Börsenschluss Techwerte auf Höhenflug
Frankfurt am Main - Der Dax hat am Freitag etwas leichter geschlossen Dabei wurden die zwischenzeitlichen Verluste aber deutlich verringert. Die geringe Neigung zu umfangreicheren Gewinnmitnahmen spreche für die weiterhin optimistische Stimmung der Marktteilnehmer, hieß es. Auch der Umstand, dass die Volumina auf dem Weg nach unten deutlich geringer gewesen seien und mit dem vorübergehenden Dreh ins Plus wieder angezogen hätten, sei positiv zu bewerten. Der Dax gab bis zum Schluss 0,3 Prozent oder neun Punkte auf 3164 Zähler ab.
Händler fügten hinzu, die Verkäufe seien vor allem technisch bedingt gewesen. Der Dax habe unterhalb des starken Widerstandsbereichs bei 3200 Punkten eine Verschnaufpause eingelegt, resultierend aus den Tiefs vom August und Juli 2002. In der Eröffnung hatte er den Widerstandsbereich erstmals seit mehreren Wochen wieder angelaufen.
Wall Street notiert uneinheitlich
Mit uneinheitlicher Tendenz zeigten sich die Aktienkurse im Verlauf an der Wall Street. Bis 20.15 Uhr MESZ gewann der Dow-Jones-Index 0,4 Prozent auf 8304 Punkte, notierte zuvor jedoch schon deutlich im Minus. Der Nasdaq-Composite-Index stieg um 0,9 Prozent auf 1283 Zähler. Der Markt bewegte sich zwischen negativem und positivem Terrain hin und her. Die Anleger seien verunsichert, da die Berichtssaison bisher keine eindeutige Tendenz bei den Unternehmensergebnissen gezeigt habe, sagten Händler. Dass die Abgabebereitschaft dennoch vergleichsweise gering sei, liege vermutlich an den guten Microsoft-Zahlen .
Microsoft verteuerten sich um 3,6 Prozent auf 52,50 Dollar. Der Kurs von EBay die ebenfalls gute Zahlen ausgewiesen hat, stieg um 2,1 Prozent auf 59,38 Dollar. Enttäuschende Zahlen hat dagegen Siebel Systems vorgelegt. Die Aktie büßte 15,2 Prozent auf 6,19 Dollar ein. Broadcom verbilligen sich um 16 Prozent auf 10,43 Dollar. Der Chiphersteller hat seinen Verlust im dritten Quartal zwar deutlich verringert, gleichzeitig jedoch von schwierigen Bedingungen berichtet. Broadcom will nun durch den Abbau von Arbeitsplätzen und geringere Investitionen ihre Kosten senken.
Sun Microsystems gaben vier Prozent auf 2,87 Dollar ab. Das Unternehmen hat am Vorabend einen überraschend starken Umsatzrückgang im ersten Quartal seines Geschäftsjahrs gemeldet. Sun will elf Prozent der Arbeitsplätze abbauen. Die Analysten sind damit aber nicht zufrieden. Sie hätten sich einen Stellenabbau in größerem Umfang gewünscht
Schering deutlich unter Druck
Größter Verlierer im Dax waren Schering , nachdem die US-Gesundheitsbehörde FDA ein Hormonpräparat des Pharmaherstellers zunächst nicht zugelassen hat. Der Kurs verlor daraufhin 12,4 Prozent auf 46,31 Euro.
Weiter aufwärts ging es dagegen mit ausgewählten Technologiewerten. Hier halfen günstige Zahlen von Microsoft den Kursen auf die Beine. So stiegen SAP um weitere 5,1 Prozent auf 72,65 Euro, Epcos um 11,4 Prozent auf 10,19 Euro und Infineon um 6,9 Prozent auf 8,37 Euro.
Wieder wilde Gerüchte um die Commerzbank
Wieder aufgewärmt wurde ein altes Gerücht: Die Vergrößerung des Spreads zwischen Commerzbank und HypoVereinsbank (HVB) sah ein Händler als Folge von Spekulationen, die Bayern wollten den Frankfurter Konkurrenten übernehmen "Dann muss man Commerzbank kaufen und HypoVereinsbank verkaufen", hieß es Das Gerücht wurde diesmal aufgegriffen von der Zeitschrift "Capital". Doch nicht alle Marktteilnehmer teilten diese Auffassung: Einem anderen Händler zufolge lockt das Gerücht "doch keinen Hund mehr hinterm Ofen vor" Commerzbank legten um 0,8 Prozent auf 8,01 Euro zu und HypoVereinsbank gaben 2,3 Prozent auf 16,91 Euro ab.
Etwas nach unten ging es mit TUI , die 1,6 Prozent auf 17,51 Euro abgaben Der erneute starke Verlust von MyTravel am Freitag belastete nach Ansicht von Händlern das Sentiment für die Reisebranche. "TUI ist nicht MyTravel, aber die leiden auch darunter", meinte ein Beobachter. Dabei lägen bei dem deutschen Ferienunternehmen eher Gewinnmitnahmen vor. Schließlich sei der Wert innerhalb weniger Handelstage auf fast 18 Euro von knapp unter 14 Euro hoch geschossen, ein Gewinn von über 25 Prozent. Daher sei der leichte Verlust keine Überraschung. Deutliche Widerstände lägen bei 19,50/20,00 Euro unterstützt sei der Kurs bei 16 Euro.
Deckungskäufe stützen WCM
In der zweiten Reihe profitierten WCM laut Händlern von Deckungskäufen Die Titel legten um 7,8 Prozent 2,78 Euro zu. Agiv Real Estate verzeichneten hingegen starke Verluste. Händler wiesen aber darauf hin, dass das Volumen sehr gering sei, nur etwa eine knappe halbe Millionen Euro wurden in dem Wert bewegt. "Da genügt dann eine größere Verkaufsorder, um den Rutsch auszulösen", hieß es. Eine wichtige Unterstützung liege beim Jahrestief von 3,27 Euro, einen Widerstand gebe es bei 4,00 Euro. Die Aktie gab 7,5 Prozent auf 3,85 Euro ab.
Neuer Markt schließt fester - weiterer Anstieg erwartet
Neuer Markt schließt fester - weiterer Anstieg erwartet
Der Neue Markt präsentierte sich fester. Der Nemax-50 gewann 0,6 Prozent oder drei Stellen auf 427 Punkte. Der Nemax-All-Share erhöhte sich um 0,5 Prozent auf 466 Punkte. Nachdem das Segment dank der sehr guten Quartalszahlen von Microsoft nach Börseneröffnung zunächst haussierte, verringerten sich die Gewinne im Verlauf etwas. Händler nahmen die verlangsamte Aufwärtsbewegung mit Erleichterung zur Kenntnis: "Das hat mir schon Angst gemacht, so schnell wie sich der Markt erholt hat, so ein Händler.
Eine Konsolidierungsphase sei in dem stark überkauften Markt überfällig. Dennoch glauben viele Teilnehmer noch nicht an ein Ende der Rallye. Auch die robuste Verfassung die US-Märkte, die nach dem Höhenflug am Vortag weiter zulegen konnten, spreche für eine umfassendere Bärenmarktrallye.
Bei Mobilcom "blickt keiner mehr durch"
Im Blickpunkt des Anlegerinteresses standen Mobilcom nach Berichten über einen Schuldenerlass durch France Telecom . Darauf verdoppelte sich das Papier zunächst im frühen Handel. Der Kurs kam allerdings deutlich zurück nachdem France Telecom entsprechende Meldungen dementierte. Händler zeigen sich ratlos angesichts der sich widersprechenden Nachrichten. "Bei Mobilcom blickt keiner mehr durch", hieß es.
SES Research hielt das Dementi der Franzosen für glaubhaft. Ein Erlass mache aus ökonomischen Gesichtspunkten überhaupt keinen Sinn, so der zuständige Analyst Klaus Baumann im Gespräch mit vwd. Es gebe keinen Grund trotz Schadensersatzansprüchen freiwillig auf Forderungen von über sieben Milliarden Euro zu verzichten. Die Aktie gewann 34,8 Prozent auf 3,91 Euro.
Thiel Logistik überraschend stark
Händler zeigten sich überrascht über den Kursanstieg von Thiel Logistik . Das Papier rückte um 19,8 Prozent auf 4,54 Euro vor. Das Unternehmen will den Aktionären von Microlog Logistics ein freiwilliges öffentliches Kaufangebot von 16,50 Euro je Aktie unterbreiten. "Normalerweise geht der Kurs des Käufers nach einer solchen Ankündigung nach unten", so ein Händler. Dass dem nicht so sei, stehe möglicherweise im Zusammenhang mit der eigenen Übernahme von Thiel. Möglicherweise belaste der Kauf die Kasse ja nicht wie gedacht.
Analysten halten das allerdings für unwahrscheinlich. Die Gewinne könnten unter anderem mit einer Hochstufung von M.M. Warburg auf "Halten" in Zusammenhang stehen. Der neue Konzern werde nach ersten Berechnungen 2003 einen Umsatz von knapp zwei Milliarden Euro erzielen. Vor Integrationskosten dürfte die Ebit-Marge nach ersten Schätzungen bei ungefähr drei Prozent liegen, so dass der neue Konzern ein positives Ergebnis erzielen dürfte. Microlog verteuerten sich um 24,7 Prozent auf 16,06 Euro.