Börsenschluss: Wall Street trübt die Stimmung - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Wall Street trübt die Stimmung

Die Hightech-Branche macht den Börsianern wieder Sorgen. Im Sog der US-Märkte musste der Dax den Großteil seiner Gewinne wieder abgeben. Der Neue Markt kennt nur eine Richtung: nach unten.
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Frankfurt am Main – Mit einem Schlussspurt hat der Dax den Donnerstagshandel auf 4657 Punkten beendet, rund 0,7 Prozent über dem Vortagesschlusskurs. Noch kurz vor Handelsende notierte das Börsenbarometer deutlich niedriger. Ohne die US-Börsen wäre das Plus voraussichtlich höher ausgefallen. Vor Eröffnung der Wall Street markierte der Dax noch ein Tageshoch von 4716 Zählern, wurde aber dann von den US-Märkten belastet.

Die Nebenwerte im MDax konnten sich der trüben Stimmung nicht entziehen und verloren durchschnittlich um 0,2 Prozent und drückten den Index auf 4249 Zähler. Am Neuen Markt scheint die Talfahrt des Nemax 50 kein Ende zu nehmen. Der Auswahlindex sackte um 2,1 Prozent auf 754 Punkte.

In den USA haben die Börsen ihre Verluste nach einer schwachen Eröffnung weiter ausgebaut. Zum Handelsschluss in Frankfurt notierte der Dow Jones auf 9666 Punkten, ein Minus von 1,3 Prozent. Die Nasdaq rutschte um zwei Prozent auf 1564 Zähler.

Insbesondere die Technologiewerte, die zunächst noch kräftig zugelegt hatten, gerieten gegen Abend immer stärker unter Druck. Die Anleger fürchteten, der Chip-Hersteller Intel   werde bei seiner für den Abend angekündigten Mitteilung schlechte Nachrichten bekannt geben, hieß es weiter.

Der unerwartet starke Anstieg der deutschen Auftragseingänge hatte nur einen kurzzeitigen Effekt auf die Aktien. Die Orders im verarbeitenden Gewerbe stiegen im April im Monatsvergleich um 2,3 Prozent. Analysten hatten nur mit einem Plus von 0,9 Prozent gerechnet. Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Leitzinsen wie erwartet unverändert zu lassen, hatte keinen Einfluss auf das Börsengeschehen.

Ein Händler sagte, einer der wichtigsten Belastungsfaktoren für die Aktien sei die Angst vor steigenden US-Zinsen. Viele ausländische Investoren zögen derzeit ihr Kapital aus den USA ab. Ein Anzeichen hierfür sei die aktuelle Stärke des Euro. Angesichts des hohen US-Handelsbilanzdefizits könnte die US-Notenbank dadurch gezwungen werden, die Zinsen anzuheben, obwohl die Konjunktur noch relativ schwach sei.

T-Aktie: Immer wieder Allzeittief

Die Papiere der Deutschen Telekom   fielen nach anfänglichen Gewinnen zeitweise auf ein neues Allzeittief von 10,51 Euro. Händler sagten, die T-Aktie werde derzeit bei nachgebenden Kursen als erstes verkauft. Der voraussichtliche Erhalt eines Milliardenauftrags zur Abrechnung der Lkw-Maut spiele dabei keine Rolle. Zum Handelsschluss notierte das Papier 1,3 Prozent schwächer auf 10,64 Euro.

Die Aktien von SAP   schlossen 1,2 Prozent im Plus bei 110,85 Euro. Börsianer hatten sich allerdings bereits kurz nach Bekräftigung der Gewinnprognosen unter dem Hinweis auf fehlende Quartalsprognosen des Unternehmens zurückhaltend über den Software-Konzern geäußert.

Die übrigen Technologiewerte, die bis zum Mittag noch von der Bekräftigung der Gewinnprognosen durch den weltweit zweitgrößten Software-Hersteller Oracle vom Vorabend profitiert hatten, wurden Händlern zufolge ebenfalls von den Sorgen um Intel   belastet. Nach einer Herabstufung durch Merrill Lynch fielen die Aktien von Intel im frühen US-Handel um mehr als drei Prozent. Die Investmentbank hatte zudem mitgeteilt, sie rechne mit einem "konservativen" Ausblick des Chip-Herstellers für das zweite Quartal.

Die Titel von Preussag   litten Marktteilnehmern zufolge unter der allgemeinen Schwäche der Touristikbranche. Außerdem habe das Papier bei 26,50 Euro eine Unterstützung durchbrochen. Es fiel bis zum Börsenschluss um drei Prozent auf 26,32 Euro.

Im MDax rutschten die Aktien der Deutschen Börse   um 4,6 Prozent auf 44,50 Euro ab. Mit Blick auf die angekündigte Ausgabe von bis zu 10,276 Millionen Aktien sagte ein Börsianer: "Das ist ein sehr ungünstiger Zeitpunkt für eine Kapitalerhöhung."

Verluste in Tokio – Duisenberg stärkt den Euro

Tokio schließt schwächer - BIP-Erwartungen belasten

Der Aktienhandel an der Tokioter Börse war am Donnerstag von der Sorge über die Höhe des Wachstums des Bruttoinlandsproduktes bestimmt, das zum Wochenschluss bekannt gegeben werden soll, sagten Aktienhändler. Die asiatische Leitbörse in Tokio hat sich am Donnerstag nach einer freundlichen Eröffnung schwächer in den Feierabend verabschiedet. Der Nikkei für 225 Standardwerte verlor 88,93 Punkte oder 0,8 Prozent auf 11.574 Punkte. Der breiter angelegte Topix gab dagegen um 8,19 Punkte oder 0,7 Prozent auf 1108 Zähler nach.

Volkswirte haben ihre Wachstumsprognosen für Japan im ersten Quartal nach dem unerwartet kräftigen Rückgang der Investitionen in den ersten drei Monaten überwiegend nach unten geschraubt. Nachdem sich der Rückgang der Investitionen im ersten Quartal binnen Jahresfrist auf 16,8 Prozent nach 14,5 Prozent im Vorquartal beschleunigt hat, senkten von AFX News befragte Volkswirte am Mittwoch zumeist ihre Prognosen für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) auf etwa 1,0 Prozent zum Vorquartal.

Nach dem Enthusiasmus der vergangenen Wochen - der Nikkei 225 war in diesem Jahr auf 12.081 Punkte geklettert - und den Schätzungen für das BIP, die relativ hoch waren, hätte sich wieder etwas Besonnenheit breit gemacht, sagte ein Stratege von UFJ Tsubasa Securities.

Euro-Kurs steigt deutlich - Duisenberg begrüßt Kursanstieg

Der Kurs des Euro ist am Donnerstag deutlich gestiegen. Um 20.00 Uhr kostete die europäische Gemeinschaftswährung in Frankfurt 0,9447 Dollar. Im Vormittagshandel war der Euro zwischenzeitlich bis auf 0,9335 Dollar gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Nachmittag bei 0,9386 (Mittwoch: 0,9371) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 1,0654 (1,0671) Euro.

Der Präsident der EZB, Wim Duisenberg, hatte den jüngsten Kursanstieg der Gemeinschaftswährung ausdrücklich begrüßt. Diese Aussage habe den Euro gestützt, sagte Alexandra Bechtel von der Commerzbank.

Die EZB hatte zuvor die Leitzinsen in der Eurozone unverändert gelassen. Zugleich habe Duisenberg den Markt auf eine baldige Leitzinserhöhung eingestimmt, sagte Antje Praefcke von der Landesbank Hessen-Thüringen. Dies habe sich zusätzlich positiv auf den Euro ausgewirkt. Duisenberg hatte betont, dass sich die mittelfristigen Aussichten für die Preisstabilität in der Eurozone verschlechtert hätten. Vor allem die jüngste Ölpreiserhöhung habe die Erwartungen für einen deutlichen Rückgang der Inflation gedämpft. Dies habe Spekulationen über eine baldige Leitzinserhöhung genährt.

Die schwache Eröffnung an den US-Aktienmärkten habe den Dollar zusätzlich unter Druck gebracht, sagte Praefcke. Der Chip-Konzern Intel   wird nach Börsenschluss einen Ausblick auf das laufende Geschäft vorlegen. Investoren befürchteten, dass enttäuschende Zahlen die Technologiewerte belasten werden. Der Euro werde nun die Marke von 0,95 in Angriff nehmen, erwartet die Expertin.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6438 (0,6430) Pfund, 117,13 (116,55) Yen und 1,4744 (1,4704) Schweizer Franken fest.

Die Feinunze Gold wurde in London mit 324,10 (322,00) Dollar gefixt.