Börsenschluss: Technologiewerte glänzen - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Technologiewerte glänzen

Angetrieben von den Techtiteln hat der Dax deutlich fester geschlossen. Börsianer bleiben jedoch skeptisch und warnen vor einem erneuten Abtauchen der Aktienmärkte.
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Frankfurt am Main – Der Dax hat nach einem unruhigen Handelsverlauf rund 2,5 Prozent fester auf 3090 Punkten geschlossen. Die im MDax zusammengefassten Nebenwerte stiegen um durchschnittlich 1,6 Prozent und hoben den Index auf 3045 Zähler. Am Neuen Markt ging der Nemax 50 auf 423 Punkten aus dem Handel, ein Plus von 0,3 Prozent.

Trotz der kräftigen Erholung blieben viele Börsianer skeptisch: "Unser Problem ist, dass die Konjunktur nicht anspringt, wie man das in einer solchen Situation eigentlich erwarten sollte", brachte der Analyst Giuseppe Amato von Lang & Schwarz die Sorgen der Börsianer auf den Punkt. Er sei eher pessimistisch, da der langfristige Abwärtstrend des Dax noch intakt sei.

Die Dax-Verluste der vergangenen Tage seien eine Korrektur des Kursanstiegs von rund 600 Punkten in den vorangegangenen beiden Wochen, sagte ein anderer Händler. Die Erholung sei zu schnell erfolgt. Die Tatsache, dass die Kurse weiterhin so stark schwankten, deute auf das Risiko eines erneuten Kursrutsches hin. Der VDax, der über die erwartete Schwankungsbreite des Börsenbarometers Auskunft gibt, lag trotz eines Rückgangs von knapp drei Prozent immer noch auf dem hohen Niveau unmittelbar nach den Anschlägen vom 11. September 2001.

US-Börsen ziellos

In den USA rutschten die Börsen im Verlauf in die Minuszone. Der Dow Jones notierte eineinhalb Stunden vor Handelsschluss rund 1,1 Prozent schwächer auf 8401 Punkten. Der Nasdaq verlor 0,4 Prozent auf 1314 Zähler.

Zuvor wurden gute Konjunkturnachrichten veröffentlicht. In den USA ist in der vergangenen Woche die Zahl der Anträge auf Arbeitslosenhilfe überraschend unter die Marke von 400.000 gesunken. Die Zahl der Erstanträge habe sich in der Woche bis 19. Oktober um 25.000 auf saisonbereinigt 389.000 verringert, teilte das US-Arbeitsministerium mit. Volkswirte hatten im Durchschnitt mit einem Rückgang um 7000 auf 404.000 gerechnet.

HypoVereinsbank bleibt unter Druck

Nach den Abgaben des Vortages führten die Technologiewerte die Erholung in Frankfurt an, mit Abstand gefolgt von ausgewählten Finanztiteln. Die HypoVereinsbank   deren schlechte Zahlen am Mittwoch die Kurse aller Finanztitel mit nach unten gezogen hatten, verharrten im Minus und gaben 1,9 Prozent auf 13,94 Euro ab. Damit drückten sie auch etwas auf Münchener Rück  . Die Aktien des größten Einzelaktionärs der HypoVereinsbank entwickelten sich unterdurchschnittlich und legten nur um 1,4 Prozent auf 129,32 Euro zu.

Allianz   dagegen verbesserten sich um drei Prozent auf 102,70 Euro. Und auch die übrigen Banken zeigten sich fester: Commerzbank   stiegen um 3,3 Prozent auf 6,97 Euro und Deutsche Bank   um 2,3 Prozent auf 44,00 Euro. Das Institut hat seine Beteiligung an der Deutschen Börse   verkauft. Diese stiegen im MDax um 6,2 Prozent auf 37,00 Euro. Denn die Chancen auf eine Dax-Aufnahme des Titels seien mit dem höheren Streubesitz gestiegen, hieß es.

Bei MLP   gibt es Händlern zufolge noch Potenzial. Am Donnerstag erholte sich der Wert von den starken Verlusten des Vortages. Der Kurs kletterte dabei über die Marke von 13 Euro. Der nächste Widerstand liege nun bei 14,10 Euro, hieß es. Dann gebe es Luft bis auf 15,70 Euro. Doch der Kurs könnte auch sehr schnell 20 Euro erreichen, meinte ein weiterer Marktteilnehmer "Institutionelle Anleger sind fast nicht mehr in MLP investiert", sagte er Daher gebe es auf dieser Seite Nachholbedarf. Wenn Fonds wieder einsteigen würden, könnte das die Aktie stark antreiben. MLP legten um fünf Prozent auf 13,34 Euro zu.

Technologiewerte führen den Dax an

Deutlich im Plus lagen nach den guten Vorlagen aus den USA und den Zahlen von STMicroelectronics   auch ausgewählte Technologiewerte. Hier kletterten Tagessieger Infineon   um zehn Prozent auf 9,15 Euro und Epcos   um vier Prozent auf 9,06 Euro. Damit trotzten die Titel einer deutlichen Abstufung durch UBS Warburg. Die Analysten hatten das Kursziel von Epcos auf acht Euro von 25 Euro gesenkt und Infineon auf "Sell" von zuvor "Hold" zurückgestuft. Gleichzeitig wurde hier das Kursziel auf acht Euro von 14 Euro reduziert. SAP   legten um 7,2 Prozent auf 74,60 Euro zu.

Die Probleme von ABB   sind möglicherweise gute Neuigkeiten für Siemens   sagte James Stettler, Analyst von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Während ABB rudere, habe Siemens die Chance, weitere Marktanteile zu erobern. Denn in der momentanen finanziellen Lage habe ABB wenig Chancen, große Aufträge an Land zu ziehen. Siemens gewannen 4,4 Prozent auf 41,77 Euro.

T-Aktie: Dividende könnte ausfallen

Auch die Aktien der Deutschen Telekom   notierten erneut sehr fest. Sie verbesserten sich um 4,4 Prozent auf 10,86 Euro. Mit dem von der Deutschen Telekom erwogenen Ausfall der Dividende sehen Händler die Aktionäre in einer "Win-win-Situation". Eigentlich sei für die Aktionäre eine Dividendenzahlung zwar positiv, allerdings würden sie auch profitieren, wenn stattdessen die Schulden abgebaut würden. Das könnte dem Kurs sogar mehr helfen, daher wäre der Gewinn der Aktionäre vermutlich höher. Auch charttechnisch sehe die T-Aktie gut aus. Der Abwärtstrend bei 10,30 Euro sei überwunden, nun läge im Bereich elf Euro eine Widerstandszone. Zudem gebe es immer noch Spekulationen, dass es von den UMTS-Lizenzgebühren eine Mehrwertsteuer-Erstattung geben könnte.

Adidas Salomon   sind charttechnisch auf dem Weg zur Widerstandsmarke im Bereich 80 Euro, sagte ein Händler. Der Kurs habe im September und Oktober einen klassischen Doppelboden im Bereich 63/64 Euro ausgebildet. Seit Mitte Oktober ging es dann steil nach oben. Der längerfristige Abwärtstrend im Bereich 70 Euro sei überwunden worden. Die Aktien stiegen um vier Prozent auf 78,03 Euro.

Merck schließt trotz schwacher Zahlen fest - Nemax 50 nimmt 450-Punkte-Marke ins Visier

Merck nach schwachen Zahlen im Minus

Die Aktien des Darmstädter Pharma- und Spezialchemieunternehmens Merck KGaA   gehörten trotz schwacher Zahlen zum dritten Quartal zu den Gewinnern im MDax. Die Aktie, deren Kurs sich seit Anfang des Jahres halbiert hat, legte bis zum Handelsschluss um 6,2 Prozent auf 21,84 Euro zu. Für Merrill Lynch-Analyst Andreas Schmidt lagen die Zahlen im Rahmen der Erwartungen. "Es gibt jedoch derzeit keinen Anlass, warum die Aktie sich von den Tiefs erholen sollte", sagte Schmidt, der das Papier weiter mit "Neutral" einstuft.

Nemax 50 nimmt 450-Punkte-Marke ins Visier

Der Neue Markt hat sich nach einem kurzen Abrutschen im Mittagshandel bis zum Schlussgong wieder gefangen. Händler äußerten sich zufrieden über den robusten Markt. Es stelle sich nun die Frage, ob der wichtige Widerstand bei 450 Stellen im Nemax 50 in den kommenden Tagen genommen werden kann. Wenn dem nicht so sei, sei mit einer weiteren Konsolidierung zu rechnen Allerdings könnte die positive Stimmung der Investoren schnell kippen, hieß es.

Unter den Einzeltiteln standen SCM Microsystems   nach negativen Zahlen unter Druck. Die Aktie verlor über zwölf Prozent auf 7,95 Euro. Die Zahlen für das dritte Quartal haben die Erwartungen nicht erfüllt, daneben hat SCM eine Umsatzwarnung ausgesprochen. SES Research stufte den Titel in der Folge auf "Marketperformer" von "Outperformer" zurück. Das Geschäft von SCM werde durch die schwache Konjunktur und die mangelnde Investitionsbereitschaft insbesondere im Bereich Digital-TV belastet, hieß es von SES.

Morphosys nach Sachkapitalerhöhung schwächer

Morphosys-Aktien   verloren nach der Bekanntgabe einer Sachkapitalerhöhung zu Gunsten des US-Unternehmens Xoma um 2,3 Prozent auf 10,94 Euro. Der Spielraum für Morphosys zur Gewinnung eines strategischen Investors werde dadurch laut den Analysten von M.M. Warburg enger. Für die 7,7 Prozent des bisherigen Aktienkapitals, die zur Begleichung einer Lizenzzahlungsverpflichtung ausgegeben worden seien, sei keine Haltefrist vereinbart worden. Angesichts der sich abzeichnenden Verschärfung der Liquiditätsprobleme bei Morphosys sei damit zu rechnen, dass Xoma einen schnellstmöglichen Verkauf der Aktien anstrebt.

Nikkei schließt im Minus

Die Aktienbörse in Tokio hat am Donnerstag schwach geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte gab um 100 Punkte oder 1,2 Prozent auf 8614 Zähler nach. Der breit angelegte Topix fiel um 6,7 Punkte oder 0,7 Prozent auf 859 Zähler.

Investoren warten mit Spannung auf ein von der reformorientierten Regierung geplantes Maßnahmenpaket zur beschleunigten Lösung der Schuldenkrise im Bankensektor und zur Bekämpfung des Preisverfalls. Zudem laste die wachsende Unsicherheit über die erwarteten Bankenreformpläne der japanischen Regierung auf dem Markt, sagten Händler. Die Gewinne der US-Börsen vom Vorabend konnten dem Handel in Tokio keinen Auftrieb verleihen.

Der japanische Wirtschaftsminister Heizo Takenaka hatte die für Dienstag vorgesehene Veröffentlichung seines Entwurfs zur Reform des maroden Bankensystems wegen des politischen Widerstands auf Ende des Monats verschoben.

Euro etwas schwächer

Der Kurs des Euro ist am Donnerstag gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9738 (Mittwoch: 0,9775) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0269 (1,0230) Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6295 (0,6313) britische Pfund, 121,08 (121,17) japanische Yen und 1,4675 (1,4662) Schweizer Franken fest.