Börsenschluss: Warten auf Alan Greenspan - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Warten auf Alan Greenspan

Dax und Nemax-50 gingen am Dienstag mit leichten Verlusten aus dem Handel. Der schwache Ausblick des finnischen Handyherstellers Nokia drückte Technologie-Papiere im Dax. Defensive Werte hingegen waren gefragt. In Erwartung der US-Zinsentscheidung am Mittwoch hielten sich die Anleger in Deutschland insgesamt zurück.
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Frankfurt am Main - Der Deutsche Aktienmarkt hat am Dienstag leichter geschlossen, was Händler unter anderem auf die Bekanntgabe eines negativen Geschäftsausblicks des finnischen Handyherstellers Nokia zurückführten. "Nach einem euphorischen Start heute Morgen, kam Nokia und mit den Technologiewerten ging's bergab", sagte Michael Foeller, Aktienhändler bei Concord Effekten.

Der Dax, der am Vormittag bis auf ein Jahreshoch von 6792 Punkten gestiegen war, beendete den Handelstag mit 6739 Zählern um 0,17 Prozent schwächer. Am Neuen Markt schloss der Blue-Chip-Index der Wachstumswerte Nemax 50 um 0,63 Prozent tiefer bei 2834 Zählern. Der M-Dax legte um 0,39 Prozent auf 4792 Punkte zu.

Anleger hielten sich vor US-Zinsentscheidung zurück

Die Investoren hätten sich im Vorfeld der Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed abwartend gezeigt, beschrieb ein weiterer Händler die Stimmung. Die Umsätze an beiden Marktsegmenten seien nicht sehr hoch, hieß es.

Die US-Notenbank Fed hatte ihr zweitägiges geldpolitisches Treffen am Dienstagnachmittag (MEZ) begonnen, eine Zinsentscheidung wird für Mittwochabend erwartet. Besonders nach den Äußerungen von Fed-Präsident Alan Greenspan in der vergangenen Woche über ein mögliches Null-Wachstum in den USA rechnen Analysten nahezu einstimmig mit einer kräftigen Leitzinssenkung um 50 Basispunkte.

Die US-Märkte tendierten bei Börsenschluss in Deutschland uneinheitlich. Der Dow-Jones lag mit knapp einem Prozent im Plus, der technologielastige Nasdaq-Index gab 0,3 Prozent ab. "An der Nasdaq kann man eine Überkaufsituation beobachten", sagte Foeller. "Deswegen sehen derzeit die Werte der Old Economy einfach besser aus", fügte er hinzu.

Siemens und Epcos durch Nokia-Ausblick unter Druck

Unter Druck geriet die Siemens-Aktie, nachdem Nokia einen negativen Geschäftsausblick gegeben hatte. Das Siemens-Papier schloss 1,6 Prozent schwächer auf 151,30 Euro. Der finnische Mobiltelefon-Hersteller hatte zwar mitgeteilt, im vierten Quartal seinen Gewinn stärker als von Analysten erwartet gesteigert zu haben. Gleichzeitig senkte das Unternehmen aber seine Absatzprognose für das laufende Jahr, was von Händlern als negativ bewertet wurde. "Das wird jetzt eine Menge Herunterstufungen auslösen", sagte ein Londoner Telekomanalyst. Kursabschläge von 1,9 Prozent auf 89,03 Euro mussten auch die Titel von Epcos hinnehmen.

DaimlerChrysler litten unter Gewinnmitnahmen

Nach der Ankündigung eines umfassenden Stellenabbaus bei ihrer US-Tochter Chrysler am Montag stand die Aktie von DaimlerChrysler auch am Dienstag unter Druck. Finanzexperten begründeten dies vor allem mit Gewinnmitnahmen. Die Aktie des Stuttgarter Konzerns ging als größter Verlierer mit einem Abschlag von 3,4 Prozent auf 49,84 Euro aus dem Handel.

Übernahmeangebot drückt RWE-Aktien

Die Aktien des Essener Energiekonzerns RWE verbuchten einen Kursverlust von 2,4 Prozent auf 42,75 Euro. Händler sagten, das Übernahmeangebot, das RWE für die spanische Cantabrico vorzulegen gedenke, sei zu teuer. "Die überlegen sich jetzt ein höheres Angebot und könnten damit zu viel für Cantabrico bezahlen", sagte ein Händler. Deutschlands größter Energiekonzern hatte zuvor mitgeteilt, ein Gegenangebot für den viertgrößten spanischen Energiekonzern Hidroelectrica del Cantabrico zu prüfen.

Defensive Werte machten im Dax das Rennen

Auf der Gewinnerseite im Dax standen mehrheitlich defensive Werte, wie MAN, die um 5,6 Prozent zulegten, ThyssenKrupp, die sich um rund zwei Prozent verteuerten und Linde, die 1,5 Prozent gewannen. Die Analysten der Deutschen Bank hatten die gesamte europäische Stahlbranche in einer Neubewertung herauf gestuft, begründeten Händler die Kurszuwächse bei ThyssenKrupp.

Zu den großen Gewinnern im Dax gehörten auch die Titel von Adidas, die um 3,8 Prozent auf 77,33 Euro anzogen. Händler begründeten dies unter anderem damit, dass die Titel günstiger als die des US-Konkurrenten Nike bewertet seien. Zudem habe die Aktie einen charttechnischen Widerstand bei 75,50 Euro durchbrochen. Einem Börsianer zufolge munkelte man am Markt, es gäbe zusätzliche Kauforders, um den Wert im Dax zu halten. Die Aktie der Deutschen Post wird voraussichtlich ab Mitte Februar Adidas oder KarstadtQuelle im Dax ersetzen.

Die Titel der Deutschen Telekom gingen mit einem Plus von 0,8 Prozent auf 36,2 Euro aus der Sitzung. Die "Financial Times Deutschland" hatte am Dienstag berichtet, der Konzern werde ein deutliches Wachstum bei Vorsteuerergebnis (Ebitda) bis 2004 erzielen.

Anleger strafen gesenkte Prognosen von MWG-Biotech ab

Am Neuen Markt standen Kursverluste bei MWG Biotech im Vordergrund. Die Aktie rutschte um rund 25 Prozent auf 6,02 Euro. Das Molekularbiologie-Unternehmen hatte am Montag nach Börsenschluss seine Planzahlen für 2001 nach unten korrigiert.

Am Neuen Markt ging es auch mit den Aktien von SAP Systems Integration, die 14,8 Prozent auf 24,4 Euro verloren, nach unten. Für dieses Jahr erwartet die Beratungstochter des im DAX gelisteten Softwarekonzerns SAP ein unter den Prognosen liegendes Wachstum. Für viele Anleger war diese Meldung Grund genug, aus dem Titel zu flüchten.

Größter Gewinner unter den Wachstumswerten waren die Titel von Softing. Die Aktien stiegen in der Spitze um rund 50 Prozent, gaben dann einen Teil ihrer Gewinne wieder ab und schlossen mit einem Aufschlag von rund 38 Prozent bei 7,05 Euro. Händler zeigten sich von dem Kursanstieg überrascht und konnten keine fundamentalen Gründe dafür ausmachen. Ein Börsianer sagte, die Aktie werde sowohl von institutioneller als auch von privater Seite nachgefragt.

Rentenmarkt tendierte fester

Der Richtung weisende Bund-Future notierte um 0,20 Prozent höher bei 108,73 Punkten. Der Rentenindex Rex stieg ebenfalls um 0,20 Prozent auf 112,60 Punkte. Die Bundesbank hatte die Umlaufrendite am Nachmittag unverändert auf 4,83 Prozent festgestellt.

Im Devisenhandel wurde die europäische Gemeinschaftswährung am Abend fester bei 0,9277 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs des Euro am Mittag auf 0,9197 (Montag: 0,9193) Dollar festgesetzt. Die US-Devise kostete damit 2,1266 (Montag: 2,1275) Mark.