Börsenschluss Wie gewonnen, so zerronnen
Nach einem freundlichen Börsenstart legte der Dax zunächst bis über ein Prozent zu, um nach dem Börsenstart in den USA auf 6636 Punkte zu fallen. Das Börsenbarometer verabschiedete sich schließlich mit einem leichten Plus von 0,2 Prozent auf 6651 Punkte ins Wochenende.
Die Wachstumswerte am Neuen Markt hatten vorübergehend mit Kursaufschlägen von mehr als fünf Prozent geglänzt. Doch auch hier war die Entwicklung nicht nachhaltig: Der Nemax-50 schloss mit moderaten 1,1 Prozent auf 2813 Punkten im Plus. Der M-Dax ging mit einem Abschlag von 0,5 Prozent auf 4603 Stellen aus dem Handel.
Die Anleger hätten den Tag zu Gewinnmitnahmen genutzt, erklärten zahlreiche Börsianer. Der kleine Verfallstermin an der Terminbörse Eurex habe zu deutlich höheren Umsätzen bei den Dax-Schwergewichten wie Deutsche Telekom, Siemens und DaimlerChrysler geführt.
Wall Street: Trübe Stimmung
In den USA hatte die Gewinnwarnung der Baumarktkette Home Depot und die nicht erreichten Umsatzprognosen des Computer- und Softwarehersteller Sun Microsystems die Stimmung eingetrübt. Zudem hätten der am Nachmittag veröffentlichte Rückgang des Verbrauchervertrauens der Furcht vor einer weiteren Abkühlung der US-Konjunktur neue Nahrung gegeben und die dortigen Aktien belastet.
Der Dow Jones notierte bis gegen 21.15 Uhr MEZ um minus 0,8 Prozent leichter bei 10.594 Zählern. Der Nasdaq gab seine anfänglichen Gewinne größtenteils wieder ab und lag zeitgleich um plus 0,4 Prozent höher bei 2778 Punkten.
Microsoft-Zahlen stärken deutsche Hightechs
Zuvor hatten Quartalszahlen des weltgrößten Software-Herstellers Microsoft vom Donnerstag, die den Analysten-Erwartungen entsprachen, die Kurse der deutschen Hightechs beflügelt. Infineon gewannen 3,3 Prozent auf 47,99 Euro. Siemens legten um 2,6 Prozent auf 156,19 Euro zu. SAP Vorzüge lagen mit 2,2 Prozent im Plus. Die T-Aktie war mit über 14 Millionen gehandelten Stück Umsatzspitzenreiter unter den Dax-Titeln und gewann um ein Prozent auf 38,75 Euro.
Auf den hinteren Dax-Rängen rangierten mit BASF und Schering defensive Aktien. BASF-Papiere fielen um 4,2 Prozent auf 44,25 Euro, während Schering bei 53,95 Euro notierten - ein Abschlag von 3,1 Prozent.
EM.TV-Gerüchte halten Börsianer in Atem
Stärkster Dax-Wert waren MAN mit einem Aufschlag von 5,6 Prozent auf 31 Euro. Mit einem Tag Verspätung reagierten die Anleger damit auf die am Donnerstag vorgelegten guten Zahlen. Auch Automobil-Werte waren gefragt. Gerüchten zufolge bemühen sich einige Autohersteller - darunter BMW (plus 1,3 Prozent) und DaimlerChrysler (plus zwei Prozent) - derzeit um eine Mehrheit am Formel-Eins-Veranstalter SLEC, hieß es in Branchenkreisen.
Hier spiele auch die kriselnde EM.TV (plus 22,8 Prozent) eine Rolle. Die Aktie profitierte von Gerüchten, dass der Rechtehändler seinen Anteil von 49 Prozent an SLEC verkaufen wolle.
Bericht über Finanzklemme belastet Gauss
Gauss Interprise litten dagegen unter dem Parkett-Geflüster. "Die Welt" hatte gemeldet, dass die Softwareschmiede ein Liquiditätsproblem habe. Der Kurs brach in der Folge ein und konnte sich trotz des Firmen-Dementi nicht mehr erholen. Am Ende verzeichnete die Gauss-Aktie ein Minus von 14,76 Prozent auf 4,39 Euro.
Bei IN-motion wirkten die Hollywood-Schauspieler Robert Redford, Al Pacino und Kim Basinger als Kurstreiber. Das Unternehmen wolle künftig neben Fernseh- auch Kinofilme produzieren und hat als ersten eine Produktion mit den genannten Schauspielern angekündigt. Die Investoren und Anleger bewerteten den Anstieg am Freitag positiv - der Kurs stieg zum Wochenausklang um 6,2 Prozent auf 34,55 Euro.
Die krisengeschüttelte Infomatec ging trotz einer Klage der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) mit einem Plus von 2,3 Prozent auf 2,25 Euro aus dem Markt. Am Donnerstagabend hatte die SdK Schadensersatzklage gegen die beiden ehemaligen Vorstandsmitglieder Alexander Häfele und Gerhard Harlos eingereicht. Dabei soll es unter anderem um falsche Angaben bei Ad-hoc-Mitteilungen gehen.