Börsenschluss Vorsicht holte die Märkte ein
Hamburg Der Dax schloss bei 5062 Punkten (minus 0,1 Prozent). Die Wachstumswerte im Nemax 50 notierten 0,14 Prozent fester auf 1186 Punkte. Der Dow Jones notierte zum Handelsschluss in Deutschland 0,1 Prozent leichter auf 9882 Punkten. Der Nasdaq Composite präsentierte sich 0,5 Prozent schwächer bei 1980 Zählern.
Die zu Börsenbeginn mitgeteilten US-Einzelhandelsdaten seien zwar schwach, jedoch "ermutigend" ausgefallen, urteilten Händler in New York. Die Zahlen für Dezember legten nahe, dass die jüngste Schwäche der Konsumausgaben noch nicht an ihr Ende gekommen sei. Andererseits seien die Ausgaben jedoch auch nicht so stark gefallen, wie es von vielen erwartet worden war. Besonders bei den Techtiteln hielten sich die Anleger zurück angesichts der nach Börsenschluss anstehenden Quartalszahlen von Intel, Juniper Networks und E-Bay.
Merrill Lynch beflügelt Schering und FMC
In Erwartung der nach US-Börsenschluss zur Veröffentlichung anstehenden Geschäftszahlen von Intel sei das Geschäft insgesamt lustlos verlaufen, sagten Börsianer in Frankfurt. Dem Händler Knut Hochwald von der Hamburger Sparkasse zufolge stellt der US-Chiphersteller die Weichen für den Dax am Mittwoch. Sollten die Zahlen enttäuschen, sei ein Rückschlag auf bis zu 4880 Punkte möglich. Bei einer positiven Überraschung gebe es dagegen einiges Aufwärtspotenzial. Starke Verluste verbuchten die Aktien von ThyssenKrupp, die Börsianern zufolge von einem zurückhaltenden Ausblick belastet wurden.
Die Aktien des Pharmakonzerns Schering und des Medizintechnikkonzerns Fresenius Medical Care zählten zu den Spitzenwerten im Dax und profitierten dabei von positiven Analystenkommentaren des Investmenthauses Merrill Lynch. Schering kletterte um 3,10 Prozent auf 59,39 Euro. FMC legten 2,26 Prozent auf 68,79 Euro zu.
Infineon wieder gefragt
Neben der Erwartung der Intel-Zahlen habe die Heraufstufung des europäischen Technologiesektors für Kaufstimmung bei Infineon gesorgt, sagten Broker. Die Aktien legten um 1,61 Prozent auf 25,20 Euro zu. Von der Heraufstufung profitierten Marktteilnehmern zufolge auch Epcos , die zudem in der vergangenen Woche kräftige Einbußen erlitten hatten. Die Epcos-Aktien stiegen um 2,86 Prozent auf 59,39 Euro.
Die Aktien von Eon verteuerten sich unterdessen um 2,26 Prozent auf 58,80 Euro. Die Europäische Kommission hatte zuvor grünes Licht für das geplante Wasserkraft-Joint Venture der Eon mit der Österreichischen Elektrizitätswirtschafts-AG (Verbund) gegeben.
Einer der Spitzentitel war die Aktie der Commerzbank . Allerdings entfernte sie sich im Handelsverlauf von ihrem Tageshoch (17,92 Euro). Der Grund: Der Stuttgarter Automobilzulieferer Bosch hat von seinem Vorhaben, Buderus zu übernehmen, Abstand genommen. Da die Commerzbank etwa zehn Prozent an Buderus hält, gewann die Aktie der Bank "nur noch" 1,49 Prozent und kostete 17,66 Euro.
Kursbelebend wirkte auch, dass Vorstandsmitglied Mehmet Dalman angekündigt hatte, die Investment-Sparte werde im vierten Quartal einen Gewinn ausweisen. Darüber hinaus kündigte er eine Kooperation bei dem Geschäft mit Fusionen und Übernahmen mit einem US-Investmenthaus an.
Preussag und Thyssen auf der Verliererstraße
Die Aktien von ThyssenKrupp verbilligten sich um 2,16 Prozent auf 16,33 Euro. Das Unternehmen hatte zwei Wochen nach Ablauf des ersten Quartals des Geschäftsjahres 2001/2002 seine pessimistische Ertragsprognose bekräftigt und eine Verfehlung des Umsatzzieles angedeutet. Vor allem das erste Halbjahr des im Oktober begonnenen Geschäftsjahres werde schwierig, hieß es. Einem Händler zufolge enttäuschte der Ausblick auf den weiteren Geschäftsverlauf die Anleger.
Am Abend setzten sich die Aktien von Preussag mit einem Minus von 3,22 Prozent auf 30,97 Euro an die Spitze der Verlierer im Dax. Händler machten technische Faktoren hierfür verantwortlich. Große Verluste verbuchten auch MAN, deren Titel um 2,51 Prozent auf 24,87 Euro sanken. Beide Papiere hatten von Mitte Dezember bis vergangenen Freitag jeweils rund ein Viertel an Wert zugelegt.
M-Dax: Kursrutscht bei Buderus und Bilfinger
Im M-Dax verloren die Aktien von Buderus und ihres Großaktionärs Bilfinger + Berger, nachdem die Robert Bosch GmbH mitgeteilt hatte, nicht mehr an einer Übernahme von Buderus interessiert zu sein. Die Aktien von Buderus sanken um 6,82 Prozent auf 26,79 Euro und die Titel von Bilfinger um 7,99 Prozent auf 24,52 Euro.
Neuer Markt: Investoren hielten sich zurück
"Im Zweifel lieber zuschauen", beschrieb ein Händler die Stimmung am Neuen Markt. "Dabei sind die Umsätze wieder sehr gering", sagte der Börsianer. Fusionsfantasien bei den Chip-Händlern ACG und ce Consumer, Geschäftszahlen beim Telematik-Hersteller ComRoad und ein Auftrag bei der Init AG bewegten die Kurse.
Mit einem Kursgewinn von 7,69 Prozent auf 7,70 Euro führten ACG die Gewinnerliste im Nemax 50 an. Händler machten Gespräche des ACG-Großaktionärs Theodor Prümm mit dem Vorstandschef von ce Consumer, Erich Lejeune, über eine spätere Fusion für das Kursplus verantwortlich. Es handele sich allerdings erst um rein informelle Sondierungsgespräche, betonten die Unternehmen. Die Aktie von ce Consumer gewann 2,09 Prozent auf 8,80 Euro.
Nachdem die Geschäftszahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr von Händlern als "wenig überzeugend" gewertet wurden, fielen die Aktien der HypoVereinsbank-Tochter DAB Bank um 1,09 Prozent auf 13,65 Euro. Papiere des Discountbrokers ConSors kletterten um 2,71 Prozent auf 6,81 Euro und die Aktien von comdirect legten um 1,26 Prozent auf 11,25 Euro zu.
Die Aktien des Telematikspezialisten ComROAD gehörten mit Zugewinnen von 5,10 Prozent auf 10,09 Euro zur Spitzengruppe des Index. Comroad hat seinen Umsatz in 2001 mehr als verdoppelt.
IM Internationalmedia und Balda litten beide weiterhin unter ihren am Vortag gesenkten Gewinnprognosen und gaben 5,36 Prozent auf 16,94 Euro bzw. 6,39 Prozent auf 6,88 Euro ab. Die Aktien gehörten damit zu den schwächsten Werten im Nemax 50.
Der Kurs des Euro ist am Dienstag leicht gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,8922 (Montag: 0,8927) Dollar fest. Zuletzt wurde die Gemeinschaftswährung mit 0,8871 Dollar