Börsenschluss: Wall Street lastet auf dem Dax - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Wall Street lastet auf dem Dax

Die deutschen Aktienmärkte sind zum Handelsschluss deutlich ins Minus gerutscht. Schwache Konjunkturzahlen aus den USA drückten auf die Stimmung.
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Frankfurt am Main – Der Dax ging nach einem behaupteten Start deutlich schwächer aus dem Handel. Die Talfahrt begann erst nach Börseneröffnung in den USA und endete bei 5777 Punkten, ein Minus von einem Prozent. Am Neuen Markt verlor der Nemax 50 1,6 Prozent auf 1261 Zähler.

In den USA gaben der Dow Jones und die Nasdaq im Handelsverlauf ebenfalls nach. Im frühen Handel noch deutlich im Plus, schmolzen die Gewinne bis zum Börsenschluss in Frankfurt dahin.

Auslöser für die schlechte Stimmung waren schlechte Konjunkturzahlen. In Frankfurt und New York ist die Nachricht enttäuschender Juni-Auftragseingänge der US-Industrie mit Kursabschlägen quittiert worden. Zudem machten Gerüchte die Runde, dass der US-Netzwerkgigant Cisco bei der Vorlage seiner Quartalszahlen die 2002-Gewinnprognose kürzen könnte. Auch nahm der Markt die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Leitzinsen unverändert zu lassen, doch nicht so gelassen auf, wie zunächst vermutet, kommentierten Marktexperten den Handelsverlauf .

Gewinner des Tages waren im Dax die Aktien des Finanzdienstleisters MLP, die 4,5 Prozent auf 95 Euro zulegten. Stefan Buchholz, Aktienhändler von der DG Bank, wertete die hohen Umsätze als Anzeichen für ein hohes Interesse institutioneller Anleger. "Der Wert läuft aus der stark überverkauften Zone in den neutralen Bereich zwischen 100 und 105 Euro zurück", sagte Buchholz. Kaufsignale von technischen Indikatoren seien jetzt dabei, sich zu entwickeln. Auch für die Experten von M.M. Warburg hat der Finanzdienstleister das Schlimmste überstanden. Es bestehe ein durchschnittliches Risiko und der Wert sei charttechnisch verbessert.

Die Automobilbauer profitierten im frühen Handel von guten Absatzzahlen in den USA, mussten später ihre Gewinne jedoch wieder abgeben. Alle großen deutschen Hersteller haben im Juli ihre US-Verkäufe zum Teil auf Rekordniveau schrauben können. Die Absatzsteigerungen für die deutschen Autobauer sind vor allem deshalb bemerkenswert, weil der gesamte US-Automarkt insgesamt rund sechs Prozent nachgegeben hatte. Marktbeobachter führten den Erfolg der deutschen Autobauer auch auf den im Verhältnis zum Dollar schwachen Euro zurück. Bis zum Handelsschluss verloren die Aktien von BMW (minus 0,1 Prozent auf 40,35 Euro), Volkswagen (minus 0,6 Prozent auf 53,30 Euro) und DaimlerChrysler (minus 3,1 Prozent auf 54,85 Euro) wieder kräftig.

Auch die Technologiewerte verloren bis zum Schlussgong wieder. Epcos-Papiere schlossen 0,6 Prozent schwächer auf 54,74 Euro. Infineon-Titel präsentierten sich 1,7 Prozent leichter auf 29,70 Euro. Die Papiere des Mutterkonzerns Siemens gehörten mit Kursaufschlägen von 1,4 Prozent auf 65,40 Euro dagegen zu den Gewinnern im Dax.

Die Aktien der Deutschen Bank gingen nach den Verlusten vom Vortag 0,4 Prozent fester auf 77,95 Euro aus dem Handel. Händler führten den Kursgewinn auf die Neubewertung durch Goldman Sachs zurück, während negative Analysen von Schroder Salomon Smith Barney und Dresdner Kleinwort Wasserstein vom Markt ignoriert würden. Goldman Sachs hat die EPS-Schätzung für dieses Jahr um 34 Prozent auf 5,52 Euro angehoben.

SAP verteuerten sich nach einer erneuten Kaufempfehlung von Lehman Brothers kräftig. Der Vorstand des auf Unternehmenssoftware spezialisierten Konzerns hatte vor kurzem erklärt, den Umsatz noch in diesem Jahr um ein Fünftel steigern zu wollen. Die Aktie des Walldorfer Unternehmens kletterte um 0,9 Prozent auf 171,60 Euro.

Auch defensive Werte waren gefragt. So stiegen die Anteilsscheine von MAN um zwei Prozent auf 25,95 Euro. Die Aktien des Touristikkonzerns Preussag verbesserten sich um 2,8 Prozent auf 35,15 Euro. Möglicherweise färbte auf die Aktien ab, dass der Konkurrent Thomas Cook seine Ergebnisprognose für das laufende Jahr angehoben hat. Nach Angaben des Vorstands soll der Umsatz in diesem Jahr zweistellig steigen.

Kurserholung am Neuen Markt gestoppt

Nachdem die Wachstumsbörse in den vergangenen Handelstagen gut zulegen konnte, legte der Neue Markt am Donnerstag eine Ruhepause ein. "Die Schwäche ist ein Zeichen dafür, dass der Markt noch extrem nervös ist", sagte ein Händler. Der Aufschwung der vergangenen Tage sei eher eine technische Reaktion auf die vorherigen Verluste gewesen. Vor allem Privatanleger hätten sich erneut engagiert. "Da wurde ein bisschen Euphorie gespielt", urteilte der Börsianer.

Prodacta schockte mit einer Hiobsbotschaft. Das Unternehmen hatte am Morgen einen Insolvenzantrag gestellt. Der Aktienkurs fiel darauf um über 45 Prozent auf 0,35 Euro. Das E-Business-Unternehmen begründete den Insolvenzantrage damit, dass Verhandlungen mit Aktionären und potentiellen Investoren zu keinem endgültigen Ergebnis geführt hatten.

Die Aktien des Laser-Spezialisten Lambda Physik rutschten um mehr als zwölf Prozent auf 26,20 Euro ab, nachdem das Unternehmen eine Gewinnwarnung ausgesprochen hatte. Durch die Verschiebung eines Großauftrages rechnet das Unternehmen für das kommende Jahr und für 2003 mit einem gebremsten Wachstum. "Die Meldung allein ist nicht ausschlaggebend. Die Aktie befindet sich auch charttechnisch in einem Abwärtstrend", begründete ein Händler die Talfahrt. Seit Ende Juni rutschte die Aktie von über 60 Euro ab.

Zu Handelsbeginn hatten die Titel von Brokat noch den Nemax 50 mit Kursaufschlägen von acht Prozent angeführt, schlossen dann allerdings mit 12,9 Prozent im Minus auf 2,97 Euro. Offenbar hatten Zocker sich vorübergehend von dem Wert verabschiedet und die kräftigen Kursgewinne von mehr als 50 Prozent des Vortages zum Teil wieder einkassiert und den Wert verkauft. Händler hatten die Kursgewinne mit Gerüchten um einen Einstieg des britischen Mobilfunkkonzerns Vodafone bei dem angeschlagenen Softwarehersteller begründet.

IDS Scheer gibt in den USA weiter Gas. Nachdem das Unternehmen zuvor ein Beratungsunternehmen gekauft hatte, gab IDS heute eine Zusammenarbeit mit der an der Nasdaq notierten Vitria bekannt. IDS will mit dem Anbieter von Integrationsservern eine neue Softwarelösung entwickeln und vermarkten. Die Aktie verbilligte sich dennoch um 1,2 Prozent auf 15,25 Euro.

Euro behauptet sich

Die EZB-Entscheidung, den Leitzins nicht zu senken, habe den Markt nur kurzfristig bewegt, sagten Händler. Um 20 Uhr notierte die europäische Gemeinschaftswährung behauptet bei 0,8828 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 0,8788 (Mittwoch: 0,8817) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 2,2256 (2,2182) Mark.

Nach der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) ist der Kurs des Euro nur mäßig zurückgegangen. "Darin kann man viel reininterpretieren, doch eigentlich gibt der Rückgang das nicht her", sagte Devisenanalyst Andreas Rüger von Commerzbank Global Equities. Der Euro befinde sich nach dem deutlichen Anstieg der vergangenen Wochen in einer "Ruhephase". Der Handel verlaufe "lustlos". Das Hoch um die Marke von 0,88 Dollar erscheine derzeit relativ stabil, fügte Rüger hinzu. Allerdings erwarte er mittelfristig eher wieder nachgebende Kurse.