Börsenschluss Zinssenkung belebt die Märkte
Frankfurt am Main - Die Blue Chips im Dax präsentierten sich am Donnerstag in bester Verfassung. Das Börsenbarometer schloss bei 4993 Punkten, ein Plus von 2,7 Prozent. Das Tageshoch wurde bei 5005 Zählern gemessen. Etwas gemächlicher verlief der Handel am Neuen Markt. Mit einem Plus von 1,8 Prozent auf 1141 Punkten verabschiedete sich der Nemax 50.
Die Märkte in New York verharrten im Handelsverlauf deutlich im grünen Bereich. Der Dow Jones notierte zum Handelsschluss in Deutschland auf 9663 Punkten, ein Plus von 1,1 Prozent. Die Nasdaq kletterte um 1,9 Prozent auf 1872 Zähler.
Auslöser für die Kursrallye waren die Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB), die in Frankfurt und New York begrüßt wurde, und gute Konjunkturdaten aus den USA. "Die Zinssenkungen beflügeln den Markt, wir könnten aus technischer Sicht auf 5100 bis 5150 Punkte im Dax laufen", sagte ein Händler. Investoren, die sich zuvor zurückgehalten hätten, würden angesichts der anhaltend festen Tendenz nun in den Markt einsteigen. "Welcher Fondsmanager ärgert sich nicht, wenn er eine solche Performance verpasst?"
Die EZB hatte am Nachmittag die Leitzinsen in der Euro-Zone angesichts schwacher Konjunktur und rückläufiger Inflation um 50 Basispunkte gesenkt. Der für die Refinanzierung der Geschäftsbanken maßgebliche Mindestbietungssatz beim Zinstender sei auf 3,25 (3,75) Prozent gesenkt worden, hieß es. In den USA hatte zudem das Arbeitsministerium einen überraschenden Rückgang bei den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe bekannt gegeben. In der Woche zum 3. November habe die Zahl der Anträge auf 450.000 von revidiert 496.000 in der Vorwoche abgenommen. Analysten hatten zuvor einen Anstieg auf 504.000 erwartet.
Einige Börsianer reagierten angesichts der deutlichen Kursanstiege aber auch skeptisch. Christian Schmit, Aktienhändler bei der Helaba mahnte zur Vorsicht: "Der Markt hat seit dem elften September rund 40 Prozent nach oben gewonnen, das kommt mir viel vor. Wir dürften uns daher auf dem weiteren Weg nach oben schwer tun."
Dank guter Branchennachrichten hat die Aktie von Infineon ihre Spitzenposition in der Gewinnerliste verteidigt. Die Titel verteuerten sich um 6,6 Prozent auf 21,60 Euro. Am Mittwochabend hatte der US-amerikanische Halbleiter-Branchenverband SIA mitgeteilt, im vierten Quartal mit einer weltweiten Erholung der Halbleiter-Industrie zu rechnen.
Auch die übrigen Technologiewerte ließen sich von der guten Stimmung mitreißen. Die Titel von Siemens (plus vier Prozent auf 60,40 Euro), Epcos (plus 5,1 Prozent auf 57,40 Euro) und SAP (plus 2,9 Prozent auf 135,31 Euro) präsentierten sich fest.
Die Aktie der Deutsche Telekom stieg um 5,8 Prozent auf 19,05 Euro. Die Deutsche Bank hat die T-Aktie erneut mit "Kauf" eingestuft und ein Kursziel von 24,50 Euro ausgegeben. Händler sagten, die Zinssenkung werde dazu beitragen, die Zinslast im Zusammenhang mit dem Schuldenabbau bei dem Bonner Konzern zu mindern. Zudem habe sich die Stimmung im ganzen Telekomsektor verbessert.
Die Lufthansa-Aktie knüpfte an die gute Performance des Vortages an und legte um mehr als sechs Prozent auf 13,75 Euro zu. Am Mittwoch kletterte das Papier bereits um mehr als zehn Prozent. Händler sagten, dass die Airline weiterhin von der Sabena-Pleite profitiere. Zudem mache "die Europäische Kommission Ernst und schiebt den hohen staatlichen Subventionen einen Riegel vor", hieß es. Langfristig sollten die Lufthansa und die großen Rivalen British Airways und Air France gestärkt aus der Krise hervorgehen.
Ganz oben notierten auch die Anteilsscheine von ThyssenKrupp mit einem Zuwachs von 5,5 Prozent. Die Aktie habe in den vergangenen Wochen wenig Beachtung gefunden und hole nun auf, sagte ein Händler. Außerdem hatte Goldman Sachs den Titel als "Outperformer" bestätigt.
Gewinnmitnahmen drückten dagegen im frühen Handel die Titel des Autobauers BMW . Im späten Handel erholte sich das Papier jedoch wieder und legte rund 0,8 Prozent auf 37,39 Euro zu.
Lediglich zwei Werte haben abgeben müssen. Die Titel der HypoVereinsbank gaben leicht um 0,2 Prozent nach, Adidas-Aktien rutschten um 0,5 Prozent auf 70,20 Euro. Händler erklärten den Kursrückgang mit Gewinnmitnahmen, nachdem die Anteilsscheine des Sportartikelherstellers in den vergangenen Tagen gut gelaufen seien.
Am Neuen Markt wird aussortiert
In den Nemax 50 kommt wieder Bewegung. Die Deutsche Börse hat neu sortiert, und nimmt den Halbleiterhersteller Dialog Semiconductor, Plambeck Neue Energien und das Biotechnologie-Unternehmen Rhein Biotech in den Auswahlindex auf. Die Absteiger sind aufgrund einer zu geringen Marktkapitalisierung und eines schwächelnden Handelsvolumen Constantin , Fantastic und Biodata , die mit Kursverlusten um neun bis elf Prozent geschlossen die Verliererliste anführten.
Deutlich im Plus behaupteten sich die Titel des CD-und DVD-Anlagenbauers Aixtron , die 6,3 Prozent auf 21,89 Euro zulegten. Das Unternehmen hat im dritten Quartal Umsatz und Ertrag nach eigenen Angaben planmäßig gesteigert. Einen Einbruch verzeichnete im dritten Quartal allerdings der Auftragseingang, der von 58,5 Millionen auf 31,0 Millionen Euro schrumpfte. Für das Gesamtjahr sagte Aixtron eine Umsatzsteigerung von 53 Prozent auf insgesamt 241 Millionen Euro voraus.
Lion Bioscience rechnet nach eigenen Angaben trotz der schleppenden Konjunktur weiterhin mit einer Umsatzverdoppelung im Geschäftsjahr 2001/02 (31. März). Im zweiten Quartal betrug der operative Verlust 11,8 Millionen Euro bei einem Umsatz von 10,2 Millionen Euro. Die Börse reagierte auf die Ankündigung unentschlossen. Nach einer Berg- und Talfahrt ging die Aktie rund ein Prozent schwächer auf 20,03 Euro aus dem Handel.
Kurs des Euro gefallen
Der Euro hat nach EZB-Zinssenkung überraschend verloren. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,8972 (Mittwoch: 0,9014) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1799 Mark. Gegen Handelsschluss in Deutschland hat die Einheitswährung mit 0,8924 Dollar notiert.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6128 Pfund, 108,25 Yen und 1,4679 Schweizer Franken fest.