Börsenstart: T-Aktie verliert kräftig - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Börsenstart T-Aktie verliert kräftig

Wie befürchtet ist der Dax mit Abschlägen in die Woche gestartet. Neben der Telekom erwischte es vor allem die Siemens-Ableger Infineon und Epcos.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main – Die meisten Standardwerte an der Frankfurter Börse sind am Montag mit Verlusten in die Woche gestartet. Der Dax fiel im frühen Handel um 1,62 Prozent auf 3029 Punkte. Am Neuen Markt gab der Nemax 50 um 0,16 Prozent auf 418 Punkte nach. Händler verwiesen auf die schwachen Vorgaben von der Wall Street und die Kursverluste beim Schwergewicht Deutsche Telekom.

Die T-Aktie fiel um 3,18 Prozent auf 10,65 Euro. Auch MLP, Infineon und Epcos gehörten im frühen Handel zu den Verlierern. Dagegen gewannen BMW-Aktien knapp ein Prozent.

Börsenausblick: Kein gutes Wetter

Die Analysten des Wertpapierhandelshauses Lang & Schwarz gehen davon aus, dass der Dax zu Handelsbeginn um weitere 20 Punkte auf 3059 Zähler fällt. Am Freitag war das Börsenbarometer um 2,4 Prozent auf 3.079 Punkte gefallen. Da die Aufmarschplane der USA für einen Angriff auf den Irak konkreter werden und eine Zinssenkung der Fed in der vergangenen Woche an den Märkten verpufft ist, schließen Marktteilnehmer nicht aus, dass der Dax in dieser Woche erneut unter 3000 Punkte fällt.

Auch von der Unternehmensseite sieht es nicht rosig aus. In dieser Woche geben zahlreiche Dax-Konzerne ihre Zahlen bekannt: Der Spezialchemiekonzern Degussa   hat zum Auftakt seine Ergebnisprognose für das laufende Jahr leicht gesenkt. Zudem verzeichnete der Konzern im dritten Quartal bei einem nahezu stagnierenden Umsatz im Kerngeschäft einen Ergebnisrückgang. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) werde in etwa wieder Vorjahreshöhe von 979 Millionen Euro liegen, teilte Degussa am Montag in Düsseldorf mit.

Auch die Aktie der Deutschen Telekom   dürfte zum Auftakt unter Druck geraten. Das Unternehmen legt am Donnerstag Zahlen vor: Wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf informierte Kreise berichtet, erwartet das Unternehmen bis Ende des Jahres ein Rekordverlust von bis zu 28 Milliarden Euro. Größter Anteil daran habe eine Sonderabschreibung auf den Wert von eingekauften Töchtern und auf UMTS-Mobilfunklizenzen. Die Sonderabschreibung werde rund 20 Milliarden Euro betragen. Hinzu komme bis Ende 2002 ein Verlust bis zu acht Milliarden Euro aus dem operativen Geschäft. In den ersten neun des Jahres sei bereits ein Fehlbetrag vob fünf Milliarden Euro aufgelaufen.

Schafft die Commerzbank schwarze Zahlen?

Der Chemiekonzern Degussa   und der MDax Konzern Heidelberger Cement   sorgen heute lediglich für den Auftakt einer Quartalszahlenflut. Am morgigen Dienstag berichtet Bayer   über das laufende Geschäft. Ebenfalls am Dienstag veröffentlicht auch die Commerzbank   ihre Bilanz für das dritte Quartal. Die Analysten sind sich uneins, ob die viertgrößte deutsche Geschäftsbank im dritten Quartal ein positives Ergebnis ausweisen kann.

Wie schon bei den Konkurrenten HypoVereinsbank   und Deutsche Bank   rechnen die Experten zudem mit einer deutlichen Anhebung der Risikovorsorge für das Kreditgeschäft. Die deutschen Banken leiden derzeit unter der hohen Zahl von Insolvenzen und Kreditausfällen.

Deutsche Börse entscheidet über Aktienindizes

Außerdem entscheidet die Deutsche Börse am Dienstag auf einer außerordentlichen Sitzung, wie sich die Aktienindizes künftig zusammensetzen sollen. Ein Wackelkandidat ist der Bauelemente-Spezialist Epcos   - Marktkapitalisierung und Börsenumsatz rechtfertigten einen Platzverweis. Nutznießer könnten Beiersdorf  , Continental   oder die Deutsche Börse AG   selbst sein.

Netzwerksparte wird Siemens-Ergebnis belasten

Am Mittwoch berichtet Siemens   über den vorläufigen Abschluss des Geschäftsjahres. Bei dem Elektronikriesen Siemens rechnen Beobachter mit Belastungen in dreistelliger Millionenhöhe durch die angeschlagene Netzwerksparte. Hier sehen die Analysten noch immer einen hohen Restrukturierungsbedarf.

Ebenso werden Linde   und Eon   über die Zahlen zum dritten Quartal berichten. Epcos   lädt zur Jahreskonferenz.

Telekom: Schwache Zahlen und ein neuer Chef

Am Donnerstag stellt neben der Deutschen Telekom auch der Chemiekonzern BASF   Zahlen vor. Bei dem Chemiekonzern rechnen die Experten mit guten Quartalszahlen. Die wichtigste Kennziffer des Konzerns, das Betriebsergebnis vor Sondereinflüssen, werde im Vergleich zum Vorjahresquartal deutlich steigen, hieß es. Am gleichen Tag legt auch die Allianz   ihre Zahlen vor.

Die Deutsche Telekom   wird am Donnerstag voraussichtlich den Nachfolger von Interimschef Helmut Sihler vorstellen. Fünf Kandidaten stehen zur Auswahl, darunter T-Mobile-Chef Kai-Uwe Ricke. Nach Presseberichten stünde Ricke bereits als Nachfolger fest, was die Telekom allerdings nicht kommentierte.

Am Freitag legt schließlich der Finanzdienstleister MLP   Quartalszahlen vor. Im MDax werden in dieser Woche Zahlen des Aufstiegskandidaten Beiersdorf  , von Beru, Douglas  , Buderus  , Hochtief   und Gehe   erwartet.

T-Online: Gewinnziele übertroffen?

Am Neuen Markt stehen in dieser Woche die Bilanzen von CE Consumer  , Medion   , GPC Biotech   T-Online und Thiel Logistik   im Mittelpunkt.

Das Internet-Unternehmen T-Online   wird aller Voraussicht nach die Gewinnprognosen für das Jahr 2002 übertreffen. Dies sagte der Vorstandschef Thomas Holtrop der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Bisher hatte das Darmstädter Unternehmen einen Gewinn (vor Steuern und Abschreibungen) von 30 bis 40 Millionen Euro vorhergesagt. Das tatsächliche Ergebnis werde wohl eher darüber liegen. Der Konzern legt am Mittwoch Zahlen vor.

Wall Street: Trübe Stimmung am "Veteran´s Day"

Wall Street: Trübe Stimmung am "Veteran´s Day"

Der Dow hat am Freitag 0,6 Prozent schwächer bei 8537 Zählern geschlossen, während der Nasdaq Composite 1,3 Prozent auf 1359 Zähler nachgab. Die Entscheidung der UN, die USA in ihrer harten Linie gegen den Irak zu unterstützen, eine verpuffte Zinssenkung sowie schlechte Unternehmensnachrichten haben dafür gesorgt, dass die Erholung der vergangenen Wochen beendet wurde.

Die anfänglichen Aufschläge an den US-Börsen waren am Freitag im Handelsverlauf rasch in ein Minus umgeschlagen, nachdem sich die USA im UN-Sicherheitsrat mit ihrer Forderung nach verschärften Waffeninspektionen im Irak durchgesetzt hatten. Zudem hatte US-Präsident George W. Bush dem Irak "schwerwiegende Konsequenzen" angedroht, sollte dieser nicht den UN-Forderungen nachkommen. Neben den politischen Themen lasteten auch Nachrichten von Unternehmensseite auf der Stimmung. So hatte der im Dow Jones notierte Konzern Mc Donald´s eingestanden, das Ergebnisziel im Gesamtjahr nicht zu erreichen. Wegen des Feiertages "Veteran's Day" findet am Montag kein Handel mit Treasurys statt, Aktien werden jedoch gehandelt. Händler rechnen mit geringen Umsätzen an der Wall Street.

Nikkei sehr schwach

Die Aktienbörse in Tokio hat am Montag nach der negativen Vorgabe der Wall Street vom Freitag schwach geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte fiel um 230,40 Punkte oder 2,6 Prozent und ging beim Stand von 8460,37 Punkten aus dem Handel.

Händler in Tokio nannten als weiteren Grund für die deutlichen Verluste die starke Abschwächung des Dollars zum Yen. Der Euro notierte fester mit 1,0133-36 Dollar nach 1,0073-76 Dollar am Freitag zur gleichen Zeit.