Börsenschluss T-Aktie unter zehn Euro
Frankfurt am Main Eine Welle von Warnungen vor enttäuschenden Finanzergebnissen von US-Technologieunternehmen hat am Mittwoch die Aktienbörsen in den USA und Deutschland belastet. Der Dow Jones hatte zwischenzeitlich sogar kurz in der Pluszone gestanden, um am Abend nach einem folgenschweren Anschlag in Jerusalem wieder abzurutschen.
Zum Handelsschluss in Deutschland präsentierte sich der Index 0,9 Prozent schwächer auf 9614 Punkte. Der Index für die US-Technologiebörse, der Nasdaq Composite, stand gegen 20 Uhr mit 1,8 Prozent auf 1515 Punkten im roten Bereich, fiel dann aber weiter ab.
Schon vor Börsenbeginn hatten Analysten erklärt, die Welle von schlechten Nachrichten führender US-Technologiefirmen nach Börsenschluss am Dienstag habe einen Schock an den Märkten weltweit bewirkt. Die Hoffnungen auf eine Erholung der amerikanischen Unternehmensgewinne in näherer Zukunft seien dadurch zerstört worden.
Unter den Technologiewerten brachen die Aktien des PC-Herstellers Apple und des weltweit zweitgrößte Chipproduzent AMD deutlich ein. Die beiden Konzerne hatten am Dienstag nach Börsenschluss wegen anhaltender Nachfrageschwäche ihre Geschäftsprognosen für das laufende Quartal gesenkt. In New York verloren AMD zuletzt rund 12,70 Prozent auf neun Dollar. Apple rutschten um rund 14 Prozent auf 17,36 Dollar ab. Die Papiere des Softwareherstellers Oracle verzeichneten noch ein Plus von rund einem Prozent auf 9,07 Dollar. Oracle erwarte für das laufende Quartal einen Rückgang beim Gewinn.
Händlern zufolge wurde der Technologiesektor zudem durch eine gerichtliche Aufforderung an Micron Technologies belastet, Informationen für eine landesweite Untersuchung des US-Justizministeriums wegen möglicher wettbewerbswidriger Praktiken der DRAM-Hersteller zur Verfügung zu stellen. Micron-Aktien verloren gegen 20 Uhr in New York mehr als zwölf Prozent auf 20,70 Dollar.
Die deutschen Aktienmärkte konnten sich zum Handelsschluss von ihren Tiefständen teilweise erholen, notierten aber weiter im roten Bereich. Der Dax gab 1,8 Prozent auf 4354 Zähler nach. Am Neuen Markt schloss der Auswahlindex Nemax 50 4,5 Prozent leichter auf 650 Punkten und damit auf Tagestief. Der M-DAX aus 70 mittelgroßen Werten war um 1,34 Prozent schwächer bei 4029 Zählern. Technologiewerte im Dax konnten ihre Verluste begrenzen, zählten aber weiter zu den größten Verlierern. Die Aktie der Deutschen Post legte eine beachtliche Kehrtwende hin und gehörte zu den größten Gewinnern im Dax.
T-Aktie rauschte zum Schluss immer tiefer
T-Aktie schließt unter zehn Euro
Die T-Aktie wurde kurz vor Handelsschluss regelrecht ausgezählt und gab schließlich 5,20 Prozent auf 9,86 Euro ab. Damit schloss der Titel nur wenig über seinem Allzeittief von 9,71 Euro. Die Börse honorierte nicht, dass die Telekom sich, wie am frühen Abend bekannt wurde, von ihren France Telecom-Anteilen getrennt hat. Der Verkaufserlös der rund 20 Millionen France Telecom-Aktien habe rund 300 Millionen Euro betragen und solle vollständig zur Rückführung der Schulden eingesetzt werden, teilte das Unternehmen in Bonn mit. Die Aktie von France Telecom schlossen in Paris mit 15 Euro um 7,89 Prozent unter dem Vortagesschlusskurs. Zuvor waren sie auf ein Allzeittief von 14,85 Euro gefallen.
Infineon ließ mächtig Federn
Technologiewerte standen durch die Bank auf den Verkaufslisten der Investoren. Infineon-Titel rutschten um 4,82 Prozent oder 16 Euro ab. Das Tagestief hatte bei 15,52 Euro gelegen. Die Meldung, dass die Kosten bei Speicherchips schneller als geplant gesenkt würden, gehe angesichts der Gewinnwarnung von AMD unter, sagte ein Händler.
Epcos-Aktien verloren 1,84 Prozent auf 34,60 Euro abbauen. Hier lag das Tagestief bei 32 Euro, womit die Aktie zugleich ein neues Jahrestief markiert hatte. Die Papiere des Herstellers elektronischer Bauelemente waren nach Angaben von Analysten wieder einmal unberechtigt in den großen "Halbleiterhut" geworfen worden. Siemens sanken um 3,52 Prozent. SAP zeigten sich am Mittwoch sehr schwankungsanfällig. Die Aktie ging mit Verlusten von 1,45 Prozent auf 103,49 Euro aus dem Handel. Das Tagestief lag bei rund 100 Euro und markierte damit zugleich den Tiefstand in diesem Jahr.
Bei MLP sackten die Anleger die kräftigen Kursgewinne des Vortages ein. Das Papier schloss fünf Prozent schwächer auf 34 Euro. Die Aktien der HypoVereinsbank gaben mehr als vier Prozent ab auf 31,38 Euro. Börsianer erklärten die Verluste mit negativen Analystenkommentaren von ING Barings.
"Aktie Gelb" erholt sich von Kurssturz
Aktien der Deutsche Post kehrten den Trend aus dem schwachen Mittagsgeschäft um und stiegen um 1,76 Prozent auf 13,85 Euro an. Zwischenzeitlich war die Aktie mit 13,07 Euro auf den tiefsten Stand in diesem Jahr gefallen. Die Deutsche Post soll nach einer Entscheidung der EU-Kommission unerlaubte Beihilfen in Höhe von 572 Millionen Euro an den deutschen Staat zurückzahlen. Die Post kündigte dagegen umgehend eine Klage beim Europäischen Gericht an. Diesem Widerspruch werden auf dem Parkett gute Erfolgsaussichten bescheinigt, begründeten Händler die späten Kursgewinne.
Aktien der Lufthansa stiegen am Tag der Hauptversammlung um 1,07 Prozent auf 14,20 Euro. Nach einem Krisenjahr 2001 steuert die Fluggesellschaft nun ein deutlich besseres Ergebnis an. Für 2002 wird nach 28 Millionen Euro im Vorjahr nun ein operativer Gewinn von 400 Millionen Euro angestrebt, wie Konzernchef Jürgen Weber am Mittwoch bei der Hauptversammlung in Köln sagte.
Münchener Rück punktet nach Vortagesverlusten
Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählten auch Münchener Rück , die knapp ein Prozent auf 221 Euro vorrückten. Das Papier hatte am Vortag nach Gerüchten über eine Platzierung von rund acht Millionen Münchener-Rück-Aktien durch die Deutsche Bank mehr als vier Prozent verloren.
Cargolifter gefragt Mobilcom kann punkten
Rettung für Cargolifter?
Im M-Dax notierte Aktie von Cargolifter verzeichnete Kursaufschläge von knapp 15 Prozent auf 1,17 Euro und setzte damit den Aufwärtstrend fort. Das Land Brandenburg hatte am Vortag dem insolventen Luftschiffbauer eine Soforthilfe von 4,15 Millionen Euro gewährt, mit der die Infrastrukturkosten des Luftschiffbauers vorerst gesichert sind.
Die WCM-Aktie gab ihre Gewinne wieder ab und schloss mit Verlusten von rund einem Prozent auf 7,08 im Plus. Zeitweilig hatten die Kursaufschläge mehr als vier Prozent betragen. Am Vortag war die Aktie eingebrochen, nachdem ein Investmenthaus aus der Schweiz eine negative Analyse herausgegeben hatte. WCM-Chef Roland Flach spricht von gezielter Manipulation und will gegen die United Zurich Finance AG eine Klage einreichen. Die Analyse sei geschäftsschädigend, sagte Maren Moisl, Sprecherin der Beteiligungsgesellschaft. Die WGZ-Bank hat am Mittwoch das Papier zum Kauf empfohlen.
Neuer Markt deutlich unter Druck
Am Neuen Markt sorgten die schlechten Unternehmensnachrichten für deutlichen Verkaufsdruck. Mobilcom konnte sich mit Kursgewinnen von zuletzt 2,41 Prozent auf 8,50 Euro gegen den Negativ-Trend stemmen.
Morphosys-Titel erlebten einen turbulenten Tag. Nach Kursgewinnen am Vormittag rutschte das Papier am Nachmittag mit mehr als vier Prozent ab und drehte am Abend wieder. Zum Handelschluss verbuchte die Aktie ein Kursplus von rund zwei Prozent auf 22,52 Euro. Das Biotech-Unternehmen hat ein europäisches Patent für seine Antikörper-Bibliothek HuCAL erhalten, wie die Gesellschaft am Mittwoch in Martinsried mitteilte. Sowohl in den USA als auch in Australien seien bereits HuCAL-Patente erteilt worden. Zusätzliche Teilanmeldungen seien derzeit noch in verschiedenen Ländern anhängig. Nachrichtenlos kletterten Rhein Biotech um 2,35 Prozent auf 53,90 Euro.
Aktien von ACG gaben mehr als sieben Prozent auf rund drei Euro nach. Der Chip- und Chipkartenhändler will sich noch in diesem Jahr von seiner Produktion von Smartcards trennen. "Das Ziel ist ein Verkaufspreis von 40 Millionen Euro", sagte Vorstandschef Cornelius Boersch der "Financial Times Deutschland". Zwei Investmentbanken seien mit dem Verkauf beauftragt.
Euro deutlich über 95 Cent
Der Kurs des Euro ist am Mittwoch gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9561 (Dienstag: 0,9484) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0459 (1,0544) Euro. Zuletzt kletterte die Gemeinschaftswährung auf 0,9563 Dollar.
Der Euro profitiere von der Unsicherheit an den Aktienmärkten in den USA, sagten Händler. Die europäische Währung dürfte im Verhältnis zum Dollar so lange weiter zulegen, bis die Zweifel an der Bilanzierungspraxis in den USA und die Unsicherheit über die künftige Wirtschaftsentwicklung ausgeräumt seien, sagte Devisen-Experte Takashi Fujieda bei der Mizuho Asset Trust Bank.