Börsenschluss: Versöhnlicher Wochenausklang - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Versöhnlicher Wochenausklang

Positive Konjunkturdaten aus den USA und ein freundlicher Handelsverlauf an der Wall Street haben die deutschen Aktienmärkte gestützt. Trotz eines neuen Bilanzierungsskandals legte der Dax deutlich zu.
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Frankfurt am Main - Der deutsche Leitindex hat am Freitag rund 2,9 Prozent fester auf 4382 Punkten geschlossen. Damit hat der Dax im Wochenvergleich trotz der Bilanzskandale bei Worldcom   und Xerox   knapp 150 Punkte gewonnen. Der MDax kletterte um 2,5 Prozent auf 3942 Zähler. Am Neuen Markt notierte der Nemax 50 zum Ausklang auf 607 Punkten, ein Plus von einem Prozent.

Die Kursgewinne wurden von Händlern mit einer technischen Erholung erklärt. Zudem seien aber auch positive Konjunkturdaten zum Verbrauchervertrauen und ein besser als erwartet ausgefallener Chicago-Einkaufsmanagerindex für die Kauflaune bei den Börsianern verantwortlich gewesen. Im Handelsverlauf dämpfte die Nachricht um aufgeblähte Umsätze beim Kopiergerätehersteller Xerox   zwischenzeitlich die Stimmung. Nach dem Worldcom-Debakel schien das die Märkte jedoch nicht mehr zu beeindrucken.

Auch in den USA präsentierten sich die Börsen freundlich. Der Dow Jones notierte zum Handelsschluss in Deutschland auf 9349 Punkten, ein Plus von 0,9 Prozent. Die Nasdaq legte um 1,3 Prozent auf 1478 Zähler zu.

MLP steigt über die 30-Euro-Marke

Die stärksten Zugewinne im Dax erzielte MLP. Die Aktie stürmte um über neun Prozent auf 31,60 Euro nach oben. Der Finanzdienstleister ist in den vergangenen Wochen stark unter Druck gekommen, nachdem in Medienberichten die Bilanzierungsmethoden des Unternehmens angezweifelt wurden.

"Gekauft werden vor allem Aktien von unterbewerteten Versicherern", sagte ein Wertpapierhändler in Frankfurt. Unterstützt von positiven Analystenkommentaren stieg die Aktie der Allianz   um 7,2 Prozent auf 204,45 Euro und war zweitstärkster Wert im Dax. Papiere der Münchener Rück   kletterten um 4,4 Prozent auf 240 Euro. "Die Bewertung einzelner Aktien entspricht dem Immobilienvermögen der Versicherer - das Geschäft bekommt man kostenlos dazu", hieß es am Markt.

T-Aktie auf Erholungskurs

Die T-Aktie   stieg nach einer Berg- und Talfahrt um 6,2 Prozent auf 9,50 Euro. Der Worldcom-Bilanzskandal scheint in der Branche verarbeitet zu sein, sagten Händler. Sollte sich eine Trendwende abzeichnen, dürften weitere Leerverkäufer ihre Geschäfte abschließen, sich wieder mit Technologieaktien eindecken und durch diesen "Short Squeeze" für steigende Kurse sorgen. Allerdings seien bei der Telekom noch viele Fragen ungeklärt, zum Beispiel bei der Bilanzierung der Immobilien, sagten Händler.

Bankaktien waren ebenfalls gefragt. Während sich die Aktie der HypoVereinsbank   um fünf Prozent auf 33 Euro verteuerte, gewann die Commerzbank   nach langen Ausflügen ins Minus am Ende 0,4 Prozent auf 15,20 Euro. Aktien der Deutschen Bank   stiegen nach einem Plus von zwei Prozent auf 70,40 Euro.

Die im MDax notierte Aktie des finanziell angeschlagenen Maschinenbaukonzerns Babcock Borsig   brach nach Presseberichten über einen gestiegenen Kapitalbedarf um 26,8 Prozent auf 1,50 Euro ein.

Thiel stürzt ab – Euro nähert sich der Dollar-Parität

Nemax 50 schließt über der 600-Punkte-Linie

Die Xerox-Nachricht hat die Stimmung am Neuen Markt zwischenzeitlich gedämpft. Nach einem schwachen Nachmittagshandel legte der Nemax 50 am Abend aber noch deutlich zu und kletterte deutlich über die Marke von 600 Zählern.

Tagesgewinner im Auswahlindex war die Aktie von SAP SI   . Das Papier gewann über 15 Prozent auf 9,80 Euro. Auch Funkwerk   und Adva   präsentierten sich sehr fest.

Dialog Semiconductor mit Umsatzwarnung

Der Chip-Hersteller Dialog Semiconductor   rechnet unterdessen wegen der anhaltenden Schwäche des Halbleiter- und Mobilfunkmarktes für das zweite Quartal mit einem Umsatzrückgang und einem höheren Verlust im Vergleich zum Vorquartal. Der Aktienkurs brach um knapp zehn Prozent auf 1,67 Euro ein.

Zudem setzte die Aktie von Thiel Logistik   ihre Talfahrt fort und fiel deutlich unter vier Euro. Das Papier gab 19 Prozent auf 3,20 Euro ab. Angesichts einer unklaren Unternehmensentwicklung hat die Investmentbank Morgan Stanley die Thiel-Aktie von "Overweight" auf "Equalweight" herunter gestuft. Nachdem er zwei Tage zuvor das Kursziel von 20,50 Euro auf 8,90 Euro gesenkt hatte, verzichtete Analyst Caspar Lund in seiner in London veröffentlichten Studie nun auf ein genaue Angabe.

Stellenabbau bei Pixelpark?

Der Kurs des unrentablen Internet-Dienstleisters Pixelpark   sank um 18,8 Prozent auf 1,82 Euro. Die Bertelsmann-Tochter schließt weitere Stellenstreichungen nicht aus.

Tokio: Klare Gewinne nach US-Vorgaben

Die japanischen Standardwerte sind am Freitag bei positiven Vorgaben der US-Börsen mit kräftigen Gewinnen aus dem Handel gegangen. Der Nikkei-Index aus 225 führenden Werte schloss auf dem Tageshoch und beendete das Geschäft mit einem Plus von 3,5 Prozent bei 10.621 Punkten.

Obwohl der Index schon am Vortag um 1,9 Prozent stieg, verzeichnete der Nikkei-225-Index im Juni die größten Verluste in einem Monat seit dem verlustreichen April 2000. Ingesamt brach der Index im Juni um 9,7 Prozent ein.

Unterstützt wurden die Kurse am Freitag von überraschend guten Konjunkturdaten. Die japanische Industrieproduktion wuchs von April auf Mai um 3,9 Prozent und übertraf damit die Erwartungen von Konjunkturexperten.

Die Anleger interessierten sich am Freitag besonders stark für Technologiewerte. Aktien des Elektronikkonzerns Rohm stiegen 6,2 Prozent auf 17.800 Yen, Tokyo Electron gewannen 5,7 Prozent auf 7735 Yen.

Der größte japanische Chiphersteller Toshiba stieg 5,9 Prozent auf 487 Yen. Konkurrent NEC, der weltweit drittgrößte Halbleiter-Konzern, legte 3,9 Prozent auf 831 Yen zu. Am Donnerstag hatte die US-Investmentbank Lehman Brothers ihre negative Haltung zum amerikanisch Halbleitersektor aufgegeben und einige Chipwerte heraufgestuft. Die Wertpapieranalysten stuften die Branche von "Underweight" auf "Market weight/slight overweight" herauf. Die neue Einstufung hatte Händlern zufolge auch positive Auswirkungen auf japanische und andere asiatische Chipwerte.

Euro pirscht sich an die Marke von einem Dollar

Der Kurs des Euro ist am Freitag fast auf Parität zum Dollar gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9975 (Donnerstag: 0,9824) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0025 (1,0179) Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6498 (0,6460) Pfund, 118,20 (118,07) Yen und 1,4721 (1,4722) Schweizer Franken fest.

Zum Abend notierte die Einheitswährung bei 99 US-Cent. Händler führten den erneuten Schwächenfall des Dollars auf Gerüchte über einen weiteren Fall von unsauberen Buchungen bei einem US-Unternehmen zurück.