Börsenschluss : T-Aktie legte kräftig zu - DER SPIEGEL
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Börsenschluss T-Aktie legte kräftig zu

Nach einer Berg- und Talfahrt sind die deutschen Aktienmärkte am Freitag noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Die T-Aktie zählte erneut zu den Gewinnern. Auch SAP und Infineon konnten punkten.
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Frankfurt am Main – Der Dax ging mit einem Plus von 0,3 Prozent auf 4130 Zähler ins Wochenende. Das Tageshoch hatte bei 4249 Zählern gestanden. Die Wachstumswerte im Nemax 50 notierten 0,2 Prozent leichter auf 535 Punkten. Der MDax gewann 0,34 Prozent auf 3748 Zähler hinzu.

Zu Handelsbeginn war der Dax um mehr als 100 Punkte gegenüber dem Vortag gestiegen, nachdem eine optimistische Zukunftsprognose des US-Computerherstellers Dell   für steigende Kurse bei den Technologiewerten gesorgt hatte. Binnen weniger Minuten war das Börsenbarometer am Nachmittag dann ins Minus gestürzt, als der Michigan-Index einen stark gestiegenen Pessimismus der US-Verbraucher im Juli angezeigt hatte.

Entgegen der Erwartung der Volkswirte ist der von der Universität Michigan ermittelte Index zum Vormonat von 92,4 auf 86,5 Punkte gefallen. Gegen Abend konnten sich die Aktienindizes vor allem mit einer freundlicheren US-Technologiebörse allerdings wieder erholen.

Zum Handelsschluss in Deutschland lag der Dow Jones mit rund einem Prozent auf 8717 Punkte im Minus. Die US-Technologiebörse Nasdaq gewann 0,7 Prozent auf 1383 Zähler hinzu, was Händler auf einige positive Nachrichten aus der Technologiebranche zurückführten.

So hatte der Computerhersteller Dell   am Donnerstag nach Börsenschluss für das laufende zweite Geschäftsquartal ungeachtet eines schwachen Marktumfeldes seine Umsatz- und Ergebnisprognosen angehoben. Der Chip-Technologieentwickler Rambus   hatte mitgeteilt, im abgelaufenen dritten Geschäftsquartal 2002 seinen Gewinn je Aktie von vier Cent auf sechs Cent gesteigert zu haben. Der Internet-Ausrüsters Juniper Networks   hat eigenen Angaben zufolge im zweiten Quartal bei rückläufigen Umsätzen wieder die Gewinnzone erreicht.

Im Dow Jones liefen die Papiere von General Electric   der Konkurrenz davon. Der Konzern hat seine Prognosen für das Ergebnis je Aktie für das Gesamtjahr bei Vorlage der Zahlen zum zweiten Quartal bestätigt. Der Mischkonzern teilte mit, er fühle sich mit seinen Prognosen von 1,65 bis 1,67 Dollar Gewinn je Aktie für 2002 wohl. Der Gewinn je Aktie im zweiten Quartal belief sich auf 0,44 (0,39) Dollar und erhöhte sich damit um 14 Prozent. Die Aktie gewann am Abend in New York mehr als fünf Prozent auf knapp 29 Dollar hinzu.

Epcos-Aktie arg gebeutelt

Infineon wieder obenauf

Mit Ausnahme von Epcos  , die mit Verlusten von mehr als fünf Prozent auf 26 Euro zu den schwächsten Werten im Dax zählten, gehörten Technologiewerte zu den Gewinnern. Dies führten Händler eben auf die positiven Nachrichten von Dell und anderen US-Technologie-Unternehmen zurück.

Infineon   kletterten um 3,32 Prozent auf 16,50 Euro. Siemens   gaben ihre Tagesgewinne nahezu wieder ab und notierten bei 56,75 Euro. Die Investmentbank Schroder Salomon hatte die Aktien von Siemens Händlern zufolge mit "Outperform" bestätigt, gleichzeitig aber das Kursziel von 80 auf 70 Euro zurückgenommen.

Bei der Deutsche Telekom   hielten die Spekulationen um einen Führungswechsel an. Der Kurs der T-Aktie stieg um 4,75 Prozent auf 12,14 Euro. "Der Markt will statt Ron Sommer nur irgendein ein neues Gesicht sehen", sagte ein Händler in München.

Die Aktien von SAP   zogen um rund 2,80 Prozent auf 76,90 Euro an. "Die Zugewinne sind die Gegenbewegung zum starken Kursabfall vom Donnerstag im Zuge der Umsatzwarnung", sagte Matthias Dürr, Analyst bei der DZ Bank. Die SAP-Aktie hatte am Vortag nach gesenkten Prognosen rund 14 Prozent verloren. Zum Wochenschluss korrigierten zahlreiche Analysten ihre Erwartungen und Kursziele nach unten.

"Es kristallisiert sich wieder einmal heraus, dass im Technologiesektor die Unternehmenszahlen in Europa denen in den USA um ein Quartal hinterherhinken. Während die Unternehmen dort gute Nachrichten bringen, prasseln bei uns noch die Hiobsbotschaften herein", kommentierte ein Händler.

DaimlerChrysler profitiert von Analystenkommentaren

Die Aktien von DaimlerChrysler   verteuerten zuletzt um 2,34 Prozent auf 45,45 Euro "Das Kursplus ist eine Reaktion auf die vorangegangenen Verluste, obwohl man bei den Automobiltiteln insgesamt wohl noch Luft aus den Aktienkursen lassen kann", sagte ein Händler in München. Zudem würden spekulative Anleger Aktien kaufen, die sie vorher geliehen und zu höheren Kursen verkauft hätten. "Die Positionen müssen die Short Sellers dann zurückkaufen und schnell wieder zurückgeben, denn derzeit hat niemand Interesse, mit hohen offenen Positionen ins Wochenende zu gehen." Andere Händler machten zudem die Heraufstufung durch die Analysten von UBS Warburg für das Plus verantwortlich. Die Bank hatte die Daimler-Papiere nach Händlerangaben von "Reduzieren" auf "Halten" heraufgestuft.

Weiter unter Abgabedruck stand die Aktie der Deutsche Post  . Der Bundesrat hatte die weitere Einschränkung des Briefmonopols gebilligt. Mit 11,47 Euro fiel die Aktie im Tagesverlauf auf ein Allzeittief. Zum Schluss notierte sie mit 11,68 Euro 3,31 Prozent unter ihrem Vortagesschluss.

Die Aktie des Finanzdienstleisters MLP   stand kräftig unter Druck und verlor mehr als fünf Prozent auf 27,95 Euro. Bei MLP stelle sich noch immer die Vertrauensfrage, sagte ein Händler einer ausländischen Großbank in Frankfurt. Viele Analysten empfehlen, die Aktie zu verkaufen. Analyst Ralph Breßler vom Düsseldorfer Bankhaus Lampe begründet seine "Verkaufen"-Empfehlung mit fundamentalen Daten. "Auch wenn die Bilanzgerüchte nicht im Markt wären, ist die Aktie - mit anderen ähnlichen Unternehmen verglichen - mit einem Kurs- Gewinnverhältnis von etwa 24 auf Basis der geschätzten Ergebnisse für 2003 immer noch zu teuer."

Thiel fällt ins Bodenlose

Thiel hat den Markt schon wieder enttäuscht

Thiel-Logistik-Aktien   sind nach einer Umsatz- und Gewinnwarnung drastisch eingebrochen und haben ein neues Allzeittief markiert. Das Papier rutschte in der Spitze um über 55 Prozent nach unten und war zum Handelsschluss nur noch 2,30 Euro wert: ein Verlust von rund 53 Prozent.

"Die Gewinnwarnung bei Thiel überrascht nicht," sagte ein Händler in Frankfurt. Das Unternehmen habe zuvor bereits das Vertrauen der Börse verspielt. Ein anderer Aktienhändler sagte: "Wer das jetzt nicht gelernt hat, hat es nicht anders verdient." Thiels Großaktionär habe sich drei Wochen vor den schlechten Zahlen aus dem Titel verabschiedet und umfangreich Aktien verkauft. Der Logistikdienstleister hatte zuvor mitgeteilt, der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) werde um 77 Prozent fallen. Der Konzern aus Luxemburg rechnet jetzt mit einem Ebit von 25 Millionen Euro gegenüber den ursprünglich geplanten 109 Millionen Euro.

Deutlich fester präsentierten sich die Aktien des Technologieherstellers Steag Hamatech   nach Vorlage der Geschäftszahlen. Die Aktie gewann knapp fünf Prozent auf 4,72 Euro hinzu.

Singulus  , ein Hersteller von DVD-/CD-Produktionsanlagen hatte im zweiten Quartal 2002 den vorläufigen Zahlen zufolge den Umsatz leicht gesteigert und seine Umsatz- und Gewinnprognosen für das Jahr 2002 bestätigt. Am Abend nahmen Anleger die Gewinne mit und drückten die Aktie leicht ins Minus auf 23,94 Euro, nachdem sie am Nachmittag noch mit rund vier Prozent im Plus gestanden hatte. Das Tageshoch lag bei 27,45 Euro.

Balda   hat im ersten Halbjahr 2002 den Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,3 Prozent auf 77,7 Millionen Euro gesteigert. Das Vorsteuerergebnis (Ebit) sei dagegen von 1,8 Millionen auf 0,2 Millionen Euro geschrumpft, teilte der Systemlieferant für die Mobilfunkindustrie am Freitag mit. Im vierten Quartal rechnet Balda mit ersten Erlösen aus dem bislang planmäßig verlaufenden Einstieg in die Medizintechnik. Das Unternehmen geht von 6,6 Millionen Euro aus. Die Börse reagierte auf die Nachricht mit einem Kursaufschlag von knapp vier Prozent.

Consors-Aktien   stiegen um 0,50 Prozent auf 12,32 Euro, obwohl die französische Großbank BNP Paribas   die vollständige Übernahme des Nürnberger Online-Brokers vorläufig verfehlt hat. Nach Ablauf des Übernahmeangebots an die Minderheitsaktionäre hält BNP Paribas nach Angaben vom Freitag 91,54 Prozent an Consors. Die für ein Herausdrängen der übrigen Kleinaktionäre mittels Barabfindung ("Squeeze-out") nötige Quote von 95 Prozent wurde damit nicht erreicht. Die Aktien des Mitbewerbers Comdirect   gaben dagegen 7,45 Prozent auf 4,35 Euro ab.

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs des Euro bei 0,9873 (Donnerstag: 0,9836) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0129 (1,0167) Euro. Gegen Abend wurde die Gemeinschaftswährung mit 0,9908 Dollar gehandelt.