tagessieger aus dem Handel. Die Titel des Tourismuskonzerns legten 1,1 Prozent auf 34,92 Euro zu. Die Gewinne seien einerseits auf die Heraufstufung durch Merrill Lynch zurückzuführen, sagte ein Aktienhändler. Die Investmentbank hatte ihre Einschätzung für den Tourismusanbieter von "neutral" auf accumulate" aufgewertert. Andererseits handle es sich um eine technische Reaktion. Preussag hatte am vergangenen Freitag nahezu zehn Prozent eingebüßt.

Unter größeren Verlusten litten hingegen die Technologietitel. Siemens-Titel führten mit einem Abschlag von 4,4 Prozent auf 61 Euro die Verliererliste an. Zuvor gab die ABN Amro bekannt, die Gewinnprognosen für Siemens um zwölf Prozent zu reduzieren. Die Aktien von SAP (minus vier Prozent auf 151,65 Euro), Infineon (minus 4,3 Prozent auf 25,84 Euro) und Epcos (minus ein Prozent auf 54,09 Euro) präsentierten sich schwach. Die Verluste bewertete ein Händler als "nicht dramatisch": Bei SAP und Infineon würden Gewinne mitgenommen, nachdem beide Aktien allein am Freitag um knapp vier Prozent zugelegt hatten. Außerdem habe die Deutsche Bank die Gewinnprognosen des Halbleiterherstellers für die Jahre 2001 und 2002 gesenkt.

Die Aktien der Dresdner Bank werden voraussichtlich am Freitag nach Handelsschluss aus dem Dax genommen. Die Allianz hatte zuvor bekannt gegeben, dass sie nach vorläufigen Zahlen künftig mehr als 95 Prozent der Anteile an der Dresdner Bank halten wird. Dresdner-Bank-Anteilsscheine verloren 1,6 Prozent auf 47,22 Euro und waren damit schwächster Wert im Dax. Die Aktie der Allianz gewann 0,8 Prozent auf 323,68 Euro.

Die Deutsche Bank beabsichtigt, den Zahlungsverkehr und das Wertpapiergeschäft mit anderen Großbanken gemeinsam abzuwickeln. So könnte eine der größten Transaktionsbanken Europas entstehen, schreibt "Die Welt". Die Kostenersparnis wäre enorm, wird Vorstandsmitglied Hermann-Josef Lamberti zitiert. "Das ist keine Story, die zu Kursfantasien beiträgt", kommentierte jedoch ein Händler. Die Aktie des Branchenprimus verbilligte sich um 0,8 Prozent auf rund 82,30 Euro. HypoVereinsbank-Papiere notierten ein Prozent schwächer bei 53,67 Euro. Die Aktien der Commerzbank gaben 0,4 Prozent auf 27,29 Euro nach.

Eon stand im Blickpunkt des Interesses, nachdem der Konzern angekündigt hatte, sein gesamtes Ölgeschäft (Veba Oel) einschließlich der in Deutschland führenden Tankstellenmarke Aral an den britischen Erdöl-Konzern BP abzugeben. Nach einem Zeitungsbericht soll BP zunächst einen Anteil von mehr als 50 Prozent übernehmen, diesen später aber aufstocken können. Eon-Titel verloren leicht um 0,2 Prozent auf 63,55 Euro. Im Tankstellengeschäft seien sowohl Aral als auch BP in Zugzwang geraten, weil Shell sein Öl- und Benzingeschäft vor wenigen Wochen mit RWE-DEA zusammengelegt habe, hieß es. RWE-Aktien verloren 0,5 Prozent auf 49,20 Euro.

Ruhiger Handel am Neuen Markt

"Es ist völlig ruhig hier", beschrieb ein Händler die Stimmung. "Das wir hier nicht einpennen, ist wirklich ein Wunder", meinte ein anderer Börsianer in Frankfurt. Nach wie vor sei es leichter, einen Verkäufer als einen Käufer zu finden. Der Neue Markt habe sehr viel Vertrauen verspielt und die Ungewissheit über die derzeitigen Pläne der Deutschen Börse über den Rausschmiss von Billigaktien oder die mögliche Reduzierung des Nemax 50 auf 20 Werte, schürten Unsicherheit, sagte ein Händler.

An die Spitze der Gewinner setzten sich die Papiere der Constantin Film. Sie legten um 14,2 Prozent auf 10,72 Euro zu. Medienberichten zufolge will die Unternehmensgruppe von Leo Kirch die Constantin mittelfristig mit der angeschlagenen EM.TV & Merchandising verbinden. Kirch ist an beiden Unternehmen beteiligt. EM.TV-Aktien schlossen vier Prozent niedriger bei 1,92 Euro.

D.Logistics gehörten dagegen zu den größten Verlierern im Nemax 50, bei Kursabschlägen von 13,1 Prozent auf 9,21 Euro. Händler führten die Kursbewegung auf den "übertriebenen" Kursanstieg vom Freitag zurück, als das Papier rund 13,40 Prozent zugelegt hatte. Unternehmensnachrichten lägen ihm nicht vor, sagte ein Händler.

Kinowelt-Aktien verbilligten sich um 20,6 Prozent auf zwei Euro. Das Medienunternehmen, dem Börsianer eine angespannte Liquidität nachsagen, hatte am Freitag Verhandlungen über den Verkauf mehrerer US-Fernsehserien angekündigt. Eine Filmstaffel sei schon an das Zweite Deutsche Fernsehen verkauft worden.

Euro etwas fester

Der Kurs des Euro ist gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,8583 (Freitag: 0,8539) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,2787 (2,2905) Mark.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6126 (0,6091) Pfund, 107,45 (106,12) Yen und 1,5135 (1,5118) Schweizer Franken fest.