Börsenschluss Verdiente Verschnaufpause
Frankfurt am Main Die deutschen Aktienmärkte haben sich am Dienstag nach den deutlichen Zugewinnen der vergangenen Handelstage eine Verschnaufpause gegönnt. Daran konnten auch die deutlich besser als erwarteten Konjunkturdaten aus den USA nichts ändern. Anleger machten Kasse und strichen einen Teil der Kursgewinne ein. Händler kommentierten die Verluste mit Gelassenheit, schließlich hatte der Dax seit Montag vergangener Woche knapp zwölf Prozent zugelegt. Die Hoffnungen der Investoren, dass die Weltwirtschaft bald wieder anziehe und dies steigende Unternehmensgewinne mit sich bringe, verstärkten sich, sagten Marktbeobachter.
Der Dax beendete den Handel mit einem Minus von 0,33 Prozent auf 5228 Zähler. Gewinnmitnahmen bei Technologiewerten und eine unter Druck stehende T-Aktie hielten den Index im roten Bereich. Die Wachstumswerte im Nemax 50 präsentierten sich 0,60 Prozent leichter auf 1040 Punkte.
"An der grundsätzlich positiven Stimmung angesichts der ermutigenden US-Konjunkturdaten vergangene Woche hat sich nichts geändert", erklärte ein Händler. So war am Nachmittag der Einkaufsmanagerindex für die US-Dienstleistungsbranche im Februar auf einen Stand von 58,7 gestiegen und damit auf den höchsten Stand seit November 2000. Analysten hatten einen Index von 51,6 erwartet. Er misst die Einschätzung von Unternehmen, die rund zwei Drittel des amerikanischen Bruttoinlandsproduktes repräsentieren.
Marktteilnehmer werteten die Daten als extrem positiv, da sie deutlich über den Erwartungen lagen. "Der Markt hat aber in den letzten Tagen genügend vorweg genommen und jetzt setzt ein klassischer 'Sell on good News ein'", sagte ein Händler mit Blick auf die fallenden Kurse am Markt. Die US-Börsen präsentierten sich zu Handelsschluss in Deutschland uneinheitlich. Der Dow Jones notierte ein Prozent leichter auf 10.479 Zähler. Der technologielastige Nasdaq Composite lag mit 0,8 Prozent auf 1506 Zähler im Plus.
Am Mittwoch werden in den USA unter anderem vom Beige Book, dem Wirtschaftsbericht der US-Notenbank, neue Erkenntnisse über die Konjunkturentwicklung erwartet. Noch streiten sich Börsianer darüber, ob es sich lediglich um eine Bärenmarktrallye handelt oder der Aufschwung von der Konjunkturwende getragen ist.
Epcos und Infineon unter Druck
Epcos und Infineon unter Druck
Mit Ausnahme von Siemens litten besonders Technologietitel unter Gewinnmitnahmen. Epcos -Aktien büßten 3,64 Prozent auf 48,48 Euro ein. Das Papier des Bauelemente-Spezialisten hatte jedoch am Vortag knapp zehn Prozent zugelegt. Infineon verzeichnete Verluste von 5,22 Prozent auf 27,59 Euro und waren damit das Schlusslicht im Dax. SAP konnten wieder ihr Vortagesniveau erreichen und schlossen bei knapp 164 Euro. Siemens -Papiere dagegen notierten gegen den Trend mit plus 2,14 Prozent auf runde 74 Euro und belegten eine Spitzenplatz im Dax.
Positiver Ausblick beflügelt Henkel
Henkel legten um 2,68 Prozent auf 67,50 Euro zu. Der Konzern hat im vergangenen Jahr wie erwartet einen Gewinnrückgang verzeichnet, will aber in diesem Jahr um rund zehn Prozent zulegen. Der positive Ausblick hatte die Aktie beflügelt.
Auch Fresenius Medical Care hatte seine Zahlen für 2001 vorgelegt. Nach einem uneinheitlichen Verlauf schloss die Aktie mit Verlusten von rund 1,60 Prozent auf 60,70 Euro. Der Pharmakonzern hat den Reingewinn auf 245 Millionen Dollar gesteigert und strebt für 2002 rund 350 Millionen Dollar Gewinn an. Händlern zufolge lagen die Zahlen für das Geschäftsjahr 2001 zwar am oberen Ende der Erwartungen. Allerdings blieben Anleger angesichts der Rechtsstreitigkeiten in den USA vorsichtig.
Tiefrote Zahlen bei Telekom
Die Aktien der Deutsche Telekom gerieten nach Vorlage von Geschäftszahlen für 2001 unter Druck und büßten 1,82 Prozent auf 16,72 Euro ein. Die Deutsche Telekom war im vergangenen Jahr erstmals seit ihrem Börsengang vor gut fünf Jahren in die Verlustzone gerutscht. "Bei den Zahlen halten sich positive und negative Überraschungen die Waage", sagte ein Börsianer. Der Verlust sei mit 3,5 Milliarden Euro deutlich höher als erwartet ausgefallen, der Abbau des Schuldenbergs komme aber offenbar voran.
Im M-Dax brachen die Anteilsscheine der Software AG um mehr als 36 Prozent auf 19,91 Euro ein. Das Unternehmen hatte zuvor die Prognosen für das erste Quartal gesenkt. Analyst Steffen Manske von Consors Capital sagte, das sei noch nicht das Ende der Fahnenstange. "Eine Reduzierung der Gesamtjahres-Prognose ist nun wohl auch zu erwarten." Ein Händler sagte, zusätzlich laste der Vorstandswechsel vom Vortag auf der Aktie.
Escada legten dagegen nach Geschäftszahlen knapp drei Prozent auf 20 Euro zu. Das Modeunternehmen erwartet für das Gesamtjahr 2001/02 bei einem leichten Umsatzrückgang ein positives Ergebnis.
Neuer Markt: Qiagen gibt Gewinne wieder ab
"Zuerst konnte der Neue Markt die positiven US-Vorgaben umsetzen", sagte ein Händler. Nach dem Plus der Vortage sei eine zwischenzeitliche Schwäche aber auch zu erwarten gewesen, hieß es. Ein anderer Wertpapierhändler sagte: "Wenn die Telekom mit dem Gedanken spielt, die Dividende zu streichen, hat dies auch Auswirkung auf die Stimmung am Neuen Markt".
Der freundliche Handelsbeginn an der technologielastigen US-Börse Nasdaq habe die Indizes nur kurzzeitig stützen können, sagte ein weiterer Börsianer. Da aber der Dow Jones schwach eröffnet und auch die Nasdaq schnell wieder von ihren Höchstständen zurückgekommen sei, habe der Neue Markt in der Verlustzone verharrt.
Uneinheitlich präsentierten sich die Biotechnologie-Werte: Qiagen -Aktien gaben bis zum Abend ihre frühen Gewinne ab und lagen mit 0,95 Prozent im Plus bei 17,03 Euro. Zeitweilig hatte das Plus mehr als vier Prozent betragen. Händler begründeten den Kursschub mit dem deutlichen Kursrückgang der Papiere am Vortag. Die Aktien der auf Datenanalyse spezialisierten Lion Bioscience gaben hingegen um 6,65 Prozent auf 13,06 Euro ab. "Da stehen so wenig Aufträge in den Büchern, dass auch kleine Verkaufaufträge dramatisch aussehen", sagte ein Wertpapierhändler. Zeitweise hatten Lion Bioscience mehr als acht Prozent verloren.
Teleplan -Aktien gaben nach der Vorlage von Geschäftszahlen für das abgelaufene Jahr 2,28 Prozent nach auf 16,70 Euro. Ein Börsianer sagte zum Kursrückgang: "In den Zahlen ist das vierte Quartal von zwei erst im Dezember gekauften Unternehmen enthalten". Wenn man diese Gewinne herausrechne, habe der Reparaturdienstleister die Ziele verfehlt.
Intershop , die am Vortag um mehr als 30 Prozent zugelegt hatten notierten am Nachmittag 8,18 Prozent leichter auf 1,46 Euro. Vorstandschef Schambach hatte am Vortag angekündigt, mehr als acht Millionen Inhaber-Stammaktien des eigenen Unternehmens zu kaufen. "Wenn ein Unternehmenschef Vertrauen in die eigenen Aktien zeigt und sie kaufen will, ist das immer ein beruhigendes Zeichen für die anderen Aktionäre", hatte ein Händler die Transaktion kommentiert.
Euro legt zu
Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs bei 0,8682 (Montag: 0,8649) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,1518 (1,1562) Euro. Zuletzt wurde der Euro mit 0,8705 Dollar gehandelt.