Börsenschluss: Techwerte stützen Dax - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Techwerte stützen Dax

Der Dax hat trotz zum Teil sehr schwacher US-Konjunkturdaten behauptet geschlossen. Zu dem versöhnlichen Abschluss trugen vor allem Zugewinne bei den Technologiewerten bei. MLP dagegen gaben nach schwachen Zahlen ab.
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Frankfurt – Trotz schwacher US-Konjunkturdaten hat sich der Dax am Freitag achtbar geschlagen. Nach der Bekanntgabe der US-Lagerbestände und Erzeugerpreise sowie der Industrieproduktion war der Index am frühen Nachmittag deutlich ins Minus gedreht. Ein überraschend starker Anstieg des Indexes des US-Verbrauchervertrauens hellte die Stimmung aber wieder ein wenig auf.

Der Dax ging mit einem leichten Plus von 0,1 Prozent auf 3191 Zähler ins Wochenende. Am Neuen Markt gab der Nemax50 0,2 Prozent auf 426 Punkte ab. Nach der Präsentation enttäuschender Geschäftsergebnisse verloren die Aktien von MLP  . Auch die Titel von Eon   und RWE   litten Händlern zufolge unter ihren am Vortag vorgelegten Zahlen.

Zu Handelsschluss in Deutschland notierte der Dow Jones mit 0,3 Prozent in der Verlustzone und verbuchte 8517 Punkte. Der Nasdaq Composite präsentierte sich 0,6 Prozent schwächer auf 1403 Zählern.

Intel und GE nach Analystenkommentaren im Minus

Die Aktien des weltweit größten Chipherstellers Intel   gaben 4,40 Prozent auf 18,36 Dollar nach. Zuvor hatte die Investmentbank Merrill Lynch ihre Bewertung der Papiere auf "Verkaufen" von "Neutral" herabgesetzt. Die Aktien von General Electric   gaben mehr als drei Prozent nach, nachdem JP Morgan Securities ihre Bewertung der GE-Titel auf "Untergewichten" und das Kursziel der Aktie gesenkt hatte. Die 2003er-Prognose für den Gewinn je Aktie setzten die Experten auf 1,60 Dolalr 1,70 Dollar zurück. Die Analysten rechnen mit einem nachlassenden Gewinnwachstum im industriellen Kerngeschäft von GE für 2003 und 2004, begründeten sie diesen Schritt.

Märkte hatten mehr von Dell erwartet

Auf der Verliererseite standen auch die Titel des Computerkonzerns Dell  . Die am Vortag nach Börsenschluss vorgelegten Zahlen des Unternehmens hatten im Rahmen der Erwartungen gelegen. Doch habe Dell in der Vergangenheit oft die Prognosen übertreffen können, erklärte ein Marktbeobachter. Offenbar hätten die Anleger doch insgeheim mehr erwartet, hieß es. Dell verloren knapp fünf Prozent auf rund 29 Dollar.

In den USA stiegen die Erzeugerpreise und die Lagerbestände jeweils stärker als erwartet. Sich füllende Lager weisen auf eine verhaltene Wirtschaftsentwicklung hin. Daneben sank die US-Industrieproduktion deutlicher, als von Analysten vorhergesagt. Für eine leichte Aufhellung der Stimmung sorgte jedoch der überraschend starke Anstieg des Indexes des US-Verbrauchervertrauens der Universität von Michigan.

Börsianer blicken optimistisch in die Zukunft

Über die unmittelbare Zukunft des deutschen Aktienmarktes äußerten sich die Börsianer insgesamt positiv. "Im Markt ist die Hoffnung, dass die Unternehmen alle Abschreibungen in das letzte Quartal gesteckt haben und es nun wieder aufwärts gehen kann", sagte Händler Martin Siegel von Sal. Oppenheim. "Es setzt sich langsam die Hoffnung durch, dass wir das Schlimmste überstanden haben", sagte auch Marktstratege Robert Halver von der Privatbank Vontobel. Zwölf von 30 Dax-Konzernen hatten in den letzten fünf Tagen ihre Quartalszahlen vorgelegt. Außerdem gebe es Hoffnung auf eine Zinssenkung in Europa, hieß es weiter.

Technologiewerte gewinnen dazu

Die Aktien des Dax-Absteigers Epcos   setzten ihre Erholung vom Vortag fort und verteuerten sich um 4,46 Prozent auf 12,41 Euro. Der Hersteller elektronischer Bauelemente hatte am Donnerstag zwar schwache Zahlen vorgelegt, sich jedoch optimistisch über die weiteren Aussichten geäußert. Damit hatte Epcos der gesamten Technologiebranche Auftrieb verliehen, hieß es. Die Titel des Börsenschwergewichts Siemens   stiegen am Freitag um 2,70 Prozent. Infineon   verteuerten sich um 3,42 Prozent auf 8,76 Euro.

Die Aktie der Allianz   dagegen war zuletzt rund ein Prozent ins Minus gerutscht. Die Aussicht, dass der Tiefpunkt bei dem Konzern nun überwunden sei, hatte den Wert gestern und zu Handelsbeginn am Freitag zunächst beflügelt, hieß es in Frankfurt. Münchener Rück   dagegen zogen noch um rund zwei Prozent auf 130 Euro an.

Analyst sieht in MLP-Aussagen eine Gewinnwarnung

Die Aktien von MLP   verloren derweil zwei Prozent auf 12,21 Euro. Der Finanzdienstleister verbuchte zwar einen Gewinnrückgang im Rahmen der Erwartungen, stellte gleichzeitig aber sein zuvor reduziertes Ziel eines Vorsteuergewinns von 100 Millionen Euro für 2002 in Frage.

"Das ist eine klare Gewinnwarnung", kommentierte ein Analyst einer deutschen Geschäftsbank, der namentlich nicht genannt werden wollte, die MLP-Aussage. Aus Unternehmenskreisen erfuhr Reuters inzwischen, dass das Ergebnis "mindestens" 90 Millionen Euro betragen werde.

Die Papiere der beiden Energieversorger Eon   und RWE   verbilligten sich um 1,2 Prozent auf 45,89 Euro beziehungsweise um 2,6 Prozent auf 30,55 Euro. Wegen hoher Abschreibungen hatten beide Unternehmen beim Reingewinn die Erwartungen der Analysten verfehlt. Nach Ansicht der Investoren haben RWE und Eon für ihre Akquisitionen in Großbritannien einen zu hohen Preis bezahlt, sagte der Fondsmanager Trudbert Merkel von der Deka Gruppe mit Blick auf die Kursverluste.

Mobilcom können rasanten Anstieg nicht fortsetzen

Nach ihrem rasanten Vortagesgewinn von rund einem Drittel lagen die Aktien von Mobilcom   am Neuen Markt 2,5 Prozent im Minus bei 5,85 Euro. Am Donnerstagabend hatte Hauptaktionär Gerhard Schmid im wochenlangen Streit um die Übertragung seiner Anteile an einen Treuhänder eingelenkt. Nun sei der Weg zur Rettung des angeschlagenen Telekom-Anbieters frei, hieß es unter Marktteilnehmern.

Comdirect: Hohe Kosten für den Umbau

Unbeeindruckt vom hohen Quartalsverlust des dritten Quartals sind die Aktien der Comdirect   zuletzt um noch um 1,40 Prozent auf 3,65 Euro geklettert. Restrukturierungskosten hatten das Ergebnis gedrückt. Allerdings hat die Commerzbank-Tochter für das Gesamtjahr einen operativen Gewinn in Aussicht gestellt.