Börsenschluss T-Aktie und SAP brechen ein
Frankfurt am Main Nach Gewinnmitnahmen an den US-Börsen haben die Deutschen Aktien am Freitag leichter geschlossen. Obwohl sich Dax und Neuer Markt im Tagesverlauf zunehmend freundlich zeigten, verlor der Leitindex im Abendhandel zum Schluss um 0,6 Prozent auf 4835 Zähler. In der abgelaufenen Woche hat das Börsenbarometer rund 5,4 Prozent an Wert eingebüßt. Während der MDax um 0,2 Prozent auf 4345 Zählern zulegte, sank am Neuen Markt der Nemax 50 um 0,4 Prozent auf 1051 Stellen.
In den USA schwankten die Indexstände stark und gaben nach einer freundlichen Eröffnung nach. Gegen Handelsschluss in Deutschland notierte der Dow Jones bei 9639 Zählern, ein mageres Plus von 0,2 Prozent. Die Nasdaq verlor minimal um 0,1 Prozent auf 1780 Zähler.
Die T-Aktie stand im späten Handel im Mittelpunkt in Frankfurt und verlor deutlich. Der US-Konzern Liberty Media berät eigenen Angaben zufolge noch über mögliche Konzessionen an das Bundeskartellamt in der Frage der Übernahme des TV-Kabelnetzes von der Telekom. "In diesem Marktumfeld ist das schlecht für die Aktie (der Telekom), die sowieso angeschlagen ist", sagte Aktienstratege Guiseppe Amato von Lang & Schwarz. "Eine Katastrophe wäre das für die Telekom aber nicht." Die Wettbewerbshüter hatten Liberty in einer Abmahnung mitgeteilt, die Transaktion werde in ihrer derzeitigen Form nicht genehmigt. Das Geschäft hätte ein Volumen von 5,5 Milliarden Euro. Die T-Aktie schloss 3,2 Prozent schwächer bei 15 Euro. Zudem wurden die Titel von einer Meldung der Ratingagentur Fitch belastet, das Kreditrating herabzustufen.
Die im Nebenwerte-Index MDax gelisteten Titel von ProSieben sprangen in der Spitze um 23 Prozent. "Die (ProSieben) werden jetzt wohl verkauft werden müssen", sagte ein Aktienhändler mit Blick auf die Liquiditätsprobleme der mit rund sechs Milliarden Euro verschuldeten Kirch-Gruppe. Einige Anleger positionierten sich bereits für weiter steigende Kurse. In der Regel wird bei Unternehmensverkäufen ein Aufpreis auf den aktuellen Kurs gezahlt. Am Dienstag hatte es aus Bankenkreisen geheißen, Kirch werde wahrscheinlich keine weiteren Kredite erhalten. Die Titel schlossen 16,3 Prozent fester bei 6,50 Euro.
Im Dax gehörten derweil die Aktien von Eon mit einem Minus von 1,4 Prozent auf 57,80 Euro zu den größten Verlierern. Die Investmentbank Goldman Sachs hatte den Energieriesen zuvor von ihrer Empfehlungsliste für Privatkunden genommen. Empfohlen wurde stattdessen Schering . Deren Papiere legten um 2,9 Prozent auf 66,40 Euro zu.
An der Spitze der Kursverlierer standen allerdings die Aktien des Softwarekonzerns SAP, die um 3,5 Prozent auf 148,99 Euro nachgaben. Marktteilnehmer konnten allerdings keinen klaren Grund für diese Entwicklung ausmachen.
Gefragt waren die Papiere von BMW , die um 2,1 Prozent auf 40,86 Euro zulegten. Der Autobauer hatte in der Nacht zum Freitag mitgeteilt, den weltweiten Fahrzeugabsatz im Januar gegenüber dem Vorjahresmonat um 18,7 Prozent auf 77.807 Einheiten gesteigert zu haben. "Das zeigt die stabile Nachfrage nach Luxusautos auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten", sagte ein Börsianer. Auch die Titel der übrigen Hersteller zogen an. Der Branchenindex für Automobilsektor im Dax erhöhte sich um 1,4 Prozent.
Im MDax zog neben ProSieben auch der krisengeschüttelte Motorenhersteller Deutz die Aufmerksamkeit auf sich, dessen Aktien um 20,1 Prozent auf 2,69 Euro in die Höhe sprangen. Einem Medienbericht zufolge will das Unternehmen in diesem Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben.
Lustloser Handel am Neuen Markt
"Der Handel ist lustlos und die Indizes sind allein von der Charttechnik angeschlagen", begründete ein Händler die Zurückhaltung der Börsianer. Der Skandal um den US-Energieriesen Enron würde die Stimmung noch immer belasten und auch die Unsicherheit bei der Kirch-Mediengruppe trüge nicht zu einer besseren Stimmung bei. "Ich glaube die Märkte saufen im Februar noch mal richtig ab", sagte ein anderer Börsianer. Die guten Nachrichten würden nach wie vor fehlen und "die Börse erfüllt nun einmal keine Wünsche".
Den anhaltenden Abwärtstrend konnten die Aktien von Dialog Semiconductor und Adva erst einmal stoppen. Der Titel von Dialog, einem Hersteller von integrierten Schaltkreisen, zog um 7,2 Prozent auf 5,05 Euro an. Die Anteilsscheine von Adva, das Unternehmen stellt Geräte im Bereich der optischen Kommunikation her, gewannen unter hohen Umsätzen zwei Prozent auf 4,02 Euro.
Die Aktie des Impfstoffherstellers Rhein Biotech kletterte um 4,4 Prozent auf 53,80 Euro. Der Aktienkurs war an den Tagen zuvor unter Druck geraten und hatte am Vortag um fast ein Fünftel des Wertes geschwankt.
Kurs des Euro gestiegen
Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs des Euro bei 0,8740 (Donnerstag: 0,8664) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,1442 (1,1542) Euro. Gegen Handelsschluss in Deutschland kostete die Einheitswährung 0,8734 Dollar. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6183 (0,6149) Pfund, 117,46 (115,74) Yen und 1,4722 (1,4722) Schweizer Franken fest.