Börsenschluss US-Aufschwung bleibt aus
Frankfurt am Main Der Dax hat am Donnerstag nach einer Berg- und Talfahrt leicht schwächer geschlossen. Der Blue-Chip-Index gab rund 0,3 Prozent auf 5348 Punkte nach. Mit einem Minus von ein Prozent auf 1018 Zähler ging der Nemax 50 aus dem Handel. Behauptet präsentierten sich die Nebenwerte: Der MDax kletterte leicht um 0,1 Prozent auf 4462 Punkte.
In den USA entwickelten sich die Börsen uneinheitlich: Zum Handelsschluss in Deutschland notierte der Dow Jones auf 10.403 Punkten, ein Minus von 0,9 Prozent. Die Nasdaq kletterte leicht um 0,3 Prozent auf 1839 Zähler.
Nachdem die am frühen Nachmittag veröffentlichten Arbeitsmarktdaten aus den USA Marktteilnehmern zufolge noch auf eine Erholung der Wirtschaft hingedeutet hatten, signalisierte später ein deutlich schwächer als erwartet ausgefallener Konjunkturindex der Federal Reserve Bank von Philadelphia eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in den USA. "Die Auftragseingänge sind massiv eingebrochen", kommentierte ein Börsianer den Index. Der Index des Auftragseingangs war im März auf 7,3 von 13,7 Punkten im Februar zurückgegangen.
MAN tauscht Vorzüge in Stämme
An die Spitze der Dax-Verlierer setzten sich die Aktien des Nutzfahrzeugherstellers MAN , die um 3,7 Prozent auf 28,50 Euro nachgaben. Das Unternehmen hatte zuvor mitgeteilt, dass MAN-Vorzugsaktionäre ihre Anteilsscheine in Stammaktien unter Zahlung einer Umwandlungsprämie von 3,30 Euro je Vorzugsaktie umtauschen können. "Da ist jetzt die Fantasie raus", sagte ein Frankfurter Händler und verwies auf Gewinnmitnahmen, nachdem die Titel in diesem Jahr mehr als 30 Prozent an Wert gewonnen hatten. Die Vorzugsaktien gaben um mehr als fünf Prozent auf 24,71 Euro nach.
Spekulationen, dass die Autohersteller BMW und Volkswagen ebenfalls ihre Vorzugsaktien in Stammaktien umwandeln könnten, beflügelten Händlern zufolge deren Titel. VW-Titel stiegen um knapp zwei Prozent auf 60,99 Euro, BMW zogen um knapp drei Prozent auf 47,41 Euro an. BWM-Papiere profitierten zudem von der Anhebung des Kursziels durch die Deutsche Bank auf 51 Euro von 42 Euro sowie die Anhebung der Gewinnprognose für den Autobauer durch Lehman Brothers.
Die Titel der Deutschen Bank gaben im um 1,2 Prozent auf 71,80 Euro nach. Die größte deutsche Bank, mit rund 20 Prozent an Holzmann beteiligt, hatte sich bis zuletzt für eine Sanierung des zweitgrößten deutschen Baukonzerns eingesetzt.
Eon: Powergen-Übernahme bis Mai
Die Aktie des Energieversorgers Eon verlor 2,7 Prozent auf 56,50 Euro. Händler werten die überraschend starke Anhebung der Dividende auf 1,60 Euro je Eon-Aktie als positiv. Der Energieversorger erwartet auch im laufenden Jahr eine Gewinnsteigerung. Mit der Übernahme der britischen Powergen rechnet Eon bis Mitte Mai diesen Jahres. Aber: Der Ausblick des Energiekonzerns sei zu vage gewesen, um den Kurs zu beflügeln, sagten Händler.
Neuer Markt: T-Online auf Höhenflug MobilCom schmiert ab
Im Fokus standen auch die Titel des Baukonzerns Holzmann , die zeitweise um mehr als 40 Prozent auf 2,72 Euro einbrachen. Holzmann hatte am Morgen mitgeteilt, die Gespräche mit den Banken über eine Rettung des Unternehmens seien gescheitert. Ab dem späten Nachmittag blieb die Aktie bis zum Ende des Tages vom Handel ausgesetzt. Zuletzt lagen die Papiere mehr als 20 Prozent im Minus bei 3,96 Euro. Das traditionsreiche Bauunternehmen Philipp Holzmann AG beantragte am Nachmittag wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenz.
T-Online trotz roter Bilanz deutlich im Plus
Bei relativ hohen Umsätzen legten sich die Aktien des Internet-Anbieters T-Online im Laufe des Tages mit einem Kursplus von über sieben Prozent an die Spitze des Nemax 50. Am Morgen hatte das Papier noch leicht im Minus notiert, nachdem die Tochter der Deutsche Telekom einen Jahresverlust von knapp 800 Millionen Euro präsentiert hatte.
"Dann aber kam die Nachricht, dass noch in diesem Jahr konzernweit die Gewinnschwelle angepeilt wird und die Umsätze beim Internetzugang zweistellig wachsen sollen. Das hat den Kurs hochgetrieben", sagte ein Händler. Zudem komme das operative Geschäft voran, sagte ein weiterer Händler. "Und das ist es, was zählt". Bis zum Abend gab das Papier allerdings den Großteil der Tagesgewinne wieder ab und notierte zum Handelsschluss 2,4 Prozent fester bei 13,16 Euro.
Advanced Medien kurzfristig vom Handel ausgesetzt
Am frühen Abend waren die Aktien der im Nemax All Share notierten Advanced Medien für etwa eine Stunde vom Handel ausgesetzt worden, nachdem sich ein Verdacht auf Scheingeschäfte zwischen dem früheren Vorstand und einem Abnehmer erhärtet hatte. Eine Sonderprüfung der Jahresabschlüsse 1999 und 2000 hatte ergeben, dass Geschäfte in Höhe von 39 Millionen Euro eigentlich nicht hätten ausgewiesen werden dürfen. Nach der Wiederaufnahme erholten sich die Aktien von ihren Tagestiefständen und stiegen bis Handelsende um 6,9 Prozent auf 0,31 Euro.
MobilCom auf Talfahrt
Einen Kurseinbruch von 21,7 Prozent auf 13,24 Euro verzeichneten die Aktien der MobilCom , nachdem das Unternehmen am Morgen für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Verlust von 205 Millionen Euro nach einem Fehlbetrag von etwa 90 Millionen Euro im Jahr 2000 gemeldet hatte.
Zudem ging der Streit bei MobilCom zwischen Vorstandschef Gerhard Schmid und seinem Großaktionär France Telecom in eine weitere Runde. Der Mobilcom-Chef hat seine Verkaufsoption über 33 Prozent seiner Unternehmensaktien gegenüber France Telecom ausgeübt. Der hoch verschuldete französische Telefonkonzern will die Aktien jedoch derzeit nicht haben.
Auch GPC Biochtech gaben nach Zahlen 2,7 Prozent auf 10,13 Euro ab: "Die Jahreszahlen von GPC Biotech sind weder außergewöhnlich positiv noch negativ", urteilte ein Händler einer Großbank. Und bei den relativ niedrigen Umsätzen seien solche Kursausschläge nicht bemerkenswert, fügte er hinzu.
Euro leicht gestiegen - Pause in Japan
Kurs des Euro stabil
Der Kurs des Euro ist minimal gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,8817 (Mittwoch: 0,8814) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,1342 (1,1346) Euro. Bis zum Handelsschluss kletterte die Einheitswährung auf 0,8827 Euro.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6180 (0,6196) Pfund, 116,56 (115,72) Yen und 1,4633 (1,4642) Schweizer Franken fest.
Feiertag in Japan
Auf Grund des Feiertages "Frühlingsanfang" in Japan blieben am Donnerstag Börsen, Banken und Behörden geschlossen: Die japanische Börse hatte bereits am Vortag kräftig nachgegeben. In Hongkong setzte der Hang-Seng-Index am Donnerstag seine Talfahrt fort.